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Neuburg

20.10.2020

Religion in Neuburg: So feierte Schwester Martha Ewige Profess

Sehr festlich gestaltete Stadtpfarrer Herbert Kohler die Feier der Ewigen Profess für Schwester Martha.
Bild: Andrea Hammerl

Plus Für die 53-jährige gebürtige Nordirakerin ist es bereits die zweite – ihre erste Ewige Profess hatte sie mit 22 Jahren im Irak abgelegt. Schwester Martha hatte schon in ihrer Kindheit den Wunsch, einmal ins Kloster zu gehen.

Sehr festlich, vor allem aber höchst persönlich gestaltete Stadtpfarrer Herbert Kohler die Feier der Ewigen Profess für Schwester Martha, die ihre Gelübde sehr ernst ablegte. Erst nachdem sie und Pfarrer Kohler die Aufnahme in den Orden St. Elisabeth schriftlich beurkundet und Generaloberin Schwester Maria Goretti Böck ihr den Ring als Symbol ihrer Vermählung mit Christus an den Finger gesteckt hatte, strahlte Schwester Martha über das ganze Gesicht.

Kirche in Neuburg: Für Schwester Martha ist es bereits die zweite Profess

Sie ist angekommen, hat eine neue Heimat, ein neues Leben und bei den Elisabethinerinnen eine offene Tür gefunden. „Es waren dramatische und tragische Umstände, die Sie zu uns geführt haben“, spielte Pfarrer Kohler auf ihr früheres Leben an und betonte, „wir freuen uns, dass Sie hier sind“. Denn für die 53-jährige gebürtige Nordirakerin ist es bereits die zweite Ewige Profess – ihre erste hatte sie im Alter von 22 Jahren im Irak abgelegt. Dort war sie mit neun Geschwistern aufgewachsen und hatte schon in ihrer Kindheit den Wunsch gehabt, eines Tages ins Kloster zu gehen. Denn gegenüber ihrer Schule befand sich ein Orden, die junge Maysoon Isleiwa verbrachte viel Zeit bei den Schwestern. „Wir halfen ihnen bei ihren Arbeiten, zum Beispiel beim Putzen der Grotte“, erzählt Schwester Martha. Die Schwestern seien lieb gewesen und sie habe viel Freude bei ihnen erlebt, weshalb sie ihrer Mutter schon damals sagte: „Mama, wenn ich groß bin, werde ich Schwester und gebe anderen Menschen die Liebe, wie die Schwestern sie mir gegeben haben“.

Geprägt hat die junge Frau auch die große Religiosität in der eigenen Familie. Ihr Vater betete auch spätabends nach der Arbeit immer noch den Rosenkranz mit seinen Fingern. „Das hat mein Herz berührt“, sagt sie. Sie trat mit 16 Jahren in den chaldäisch-katholischen Orden der Töchter der Unbefleckten Gottesmutter ein. Doch dann kam der Krieg und ihr Leben im Irak geriet aus den Fugen. Sie erzählt nur andeutungsweise von dem, was sie erlebt hat, von einer Zeit als Christin in einer Region zwischen Schiiten und Sunniten lebend, eine Zeit voller Angst nicht nur um das eigene Leben, sondern auch um das der ihr anvertrauten Waisenmädchen. „Das hat mich innerlich kaputt gemacht“, erzählt sie. Sie trat aus dem Orden aus und floh, 2008 kam sie nach Deutschland, wo bereits zwei ihrer Brüder lebten.

Schwester Martha legte ihre Gelübde sehr ernst ab.
Bild: Andrea Hammerl

Die beiden Brüder waren mit ihren Frauen und Kindern nun zur Profess gekommen und gestalteten den Gottesdienst aktiv mit. Der jüngere Bruder, Awakem Isleiwa, ist chaldäisch-katholischer Pfarrer in München. Die Chaldäer sind Teil der römisch-katholischen Kirche. Ihre Priester müssen nicht zölibatär leben. Er unterstützte Pfarrer Herbert Kohler als Konzelebrant, ebenso der Hausgeistliche der Elisabethinerinnen, Pfarrer Marcel Frölich. Schwester Marthas Nichte Kristina versah den Messdienerdienst professionell, schließlich ist sie auch in ihrer Heimatpfarrei in Hochheim am Main als Ministrantin tätig.

Ewige Profess: Schwester Martha flüchtete aus dem Irak

Nach ihrer Flucht aus dem Irak wurde Schwester Martha von den Familien Beutler und Weber in München unterstützt. Sie machten sie mit den Benediktinerinnen in Tutzing bekannt, wo sie ein Pflegepraktikum machte. Die Benediktinerinnen empfahlen ihr, sich auch andere Klöster anzuschauen, bevor sie sich für eines entscheide. So kam sie 2011 für zehn Tage auf Probe nach Neuburg zu den Elisabethinerinnen und bat Generaloberin Maria Goretti Böck dann um Aufnahme in den Orden. Die heilige Elisabeth habe sie sehr beeindruckt, erklärt sie ihre Motivation. Heute arbeitet Schwester Martha in der Küche im Kloster und kümmert sich in ihrer Freizeit um die Schwestern auf der Pflegestation oder den Klostergarten.

Ihre Namenspatronin beleuchtete Pfarrer Kohler in seiner Predigt. Martha und Maria waren die Schwestern von Lazarus. Das Lukasevangelium erzählt, wie Martha zur Türöffnerin für Christus wurde, aber in ihrer Sorge um sein leibliches Wohl keine Zeit hatte zuzuhören, während ihre Schwester Maria sich auf Jesus konzentrierte. „Nehmen Sie Ihre Schwester Maria mit in ihr Ordensleben“, riet Pfarrer Kohler Schwester Martha. Es brauche beides – Kümmern und das Meditieren.

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