1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Legionellen sorgen für Ausnahmezustand in Neuburg

Legionellen

05.08.2014

Legionellen sorgen für Ausnahmezustand in Neuburg

Bild: Barbara Würmseher

Für die rund 400 Bewohner im Neuburger Ostend bedeutet der Bakterienbefall im Leitungswasser den Ausnahmezustand. Warum sie sich über die Einschränkungen ärgern - und wo sie duschen.

Sommer, Sonne, schweißtreibende 28 Grad im Schatten und – Duschverbot. Für geschätzte 400 Bewohner des Neuburger Ostends zwischen Sudentenland-, Breslauer und Stettiner Straße herrscht seit zwölf Tagen Ausnahmezustand: Routineuntersuchungen haben in ihren Wasserleitungen extrem erhöhtes Legionelleaufkommen ergeben (die NR berichtete).

Das Risiko wird noch zwei bis drei Wochen anhalten

Die Menschen in insgesamt 94 betroffenen Haushalten sollen nun vermeiden, fein zerstäubtes Wasser einzuatmen, um sich nicht mit den Bakterien zu infizieren. Die könnten im einfachen Fall zum so genannten Pontiac-Fieber führen, im schlimmsten Fall allerdings zur Lungenentzündung mit Todesfolge. Bisher gibt es keine einzige Erkrankung. Doch das Risiko wird vermutlich weitere zwei/drei Wochen andauern, bis das Problem behoben ist.

„Wenn ich verschwitzt von der Arbeit nach Hause komme, bin ich es gewohnt, täglich zu duschen“, schildert eine 59-jährige Anwohnerin und nestelt am Ausschnitt ihres T-Shirts, um sich Luft zuzufächeln. „Jetzt darf ich seit Tagen nur Katzenwäsche machen und das ist schon sehr ärgerlich.“

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Zum Duschen ins Freibad oder in die Arbeit

Sie hat Angst, krank zu werden und vermeidet es vorsichtshalber sogar, Leitungswasser zu trinken, obwohl das ungefährlich ist. „Ich bin sehr froh, wenn ich in einer Woche in den Urlaub fahren kann. Dann geht es mir erst einmal besser. Und vielleicht ist ja danach alles wieder gut, wenn ich zurückkomme.“

Auch für einen 43-Jährigen und seine Familie aus der Ostendstraße ist der Alltag in diesen Zeiten mühsam geworden. Er hat zwei kleine Kinder, die er jetzt in den Ferien so oft wie möglich ins Freibad schickt, damit sie dort auch gleich duschen. „Ich selber nutze die Gelegenheit dazu in der Arbeit.“ Der Mann ist ein wenig verärgert über die Situation, ist jedoch überzeugt davon, „dass die Hausverwaltungen richtig Gas geben, damit es bald besser für uns wird.“

Hätte man den erhöhten Wert vermeiden können?

Eine andere Familie entflieht der momentanen Situation regelrecht: Ein 46-Jähriger, der seine beiden Kinder anfangs zur getrennt lebenden Mutter in deren Wohnung zum Duschen gebracht hat, ist gerade dabei, seine gepackten Koffer ins Auto einzuladen: „Meine fünfjährige Tochter, mein zehn Jahre alter Sohn und ich fahren jetzt nach Berchtesgaden in den Urlaub. Das kommt uns sehr gelegen, weil wir dort normale Zustände haben.“

Er kann nicht verstehen, wie es zu einem derart erhöhten Legionellenwert kommen kann, der – statt der maximal zulässigen 100 KbE (Kolonie bildenden Einheit) – zwischen 2000 und 11 000 KbE liegt. „Warum konnte man da nicht etwas präventiv machen?“, fragt er sich.

Noch gibt es keinen einzigen Krankheitfall

„Es kommt immer wieder vor, dass Grenzwerte überschritten werden, das ist ganz normal“, weiß Dr. Gerhard Schmid, der Leiter des Gesundheitsamts Neuburg-Schrobenhausen. Auffallende Befunde werden seiner Behörde gemeldet. „Ich sehe die konkrete Situation nicht als dramatisch an, weil wir ja nicht einen einzigen Krankheitsfall haben, geschweige denn eine Häufung von Erkrankungen.“

Wäre dieses extreme Legionellen-Aufkommen nicht in ganz normalen Wohnblocks, sondern in einer stationären Einrichtung wie etwa einem Krankenhaus registriert worden, „wäre das eher problematisch, da wir dort Menschen mit Vorerkrankungen haben“.

Nach seiner Kenntnis hat es seit vielen Jahren im Landkreis lediglich vereinzelte Infizierte und überhaupt keinen Todesfall gegeben. Trotzdem will Gerhard Schmid die aktuelle Situation nicht bagatellisieren. „Ich gehe davon aus, dass die Vorsorgemaßnahmen greifen.“ Eine Situation wie es sie etwa 2013 in einem Ulmer Hochhaus gab, als 500 Bewohner viele Monate lang nicht duschen durften, bezeichnet Schmid als „Alptraum“.

Sollte sich doch ein Bewohner infizieren und an Lungenentzündung erkranken, so wäre diese nicht für andere ansteckend. „Es handelt sich um eine rein technische Infektion, die nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird“, sagt der Gesundheitsamts-Leiter.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren