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Neuburg
11.08.2019

Junge Oper: Keineswegs vom Wege abgekommen

Höhepunkt pur: Ben Maier alias Vater Germont, Franz Garlik, der Liebhaber Alfredo, die sterbende Violetta, dargestellt von Lauren Francis, Katrin Mitko als besorgte Annina und der Dottore Hubert Häckl (von links) in der aufwühlenden Szene, die dem Tod Violettas voranging.
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Höhepunkt pur: Ben Maier alias Vater Germont, Franz Garlik, der Liebhaber Alfredo, die sterbende Violetta, dargestellt von Lauren Francis, Katrin Mitko als besorgte Annina und der Dottore Hubert Häckl (von links) in der aufwühlenden Szene, die dem Tod Violettas voranging.
Foto: Brigitte Clemens

Das Neuburger Ensemble führte Verdis La Traviata im Museumsgarten auf. Professionelle Sänger und Laiendarsteller überzeugten mit perfekt zugeschnittenem Spiel.

Es begann in einer lauen Sommernacht, endete im warmem Platzregen – und dazwischen: viel Gefühl, Liebesglück und -leid, zu Herzen gehende Musik, clevere Regiegags, ambitionierte Sänger und Darsteller, routinierte Instrumentalisten und beste Stimmung in der „Arena di Museumsgarten“ Neuburgs. Giuseppe Verdi komponierte für La Traviata (italienisch für „Die vom Wege Abgekommene“) die Musik, Francesco Maria Piave verfasste das Libretto.

Seppi Dünstl (rechts) brachte als flotter Gastone Schwung ins Geschehen auf der Bühne.
Foto: Brigitte Clemens

Die Oper wurde 1853 im „Teatro La Fenice“ in Venedig uraufgeführt, fiel zunächst beim Publikum durch, entwickelte sich aber, überarbeitet, zu einer der erfolgreichsten der Musikgeschichte. Verdi stellte eine von der Gesellschaft abgelehnte Person in den Mittelpunkt, die noch dazu an Tuberkulose stirbt. Das war für die damalige Zeit eine unerhörte Neuerung und ist bis heute aktuell. Alfred liebt Violetta, eine Dame zweifelhaften Rufs. Gemeinsam leben sie auf einem Landsitz in der Nähe von Paris. Alfreds Vater ist gegen diese Liaison. Er bedrängt Violetta, sich vom Sohn zu trennen. Als sie dem nachgibt, ist Alfred desillusioniert. Er demütigt die Geliebte auf einem Fest vor allen Gästen. Unheilbar krank erklärt ihm Violetta trotzdem erneut ihre Liebe. Als sie stirbt, bleiben ein betroffener Freund und sein Vater zurück. Violetta war die prädestinierte Rolle für Lauren Francis. Sie bestach durch strahlenden, sich mühelos in absolute Höhen schraubenden Sopran, gab jeder Stimmung den perfekten Ausdruck, spielte und sang überaus beeindruckend, war strahlender Mittelpunkt des Geschehens und fand großen Anklang durch tief berührende Arien.

Junge Oper brachte ausdrucksstarke Charaktere auf die Bühne

Alfredo wurde von Franz Garlik verkörpert, dessen Stärke im Spiel lag, der in Duetten und Terzetten sich sehr harmonisch einzufinden wusste und im Verlauf der von ihm in Szene gesetzten Oper sich stimmlich gut in seine Rolle einfügte. Ausdrucksstark und überzeugend trat Ben Maier, alias Germont, als Vater Alfredos auf. Mit anrührendem Vortrag meisterte er Höhen und Tiefen und lieferte bewegende Pianos. Katrin Mitko schlüpfte in gleich zwei Rollen. Keck und charmant gab sie Violettas Freundin Flora und zeigte Talent als besorgte Annina, die Violetta in ihren letzten Stunden treu zur Seite stand und sich stimmlich bestens mit manchem Profi messen konnte. Giuseppe und Gastone mimte Seppi Dünstl, war gesanglich sicher positioniert und sorgte mit witzigen Regieeinlagen für schauspielerische Hingucker. David Munzingers Bassstimme klang sonor und sauber und war einem Marchese durchweg angepasst. Barone und Dottore vereinte Hubert Häckl geschickt, als er beim „Pulsschlag“ des zart schmelzend spielenden, bis hin zum Orchestersound anwachsendenden siebenköpfigen Kammerorchesters „Voice Passion“ – unter dem punktgenauen Dirigat von Stellario Fagone, sein Talent wirkungsvoll ausspielte.

Dirigent Stellario Fagone und sein einfühlsam agierendes Kammerorchester „Voice Passion“ legten die instrumentelle Basis für einen gelungenen Opernabend.
Foto: Brigitte Clemens

Dem musikalischen Geschehen verpasste ein bestens aufgestelltes Chorensemble immer wieder neue Akzente, sei es durch die fantasievolle Kostümierung, durch freudiges Spiel oder harmonischen Zusammenklang. Besonderes Flair schufen Tänzerinnen der Ballettschule Anita Haas, die die Ensemblemusik wirkungsvoll in Bewegung umsetzten und für Abwechslung sorgten. Die Karnevalskapelle der Wuisler, ein bunter und völlig anders klingender Augenschmaus drehte leider – regenbedingt – nur eine kleine Runde durchs Publikum.

Die „Junge Oper“ um die professionellen Sänger Lauren und Franz Garlik bot eine beachtliche Leistung, die auch der im 3. Akt einsetzende Regen nicht schmälerte: Sie vereinte Profis und Laien, wobei Niveauunterschiede kaum zum Tragen kamen. Sie war sowohl gut durchdacht, als auch perfekt zugeschnitten und mit vielen liebevollen Kleinigkeiten, wie Wasserspielen oder Kerzenlicht, in Szene gesetzt. Der eine oder andere verbindende Satz hätte vielleicht bekannte Melodien mit den weniger eingängigen italienischen Arien verschmolzen, das Geschehen besser entfaltet und nicht ganz so bewanderten Opernliebhabern gutgetan.

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