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25.03.2015

Holzdiebe im Englischen Garten

Auch das Forstamt zerstört die frühere Parkanlage

Dort, wo sich die schattigen Gänge des Englischen Gartens längs der Donau und der Grünauer Straße hinziehen, bestand um 1800 eine spärlich mit Bäumen bestandene sumpfige Donau-Au, genannt „Wildpretschütt“.

1803 beschloss die kurfürstliche Landesdirektion, die Umgebung der Stadt Neuburg, so weit es die Umstände erlaubten, zur Erholung und zum Vergnügen der Neuburger Bürger zu verschönern. Die vorzüglichen Anlagen, mit welchen die Natur den Raum Neuburg begünstigte, sollten hierzu genutzt werden. Der kurz zuvor entstandene Englische Garten in München war Vorbild für die von Oberförster Lutz eingereichten und genehmigten Pläne.

Von 1804 bis 1807 setzte Oberförster Lutz vom Forstamt Grünau seinen ganzen Ehrgeiz in die Schaffung der neuen Anlage. Der Bertoldsheimer Gärtner Josef Ertinger betreute die Arbeiten. Als Helfer wurden die Insassen des Zucht- und Arbeitshauses Neuburg herangezogen. Schon 1805 errichtete der Neuburger Gastwirt Lidl an der Stelle der heutigen Gastwirtschaft beim TSV-Sportplatz die erste Waldschenke und ein aus Brettern gezimmertes Tanzpodium. 1843 kam sogar eine Kegelbahn hinzu.

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Doch schon 1845 brannte die gesamte Anlage nieder. Bald darauf entstand an gleicher Stelle ein neues und schöneres Wirtshaus.

Heftige Überschwemmungen machten die Arbeit von Jahren schon bald zunichte. Die Parkanlage wurde sehr stark vernachlässigt. Holzdiebe bedienten sich in den verwüsteten Anlagen. Das führte so weit, dass zum Schutz des Englischen Gartens 1823 sogar die Gendarmerie-Brigade eingesetzt werden musste. Bei Karl Adam ist nachzulesen, dass der größte Schaden um 1832 durch radikale Holzfällungen vom Forstamt selbst angerichtet worden sei. Das veranlasste den Stadtmagistrat zu einer Beschwerde bei der Regierung. König Ludwig I. sprach ein Machtwort und fortan durfte das Forstamt keine weiteren Bäume im Englischen Garten fällen.

Um den schönen Park wieder herzurichten, wurde 1835 der königliche Hofgartendirektor und Erbauer des Englischen Gartens in München, Skell, nach Neuburg abgeordnet. Er verkleinerte den Englischen Garten, indem er den Bereich zwischen Grünauer- und Rohrenfelder Straße ausgrenzte und zur Besiedelung freigab. Mit starker Unterstützung des Magistrats der Stadt Neuburg wurden gerodete Flächen mit Jungbäumen und Sträuchern aus der Baumschule Schleißheim bepflanzt, Wege mit Kies aufgeschüttet. Die Waldbegrenzung entlang der Grünauer Straße erhielt einen lebenden Zaun, es wurden zwölf Parkbänke aufgestellt und vieles andere mehr.

Seit nunmehr 205 Jahren erfreut der Englische Garten Neuburgs Bürger, er ist ein Stück der Stadt selbst geworden und niemand möchte ihn mehr missen. Nach dem Gebäudeverzeichnis von 1882 standen in der Englisch-Garten-Siedlung (ehemals Englisch-Garten-Straße) damals erst zwei Häuser.

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