1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. „Schwarzer Spuk“ bei Audi

Klassik

12.07.2019

„Schwarzer Spuk“ bei Audi

Alfred Brendel und das Streichquartett Quatuor Hermès beim Gesprächskonzert im Audi Museum Mobile.
Bild: Audi AG

Im Museum Mobile trafen Lyrik und Musik aufeinander

„Fantastique“ lautet das Motto der diesjährigen Audi Sommerkonzerte. Hier liegen Fantasie und Musik ganz nah zusammen und gar mancher Programmteil oder Aufführungsort sorgt für anregende Überraschungen. Gewohntes wird hinterfragt, neuartige Szenerien machen neugierig und hohe Qualität lockt Musikliebhaber. So denn auch der Abend „Schwarzer Spuk“ im Museum Mobile. Hier trafen sich der „Jahrhundertpianist“ Alfred Brendel und das international renommierte Streichquartett „Quatuor Hermès“ zu höchst anspruchsvoller Interaktion. Im ersten Teil des Abends las Alfred Brendel, der 2008 sein letztes Konzert als Pianist gegeben hatte, aus seinen Gedichten „Spiegelbild und schwarzer Spuk“. Nicht nur mit der Enttäuschung nach „Godots“ Erscheinen oder der Schilderung des Weihnachtsaffen sorgte der Künstler für ironische Momente. „Als die künstlichen Menschen gelernt hatten, sich zu benehmen wie du und ich, wussten wir, dass wir das Spiel verloren hatten,“ sorgte durchaus für Nachdenklichkeit. Auch seine Gedanken zum Fantastischen und zur Fantasie in der Musik und seine historische und musikalische Hinführung zur Gattung des „Streichquartetts“ bereicherte die Gäste. Bei letzterem betraten bereits die Musiker von „Quatuor Hermès“ den Spielort und ergänzten Brendels Ausführungen mit musikalischen Beispielen. Nach der Pause erwuchs aus diesen Beispielen dann das große Ganze. Omer Bouchez (Violine), Elise Liu (Violine), Yung-Hsin Lou Chang (Viola) und Anthony Kondo (Violoncello) brachten Franz Schuberts Streichquartett Nr. 15 G-Dur D887 zur Aufführung. Schuberts letztes hochkomplexes Streichquartett weist ein dramatisches Verhältnis von Dur und Moll auf. Die beiden stehen sich in krassem Gegensatz gegenüber, so Brendel, es findet ein regelrechter Kampf statt, den das Dur zum Ende hin nur knapp gewinnt. Der Konzertbesucher mag sich wie auf einem unbekannten Fluss fühlen. Hinter jeder Biegung wartet eine neue Überraschung. Dramatische Strudel, Untiefen, feinsinnige, harmonische Tonfolgen wechseln sich ab. Das „Quatuor Hermès“ geleitet in überzeugender Präzision, faszinierendem Zusammenklang und mitreißender Spielfreude seine Gäste durch Klang und Zeit. (elb)

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen
Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren