Kammeroper

22.07.2019

Sommervergnügen pur

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3 Bilder
Sorgten bei „Der tote Dichter“ für jede Menge Unterhaltung: Wilfried Michl, Laura Faig, Karsten Münster, Goran Cah, Ines Vinkelau, Horst Vladar.

Mit „Der tote Dichter lebt“ und „Der Maultiertreiber“ waren bei der Premiere zwei äußerst unterhaltsame Stücke zu sehen. Nach allerlei Verwicklungen gibt es zum Schluss aber immer ein Happy End

Das Premierenpublikum in der Neuburger Kammeroper durfte zu Recht jubeln am Ende des unterhaltsamen Opernabends. Hatten doch die Verantwortlichen, allen voran Horst und Annette Vladar, in diesem Jahr bei der Auswahl der Sommeroper ein sehr glückliches Händchen!

Im bis auf den letzten Platz besetzen Rokokorund wurden Opernminiaturen des französischen Komponisten Ferdinand Hérold, 1791 geboren, und 1833 jung an Tuberku-lose verstorben, aufgeführt. Hérold war beeinflusst von der Musik Mozarts, des Belcanto-Komponisten Gioachino Rossini sowie seiner französischen Zeitgenossen François-Adrien Boieldieu und Daniel Auber. Musikalischer Ideenreichtum und kurzweilige Dialoge in „Der tote Dichter lebt“, spanisch inspiriert, sehr rhythmisch, vergnüglich und schadenfroh in „Der Maultiertreiber“. Dazu ein vor Spielfreude sprühendes Ensemble mit der erforderlichen Premierennervosität bei großartigen stimmlichen Qualitäten. Und dazu das bestens gelaunte Orchester des Akademischen Orchesterverbandes München unter dem bewährten Dirigat von Alois Rottenaicher: Was will man mehr?

Wie für die Kammeroper selbstverständlich, gibt es in beiden komischen Opern ein Happy End nach allen vorangehenden Verwicklungen. Und obwohl alles so vorhersehbar ist, lässt die abwechslungsreiche Handlung und die Person und Charakter kennzeichnende Musik keinen Moment Langeweile aufkommen.

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Ein Blick ins Geschehen: Im ersten Teil hat sich der nicht sehr erfolgreiche Theaterdichter Dorville für tot erklären lassen und sich in der Provinz (als Freund/Dichter Valcour) versteckt. Denn tote Dichter werden mehr geschätzt als lebende. Sein Kalkül geht auf: Seine (auch neu publizierten) Stücke werden in Paris gerühmt, Publikum und Presse trauern heftig. So weit, so gut. Seine „Musen“, das Dienerpaar Denise und Pierre, die sich lieben, heftig zanken, und versöhnen wie weiland Hero und Leander in William Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“, liefern stetig Stoff für neue Komödien. Würde da nicht sein Ziehvater, der mit dem Dichter wegen dessen Entscheidung für die Poesie brach, mit seiner Tochter Madeleine (die den Dichter als Achtjährige bezaubert hatte) den Spuren des Totgeglaubten folgen. Es kommt, wie es kommen muss: Der „Showdown“ auf dem Landgut führt alle zusammen, der Nebenbuhler Florival, auf eine Geldheirat aus, wird vom Feld gekegelt, der „Tote“ beichtet die Gründe seiner Scharade, als er gar mit dem Werk „Der Maultiertreiber“ in die „Comédie Francaise“ aufgenommen wird. Und alle werden glücklich bis ans Lebensende. Eine vergnügliche Mär! Der grandios, mit strahlend hellem Metall glänzende Tenor Florival (Goran Cah) kriegt deswegen die bezaubernde, ihm ebenbürtige Sopranistin Madeleine (Ines Vinkelau) nicht. Gegen den soignierten, dunkler timbrierten Dichter-Tenor (Karsten Münster) hat der Dandy keine Chance. Dafür bekommt die mit viel Mutterwitz bedachte Denise (großartig: Laura Faig) ihren trotteligen Bräutigam Pierre (Wilfried Michl). Und über allem wacht, wie Lindoro in „La Cenerentola“ von Rossini, Patron Horst Vladar: Was wäre die Kammeroper ohne ihn!

Der „Maultiertreiber“ ist boshafter in der Charakterzeichnung des ältlichen Wirtes Rodrigo (Michael Hoffmann), der sich die blutjunge, jungfräuliche Inesia (Laura Faig, ihre komödiantischen Fähigkeiten noch hinreißender ausspielend) als Ehefrau eingekauft hat, sich an den Vollzug der Ehe aber noch nicht getraut hat: Das sehr vergnügliche Duett, in dem er Inesia, die naiv das Geheimnis der Ehe wissen will, verklemmt von Gehorsam und Pflicht erzählt – sie immer zurück: Was noch? – ist einer der Höhepunkte. Die Protagonisten des ersten Teils glänzen, nur bekommt dieses Mal verdientermaßen der Maultiertreiber Enrique (Goran Cah) seine Zerbine (Ines Vinkelar), des Wirts Mündel, die dieser mit seinem tumben Faktotum Flandrino (Wilfried Michl) verheiraten wollte. Und ob Rodrigo nicht bald zum Gehörnten wird, ist noch nicht ausgemacht – schließlich hat Enrique Inesia gerade mit den Wonnen des Küssens und Zärtlichseins vertraut gemacht... Kurzum: ein zauberhaftes Sommervergnügen im hübschem Bühnenbild, mit bestens aufgelegten Sängern in hübschen Kostümen: Verdiente Bravi und Szenenapplaus schon während der Oper, reicher Beifall danach und Blumen und Wein von Rüdiger Vogt, dem Zweiten Bürgermeister der Stadt Neuburg.

Die nächsten Aufführungen der Kammeroper sind am kommenden Freitag, 26. Juli, am Samstag, 27. Juli, und am Sonntag, 28. Juli. Beginn ist jeweils um 20 Uhr im Stadttheater Neuburg.

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