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Neuburg

16.02.2021

Schluss nach 60 Jahren: Auf dem Neuburger Wochenmarkt endet eine Ära

Johann Euringer zieht sich vom Wochenmarkt zurück. Er übergibt unter anderem an Anna-Maria Bichler.
Foto: Stegmann (Repro)

Plus Seit rund 60 Jahren verkauft die Familie Euringer Gemüse und Obst in Neuburg und der Region. Jetzt ziehen sich Johann Euringer und seine Tochter Regina zurück. Nachfolger stehen bereit.

Ganz genau kann sich Johann Euringer gar nicht mehr erinnern. „Ich war acht oder zehn“, sagt er. Damals, gegen 1960, half er das erste Mal am Stand seiner Eltern auf dem Neuburger Wochenmarkt. Diesen Gemüse- und Obststand gibt es immer noch. Und immer noch steht die Familie Euringer dahinter. Nach rund 60 Jahren ist damit Schluss. Johann Euringer und seine Tochter Regina werden sich zum 1. März zurückziehen. Nicht nur in Neuburg, sondern auch auf anderen Wochenmärkten in der Region endet damit eine Ära.

Neuburger Wochenmarkt: Familie Euringer zieht sich zurück

Sein Vater, ein gelernter Speditionskaufmann, beginnt nach dem Krieg mit dem Gemüseanbau. „Der Bedarf an Lebensmitteln war groß“, erzählt Johann Euringer. Das Geschäft entwickelt sich gut, die Nachfrage auf dem Markt ist groß. Also erweitert die Familie ihre Anbauflächen und zieht von der Jahnstraße in den Schleifmühlweg, wo der Betrieb noch heute angesiedelt ist. Johann Euringer hilft als Bub am Marktstand mit. Nach der Mittleren Reife und einer Zeit bei der Bundeswehr absolviert er zunächst eine Lehre als Bankkaufmann. Einige Jahre arbeitet er bei einem Geldinstitut, dann merkt er: Das ist nichts für ihn. „Im Sommer bei Neonlicht im Büro zu sitzen, war nicht meins“, erinnert sich Euringer. Er hört bei der Bank auf und fährt einige Jahre Lastwagen. Dann, 1980, steigt er in den elterlichen Betrieb ein. Nach dem Tod seines Vaters um 1990 übernimmt er die Geschäfte.

Obst und Gemüse von Euringer: Familie hört auf dem Neuburger Wochenmarkt auf

Es sind stressige Jahre für Euringer, der sich sowohl um den Anbau als auch den Verkauf kümmern muss. Der Betrieb liefert Gemüse, wie etwa Salate, Tomaten und Karotten, aber auch Obst, wie Äpfel, Birnen und Kirschen – alles in Bio-Qualität. Dafür arbeitet Euringer mindestens sechs Tage die Woche. Gerade die Markttage ziehen sich in die Länge. Anfahrt, Aufbau, Verkauf, Abbau, und danach noch aufs Feld – da vergehen gut und gerne zwölf bis 14 Stunden am Tag. Und Euringer steht mit seinem Stand nicht nur auf dem Schrannenplatz in Neuburg, sondern auch auf diversen anderen Märkten in der Region: Schrobenhausen, Eichstätt, Pfaffenhofen und Aichach. „Ich hatte zehn Jahre am Stück keinen Urlaub“, berichtet der heute 71-Jährige.

Eine Aufnahme um 1960: Johann Euringers Mutter Auguste verkauft Gemüse in Neuburg.
Foto: Stegmann (Repro)

Deshalb fallen ihm rückblickend auf die vergangenen Jahrzehnte als erstes die Begriffe „Hetze“ und „Stress“ ein. Aber viele positive Momente mit den Kunden hätten ihn motiviert, weiterzumachen. „Die Begegnungen waren oft nett und freundlich.“ 2015 übergibt Euringer den Bereich Handel an seine Tochter Regina. Zuletzt profitiert der Betrieb vom Lockdown. Um zehn bis 20 Prozent seien die Umsätze an seinen Markt-Ständen durch die Corona-Pandemie gestiegen. Vor allem dann, wenn die Politik neue Lockdown-Maßnahmen beschlossen hat, seien die Umsätze „schlagartig nach oben“ gegangen, berichtet Euringer. Kochen als neues Corona-Hobby – davon profitieren Obst- und Gemüsehändler (lesen Sie hier mehr dazu).

Wochenmarkt in Neuburg: Familie Euringer hat Nachfolger

Nun, nach 60 Jahren, ziehen sich die Euringers zurück. Zum einen Regina, zum anderen auch Johann Euringer. Er wolle sich nicht mehr dem Druck und dem Stress aussetzen, sagt der 71-Jährige. Ganz ohne Arbeit kann er aber nicht. Deshalb wird sich Euringer weiter um den Anbau kümmern. „Ohne Druck, so wie ich Lust habe“, sagt er. Die Bereiche Handel und Verkauf übernimmt ab 1. März die Familie Bichler aus Unterweilenbach (Aresing), die selbst seit einigen Jahrzehnten Gemüse aus eigenem Anbau verkauft.

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