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Bilder

08.05.2017

Lächelnde Kinder und Frauen in Uniform mit Sonnenbrille

Mustafa Javid (u. rechts) zeigt in seiner Ausstellung im Bürgerhaus im Ostend die Vielfalt Afghanistans in seinen Bildern: selbstbewusste Soldatinnen mit Sonnenbrille auf der einen und Frauen, die Burka tragen, auf der anderen Seite.

Mustafa Javid zeigt in einer Ausstellung im Bürgerhaus im Ostend Einblicke in das (hoffnungslose) Leben in Afghanistan

Krieg, Zerstörung und die Schreckensherrschaft der Taliban: Das sind die Bilder, die die meisten wohl im Kopf haben, wenn sie an Afghanistan denken und die man auch in den Medien sieht. Natürlich zeigt Mustafa Javid auch diese in seiner Fotoausstellung im Bürgerhaus Ostend. Aber Javid erlaubt dem Besucher noch andere Einblicke in sein Heimatland.

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Da stehen junge Soldatinnen selbstbewusst für eine Aufnahme bereit, tragen Sonnenbrille und Uniform. Auf einem anderen Bild lächeln Kinder in die Kamera, obwohl ihr Leben wohl nicht gerade leicht ist. Straßenszenen wechseln sich mit den Aufnahmen historischer Gebäuden ab – das Land in seiner ganzen Vielfalt präsentieren, das möchte der Fotograf in seiner Ausstellung.

Mustafa Javid wurde 1983 in Kabul, Afghanistan, geboren. Als er zwei Jahre alt war, flohen seine Eltern mit ihm und den anderen fünf Kindern in den benachbarten Irak. Dort ging der junge Mustafa zur Schule und machte auch das Abitur. 2002 kehrte die Familie zurück in die alte Heimat. Javid wechselte an die Universität, studierte Journalismus. Gemeinsam arbeitete er nach dem Studium beim Fernsehen und Radio – eine gefährliche Arbeit, denn sein Bruder kam 2011 bei einem Selbstmordanschlag ums Leben. Javid selbst veröffentlichte Fotoreportagen, die ihm nicht nur Freunde einbrachten – er war aufgrund seiner Arbeiten Repressalien ausgesetzt, musste schließlich fliehen. Seit 2014 lebt er mit seiner Frau, seiner Tochter und seinem Sohn in Deutschland. In Neuburg wohnt er seit einiger Zeit und fühlt sich hier mittlerweile sehr wohl, wie er erzählt.

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Rund 30 Aufnahmen gibt es im Bürgerhaus zu sehen, aufgenommen vor etwa acht Jahren. Neben Fotos von historischen Bauwerken in und um die Städte Bamiyan und Kabul, die teilweise mehr als 5000 Jahre alt sind und auch stark durch die Kriegswirren beschädigt wurden, sind es vor allem die Menschen Afghanistans, die Javid in den Fokus rücken möchte. „Es sind Kinder ohne Zukunft, Eltern ohne Hoffnung. Eben Menschen, die nicht wissen, ob sie den nächsten Tag noch erleben“, sagt Javid. „Ich hoffe, dass das Land bald zur Ruhe kommen kann.“

Stadtteilmanager Jürgen Stickl freute sich, die Ausstellung „Afghanistan“ im Bürgerhaus zeigen zu können. Auf Javids Arbeiten sei man durch Gespräche mit der Flüchtlingshilfe der Caritas aufmerksam geworden, denn das Bürgerhaus vernetze sich mit anderen Einrichtungen. Als Mehrgenerationenhaus und soziale Einrichtung in einem Stadtteil mit vielen unterschiedlichen Kulturen habe man die Aufgabe, „Menschen zu verbinden und das Potenzial zu entdecken, das hier schlummert“, sagte Stickl. Nun hofft er auf viele interessante Begegnungen und Gespräche im Rahmen der Ausstellung. Diese ist täglich zu den regulären Öffnungszeiten zu sehen und dauert bis zum 14. Juni.

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