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Jagd

11.05.2013

Seit 100 Jahren auf der Pirsch

Seit 100 Jahren hat die Familie von Philipp das Gemeindejagdrevier Oberhausen in Pacht. Beim Festakt am Mittwoch stießen Jagdvorsteher Richard Birkmeier, Fritz und Sybille von Philipp und Bürgermeister Fridolin Gößl (von links) auf eine weitere gute Zusammenarbeit an.
Bild: Reichl

1913 erhielt die Familie von Philipp das Recht, in Oberhausen zu jagen. Seitdem kümmert sie sich um die Pflege des Reviers. Am Mittwoch wurde das Jubiläum gefeiert

Oberhausen Seit exakt 100 Jahren geht die Familie von Philipp in der Gemeindejagd von Oberhausen schon auf die Pirsch. Diesen Vertrauensbeweis „entlohnten“ Fritz von Philipp und dessen Gattin Sybille am Mittwoch im Sportheim Oberhausen mit einem Dankeschönabend, zu dem neben den Jagdgenossen und deren Ehefrauen auch Bürgermeister Fridolin Gößl (lobte den vertrauensvollen Umgang der von Philipps) und dessen Ratskollegen sowie befreundete Jäger eingeladen waren.

Die örtliche Blaskapelle spielte zünftig auf und auch die Neuburger Jagdhornbläser ließen in der Abendsonne ihre Parforcehörner erklingen. Ein üppiges Jagdessen leitete den gemütlichen Teil des Abends ein. Und als bleibende Erinnerung überreichten Sybille und Fritz von Philipp an ihre Gäste kunstvoll gestaltete Bierkrügerl.

Vorab jedoch ließ Fritz von Philipp das vergangene Jahrhundert aus jagdlicher Sicht Revue passieren. Es war der königlich bayerische Kommerzienrat Gustav Philipp und damit der Urgroßvater von Fritz von Philipp, der geregelt durch einen Arrondierungsvertrag 1901 als erstes Familienmitglied einen Teil der Oberhausener Gemeindejagd pachtete. „Soweit vom Oberhausener Wald entfernt, als man mit einem Kugelgewehr auf Wild schießt – also circa 200 Meter“, lautete die Grenzdefinition. Mitpächter war Clemens Schreiner, der 1913 mit Zustimmung der Gemeinde alle Rechte an die Familie von Philipp abtrat. Die Anfänge waren nicht leicht, vor allem in den Zeiten der Kriege. Wirtschaftskrise, Inflation und Währungsreform tat ein Übriges. Die im Kriegsjahr 1914 erlegten 1000 Rebhühner, 100 Rehe und 250 Hasen mussten allesamt an die im Lazarett untergebrachten verwundeten Soldaten abgegeben werden.

Seit 100 Jahren auf der Pirsch

Generalkonsul Fritz von Philipp bekam nach dem Tod seines Vaters 1926 für einen jährlichen Pachtschilling von 1000 Reichsmark den Zuschlag. Der Pächter war angehalten, „bei seiner eifrigen Vernichtung des Raubzeuges“ die nützlichen Sinnvögel zu schützen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Ausübung der Jagd nur amerikanischen Militärpersonen gestattet. Die Folge: Der gesamte Wildbestand wurde total dezimiert. 1947 wurde die amerikanische Jagdordnung wieder außer Kraft gesetzt mit dem Hintergedanken, das Wildbret solle die deutsche Bevölkerung ernähren. Die wöchentliche Fleischration lag gerade mal bei 100 Gramm.

1958 wurde das in der Gemarkung von Oberhausen liegende 130 Hektar umfassende Eigenjagdrevier der von Philipps aufgelöst und der gemeindlichen Gemeinschaftsjagd zugeschlagen. 1993 stieg Sybille von Philipp in den Pachtvertrag akkurat zu jenem Zeitpunkt ein, an dem das Jahrhunderthochwasser verheerende Folgen hinterließ. 40 Prozent aller Rehe, Kitze, Hasen und Bodenbrüter wurden ein Opfer der Fluten.

Wenn Sybille von Philipp ihren voll geschäfteten Stutzen schultert und sich mit ihrer Hündin „Biene“ auf den Weg ins 730 Hektar große Revier macht, sieht sie sich in erster Linie als schützende Fachmännin der Natur und Anwältin des Wildes. Gleichsam muss sie natürlich die Ansprüche der Land- und Forstwirte umsetzen und die Wildbestände gesund halten. Dass sie wie ihre Vorgänger dieser Aufgabe nachkommt, bestätigt der Jagdzuschlag an sie vor knapp zwei Monaten für weitere neun Jahre.

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