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Bildung

08.05.2015

Gefährdete und „gefährliche“ Tiere

Dr. Susanne Hochwald von der Uni Bayreuth zeigte, wie die Bachmuschel mit Kondensmilch gefärbtes Wasser einsaugt. Mit einem Lichtstrahl reizten die Mädchen aus Rennertshofen die Muschel, ihren ausgestreckten Fuß einzuziehen.
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Dr. Susanne Hochwald von der Uni Bayreuth zeigte, wie die Bachmuschel mit Kondensmilch gefärbtes Wasser einsaugt. Mit einem Lichtstrahl reizten die Mädchen aus Rennertshofen die Muschel, ihren ausgestreckten Fuß einzuziehen.

Das Haus im Moos hat wieder einen ganzen Tag der Bachmuschel gewidmet. Unter den experimentierfreudigen Schülern waren auch die 4. Klassen aus Rennertshofen

„Zwickt der auch wirklich nicht?“ So ganz trauten die Kinder der Ermutigung, einen respektablen Edelkrebs hochzuheben, doch nicht und nur die ganz Mutigen packten ihn beherzt hinter den Scheren. Doch eigentlich stand nicht der aufsehenerregende Edelkrebs im Fokus des Interesses, sondern ein Wasserbewohner, der unscheinbar und versteckt im Gewässergrund lebt und einen komplizierten Lebenszyklus aufweist: die Bachmuschel. Ihr widmete die Umweltbildungsstätte im Haus im Moos wieder einen ganzen Tag. „Der Bachmuschel-Aktionstag ist inzwischen ein äußerst beliebtes umweltpädagogisches Angebot, mit dem den Schülern und Lehrern anschaulich und handlungsorientiert ökologische Zusammenhänge und Biodiversität nahegebracht werden kann“, sagt der Leiter der Umweltbildungsstätte Dr. Pankraz Wechselberger.

Das Angebot war auch heuer wieder sehr vielfältig und beleuchtete das ganze empfindliche Ökosystem: Norbert Model gab kindgerechte Informationen über Pflanzen, und wer den Beinwell einmal in der Hand hatte und gehört hat, dass er früher verwendet wurde, um Knochenbrüche, Verletzungen von Bändern und Sehnen und offene Wunden abzuheilen, wird ihn so schnell nicht vergessen. Ein Film informierte über die Bachmuschel und ließ die Kinder staunen, schließlich schaffen es nur 13 von einer Million abgelegten Eiern, sich an den Kiemen eines Fisches anzuhängen und sich weiterzuentwickeln. An den Aquarien konnten sich die jungen Forscher die Nasen platt drücken und die Mitbewohner der Bachmuschel in Augenschein nehmen.

Besonders spannend wurde es, als Dr. Susanne Hochwald von der Uni Bayreuth zeigte, wie die Bachmuschel mit Kondensmilch gefärbtes Wasser einsaugte, filtrierte und wieder ausströmen ließ. Mit dem Strahl einer Taschenlampe brachten die Kinder die Muschel dazu, ihren ausgestreckten Fuß wieder einzuziehen. Tatkräftige Unterstützung erfuhr die Wissenschaftlerin durch den Fischereibeauftragten des Bezirkes Oberbayern Dr. Bernhard Gum und die Bachmuschel-Regionalbetreuerin Johanna Wirth, schließlich wollte jeder mal eine Bachmuschel anfassen, denn für alle war es wohl das erste Mal im Leben. Auch mit Schauergeschichten über die im Pazifik lebende „Mördermuschel“, die angeblich Taucher in die Tiefe zieht, wurde aufgeräumt: Sie ernährt sich nur von Plankton, hätte aber leicht die Kraft, einen Arm festzuhalten, wenn sich ihre Schalenhälften mit enormer Kraft schließen, sobald ein Schatten über den lichtempfindlichen Muschelrand gleitet.

„Die Kinder waren ganz begeistert“, schwärmten Lehrerin Kerstin Kopecny und Konrektorin Iris Plichta aus Rennertshofen von dem rundum gelungenen Konzept, das „sehr kompetent und erfolgreich auf originale Begegnung setzt“. In der Schule machten ihre zwei vierten Klassen danach noch ein Bachmuschelquiz, wobei sich zeigte, dass enorm viel von der Aktion hängengeblieben ist. Etliche wollten gleich noch zu einer Exkursion an die Ussel aufbrechen, wo allerdings die Chance auf eine Begegnung mit Bachmuscheln wegen der Überdüngung des Flüsschens recht gering ist und man vielleicht ein Wiedersehen mit dem Krebs hat. Das wurde aber auf die kommenden Tage verschoben. Selbst Zweitklässler waren schon am Aktionstag mit dabei.

„Auch wenn vielleicht die ökologischen Zusammenhänge und der gesamte Lebenszyklus der Bachmuschel in diesem Alter noch nicht vollständig begriffen werden, kann mit solchen Elementarerlebnissen ein Impuls für Naturbezug und -verständnis für die Zukunft gelegt werden“, meinte Pankraz Wechselberger und war wieder einmal begeistert, wie fasziniert sich die Schüler diesen Tieren der Unterwasserwelt widmeten, die ihnen sonst kaum zugänglich sind, außer ihr Vater ist Fischer oder sie haben ein Aquarium oder einen Gartenteich zu Hause.

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