Newsticker
Bundes-Notbremse: Ausgangsbeschränkungen fallen weniger streng aus
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Kunstkreis war auf der Suche nach verlassenen Orten

Neuburg/Donau

23.11.2019

Kunstkreis war auf der Suche nach verlassenen Orten

In eineinhalb Jahren sind zum Thema „Verlassene Orte“ über 90 Werke entstanden, die noch bis März im Geriatriezentrum ausgestellt werden.
Foto: Julia Abspacher

Die Gruppe der Fotografen im Neuburger Kunstkreis war eineinhalb Jahre hinter Aufnahmen von verlassenen Orten her. Was sie nun zum Zehnjährigen präsentieren.

Auf die Suche gemacht haben sie sich wieder, die Fotografen des Kunstkreises. Auf die Suche nach verlassenen Orten, die gar nicht so leicht zu finden sind, haben sie es doch quasi schon per Definition an sich, dass der Mensch sich nur selten dorthin verirrt. Eineinhalb Jahre lang fotografierten die insgesamt elf Künstler in Nah und Fern, das Ergebnis ihrs Schaffens mit über 90 Aufnahmen, hinter Glas oder auf Leinwand, ist seit Freitagabend in der Geriatrie zu bestaunen. Die Jubiläumsausstellung anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Fotogruppe ist noch bis zum 5. März während der gewohnten Öffnungszeiten zu sehen.

Annemarie Meilinger, die Vorsitzende der Fotogruppe des Kunstkreises, beschrieb in ihrer Einführung die Faszination, die von verlassenen Orten ausgeht.
Foto: Julia Abspacher

Ursprünglich hatte die Ausstellung zum Titel „Lost Places“ – also verlorene Orte – stattfinden sollen, bevor man sich auf das finale Thema „Verlassene Orte“ einigte. Not-Rupprecht Siegel, früherer Chefarzt des Geriatriezentrums, zeigte sich vom nun kuratierten Ergebnis begeistert: „Verloren oder verlassen, das existiert nebeneinander. Manches kann aber wiederentdeckt und -belebt werden, anderes ist wirklich verloren“.

Auch in einer dicht besiedelten Gegend wie der um Neuburg wurden die Fotografen vom Kunstkreis fündig

Annemarie Meilinger, Vorsitzende der Fotogruppe des Kunstkreises, betonte die Faszination solcher verlassenen Orte, die in der Welt der Fotographie derzeit einen richtiggehenden Hype erleben: „Fotografen interessiert nicht nur das Schöne, das Gerade und das Glatte. Störungen in der perfekt gestalteten Welt sind gerade das Interessante.“ Auch wenn in einer dicht besiedelten Gegend wie der um Neuburg verlassene Orte schwer zu finden seien, wurden die elf Künstler ein ums andere Mal fündig. Ein im Zweiten Weltkrieg nie fertiggestelltes Geheimlabor im Wald bei Straß, der Überschwemmungsort Straß-Moos oder das alte Schloss in Unterbaar, sie alle dienten als Kulisse. Manche Bilder entstanden auch in der Toskana oder auf Korsika.

Not-Rupprecht Siegel, früherer Chefarzt des Geriatriezentrums, zeigte sich in seinem Grußwort begeistert von der Vielschichtigkeit der Ausstellung.
Foto: Julia Abspacher

Eines verbindet die Bilder: Kein Mensch ist hier zu sehen - es sei denn vielleicht als Gesicht auf einem sich abschälenden Filmplakat - aber eben viele Spuren, die der Mensch hinterlassen hat. Von gigantischen Bauten wie einem ehemaligen Ausbesserungswerk der Bahn bis hin zu flüchtigsten Hinterlassenschaften wie einer umgekippten Kaffeetasse. Oft überwuchern Pflanzen die Hinweise der Zivilisation, erst diese Kombination aus Erschaffung und Verfall sorgt für ein Spannungsfeld. Viele der ausgestellten Werke sind Reihen verschiedener Ansichten des gleichen Motivs, schillernde Facetten werden erlebbar. Distanzierte, weitflächige Aufnahmen gesellen sich zu intimen Detailfotos aus dem Inneren der heruntergekommenen Bauten. Die gedeckten, verstaubten Farben des Verfalls werden allenfalls durch ein buntes Graffito unterbrochen, das seinerseits wahrscheinlich erst angebracht wurde, nachdem der Ort lägst zurückgelassen wurde.

 Ben Heine am Klavier umrahmte die Vernissage musikalisch.
Foto: Julia Abspacher

Bei der Vernissage erfuhren die Besucher im Gespräch mit den Fotografen auch die Entstehungsgeschichte der Bilder

Musikalisch begleitet von Ben Heine am Klavier konnten die rund 50 Besucher am Ende der Vernissage die Werke im sonst so belebten Haus dann ganz in Ruhe bestaunen und mit den Künstlern ins Gespräch kommen. Denn nicht nur die Bilder, auch gerade deren Entstehungsgeschichte ist ja oft das Interessante an Kunst.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren