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Neuburg

18.11.2020

Randale im neuen Parkhaus: Hat Neuburg ein Vandalismus-Problem?

Jugendliche und junge Erwachsene waren in der Stadt unterwegs - und hinterließen ihre Spuren.
Bild: Bernhard Mahler, Stadt Neuburg

Plus Beschmierte Wände, herausgerissene Mülleimer, kaputte Bänke: Immer wieder wird städtisches Eigentum demoliert. Massiv haben junge Menschen jetzt im neuen Parkhaus in Neuburg randaliert. Die Stadt ist dabei nicht die einzige Betroffene.

Axel Kalkowski atmet tief ein, bevor er zu erzählen beginnt. Losgegangen, sagt er, sei es vor ungefähr sieben Wochen. Eine Stele aus Edelstahl an der oberen Schanz, die sei abgebrochen worden und spurlos verschwunden. „Seither kommt jede Woche etwas Neues dazu.“ Manchmal sei es nur Müll, der achtlos auf den Boden geworfen wird. Ärgerlich, ja – verglichen mit anderen Vorkommnissen aber nur eine Kleinigkeit. An einigen Tagen nämlich werden Schilder verbogen, Bänke durchbrochen, wird aktiv zerstört. „Im Kräutergarten zum Beispiel haben sie Stelen umgeworfen, zum Teil mit dem Betonklotz“, bilanziert Axel Kalkowski trocken. Er ist Vorsitzender des Verschönerungsvereins – ein Verein, der sich eigentlich für das Gegenteil einsetzt: Neuburg für alle lebenswerter, attraktiver zu machen.

Von Vandalismus ist vor allem die Stadt Neuburg stark betroffen

Der Verschönerungsverein ist nicht der einzige Leidtragende, wenn es um Vandalismus in Neuburg geht. Betroffen ist auch und vor allem die Stadt Neuburg. Wie Bernhard Mahler von der Stadtverwaltung berichtet, hat ein knappes Dutzend Personen Anfang dieser Woche einen „regelrechten Streifzug der Zerstörung und Beschädigung“ hinterlassen. Im Bereich der Grund- und Mittelschule am Englischen Garten über das neue Parkhaus am Hallenbad bis in die Innenstadt hinein wurden Zäune und Schilder niedergerissen, private wie auch öffentliche Flächen mit „ACAB“ besprüht – einer Abkürzung, die in voller Länge „All cops are bastards“ bedeutet und die Polizei beleidigen soll.

Vier mutmaßliche Randalierer wurden laut Polizei bereits gefasst.
Bild: Bernhard Mahler, Stadt Neuburg

Wie viele solcher Vandalismus-Fälle pro Jahr passieren, sei schwer zu fassen, sagt Norbert Bachmaier von der Polizeiinspektion Neuburg. Das liegt auch daran, dass Sachbeschädigungen nicht immer aus blinder Zerstörungswut, sondern häufig auch unabsichtlich geschehen. Statistisch betrachtet hat die Polizei in diesem Jahr mit etwa 200 Sachbeschädigungen zu tun gehabt. Davon sei nur ein geringer Anteil als „gemeinschädlich“ einzustufen, wie es etwa in der Parkgarage am Hallenbad in Neuburg der Fall gewesen ist. Oft trifft es dagegen den privaten Kfz-Bereich – so auch diese Woche.

Wie aus einem aktuellen Polizeibericht hervorgeht, haben Unbekannte ebenfalls von Dienstag auf Mittwoch unter anderem den Scheibenwischer eines Autos abgeknickt, das in der Mazillisstraße geparkt war. Sie haben die Motorhaube zerkratzt und den Wagen mit Schriftzügen dekoriert. Solche Delikte wurden nach Angaben des Polizei-Chefs seit Jahresbeginn 70 Mal gemeldet. Eine Zahl, die verhältnismäßig normal sei. „Wir befinden uns im üblichen Bereich“, bekräftigt Norbert Bachmaier. Ein Vandalismus-Problem, sagt er dezidiert, hat Neuburg deshalb nicht.

Randale in einer Parkgarage in Neuburg: Stadt Neuburg lobt Belohnung aus

Im Fall des beschädigten Autos in der Mazillisstraße aber verdichten sich die Hinweise darauf, dass es sich um dieselbe Tätergruppe handelt, die sich bereits an der Parkgarage beim Hallenbad ausgelassen hatte. Diesbezüglich konnten die Beamten schon vier Personen fassen: zwei Jugendliche im Alter von 16 Jahren, einen 18-Jährigen und eine 15-jährige Jugendliche. Doch die Polizei geht davon aus, dass zehn junge Menschen verstrickt waren. „Die Ermittlungen gehen also weiter“, sagt Norbert Bachmaier. Wer etwas beobachtet hat, kann sich telefonisch bei den Beamten melden. Parallel dazu hat die Stadt Neuburg eine Belohnung von 500 Euro für Hinweise ausgelobt, die dazu beitragen, die Täter zu überführen. Jeden, der als Randalierer identifiziert wird, erwartet ein Strafverfahren. Und das ist noch nicht alles.

Sollte sich ergeben, dass die Betroffenen zur Schulfamilie gehören, werden zusätzlich strenge schuldisziplinarische Maßnahmen eingeleitet, sagt Bernhard Mahler von der Stadt Neuburg. „Wir werden in keinem Fall Milde walten lassen. Das sind keine Kavaliersdelikte.“

Die Polizei geht von insgesamt zehn Tätern aus, die an der Sachbeschädigung beteiligt sein können.
Bild: Bernhard Mahler, Stadt Neuburg

Obwohl es erst vor kurzer Zeit eröffnet wurde, hat sich das Parkhaus zu einem Hotspot für gewisse Gruppen entwickelt. „In den vergangenen Wochen haben Jugendliche und junge Erwachsene das neue Parkhaus als Aufenthaltsort entdeckt“, erzählt der städtische Pressesprecher. Deshalb wird dieser Bereich nun mit Videokameras überwacht. Sie sollen zum Wochenende schon in Betrieb sein. „Dann sind sämtliche Eingänge, beide Treppenhäuser und alle Decks erfasst und rund um die Uhr aufgezeichnet.“ Die entstandenen Schäden sollen indes so schnell wie möglich behoben werden. Insgesamt entstehen der Stadt dadurch jährliche Kosten von bis zu 30.000 Euro.

Verschönerungsverein Neuburg: Schäden durch Vandalismus von 2000 Euro

Mit den finanziellen Konsequenzen des Vandalismus muss sich auch der Verschönerungsverein auseinandersetzen. Die Kosten hierfür belaufen sich durch jüngste Verschandelungen auf rund 2000 Euro. Um den Verein darin zu unterstützen, hat zuletzt der Stadtrat einen Zuschuss von 1000 Euro bewilligt. Auf einem Teil der Schäden, die andere verursacht haben, wird der Verein dennoch sitzen bleiben. „Ich frage mich nur warum?“, sagt Axel Kalkowski. „Wir waren in unserer Jugend auch keine Engel.“ Aber nie sei ihnen eingefallen, irgendetwas absichtlich kaputtzumachen. „Wenn so etwas je passiert wäre, hätten wir uns dafür geschämt.“

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