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Protest

19.03.2016

Funkmast sorgt in Unterstall für Ärger

Das Schützenheim liegt auf einer Anhöhe am Ortsrand von Unterstall – ideal für einen Funkmast. Doch etliche Anwohner sind wenig begeistert von den Plänen des Schützenvereins. Sie fürchten um ihre Gesundheit und wollen die Installation auf jeden Fall verhindern.
Bild: Claudia Stegmann

Auf dem Dach des Schützenheims soll eine Antenne installiert werden. Davon wussten die Anwohner nichts. Sie fühlen sich von den Vorstandsmitgliedern hintergangen und wollen gegen das Projekt notfalls anwaltlich vorgehen

Marianne Köpf wollte ihren Ohren nicht trauen. Auf dem Dach des Unterstaller Schützenheims, das keine 100 Meter Luftlinie von ihrem Haus entfernt ist, soll ein Handymast installiert werden. Der Vertrag sei bereits unterschrieben worden, ohne dass die Nachbarn im Vorfeld informiert worden seien. „Hinterfotzig“ findet Marianne Köpf das von den Schützen. „Dabei weiß doch jeder, wie gefährlich solche Funkmasten sind“, empört sie sich. Mit ihrem Ärger steht Marianne Köpf nicht alleine da, wie sie sagt. Mit etwa 15 Umliegern hätte sie gesprochen und keiner hätte etwas von den Plänen gewusst. Der Mast, so ihre Meinung, dürfe auf gar keinen Fall aufgestellt werden. Deshalb wollen sich die Gegner mit aller Macht wehren – wenn es sein muss, auch gerichtlich. Als nächsten Schritt werden sie aber erst mal eine Unterschriften-Aktion im Ort starten. „Egal, wen wir fragen, keiner weiß Bescheid. Die fallen alle aus den Wolken“, beschreibt Marianne Köpf die Stimmung vor Ort.

Dass der Handymast derart große Wellen schlägt, damit hätte der Schützenverein nicht gerechnet. „Wir haben mit dem nächstgelegenen Nachbarn gesprochen, und der hatte nichts dagegen. Dass sich Nachbarn in der zweiten oder gar dritten Reihe betroffen fühlen könnten, hätten wir nicht gedacht“, sagen Vereinsvorsitzende Ann-Kathrin Mayer und ihr Großvater Ernst Heckl, der Beisitzer im Verein ist. Beide wurden von der Kritik, die jetzt über den Verein hereinbricht, völlig überrascht.

Das Schützenheim als Standort für einen Funkmast hat die Gemeinde vorgeschlagen. Vor etwa einem Jahr, bestätigt Bürgermeister Tobias Gensberger, habe die Deutsche Funkturm (DFMG), eine Telekom-Gesellschaft, bei der Gemeinde eine Anfrage gestellt, worauf sie mehrere Vorschläge gemacht habe. Nach einem Besuch eines DFMG-Vertreters vor Ort sei die erste Wahl auf das Schützenheim gefallen.

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Am Mittwoch vor einer Woche trafen sich schließlich die Vorstandsmitglieder der Schützen, um über das Angebot der DFMG zu beraten. Über 3000 Euro bekämen die Schützen als jährliche Pacht, der Vertrag würde auf 15 Jahre festgeschrieben. Die Entscheidung fiel einstimmig aus, wie Ann-Kathrin Mayer berichtet: Der Mast soll auf das Dach – aber nur, wenn der nächstgelegene Nachbar nichts dagegen hat. Als dieser seine Zustimmung gab und weil die Einnahmen für den Verein wichtig seien, wurde vor wenigen Tagen der Vertrag unterschrieben. Voraussichtlich im Sommer soll der Mast installiert werden.

Auf die Beschwerden hin hat sich die erst 18-jährige Vereinsvorsitzende nun an die DFMG gewandt und um eine Infoveranstaltung gebeten, bei der die Anlieger aus erster Hand über die technischen Daten der Anlage und die befürchtete Strahlenbelastung informiert werden sollen. Termin ist bereits der kommende Mittwoch, 23. März, um 20 Uhr im Schützenheim. Die betroffenen Anwohner werden von den Schützen noch eine Einladung erhalten.

Rechtlich gesehen hat die Gemeinde keine Handhabe gegen den Funkmasten. „Das ist eine reine privatrechtliche Angelegenheit“, erklärt Bürgermeister Gensberger. Und baurechtlich stehe dem Ganzen nichts entgegen.

Zum jetzigen Zeitpunkt möchte Ann-Kathrin Mayer an der Entscheidung festhalten. „Die überwiegende Mehrheit des Vorstands will, dass der Mast installiert wird.“ Gegner gebe es immer, und im Umfeld des Schützenheims würden schließlich auch Befürworter der Antenne liegen. Denn immerhin liege Unterstall in einem Funkloch. Ein Handyempfang sei nur punktuell möglich. Ihr Großvater Ernst Heckl ist dagegen eher auf den Dorffrieden bedacht. „Wir müssen das nicht machen, wenn so viele dagegen sind.“ Tobias Gensberger hingegen glaubt, dass ein Funkmast früher oder später ohnehin kommen würde. „Lieber steht er auf dem Dach des Schützenheims als auf dem Dach eines Privatmanns“, sagt er. Denn durch die Einnahmen könnte der Verein zum Erhalt des Schützenheims beitragen – und davon hätten dann alle was.

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