Newsticker
Kanzlerin Merkel stellt sich hinter Armin Laschets Vorstoß für einen "Brücken-Lockdown"
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Spanien, Dubai, Griechenland: Urlaubsanfragen in Neuburg steigen

Neuburg

17.01.2021

Spanien, Dubai, Griechenland: Urlaubsanfragen in Neuburg steigen

Die Lust, zu verreisen, sei wieder spürbar, sagen die Betreiber von Reisebüros in Neuburg.
Foto: Espa Photo Agency, dpa (Symbolfoto)

Plus Die gute Nachricht für die Reise-Branche: Die Menschen sind reiselustig, die ersten Buchungen für den Sommerurlaub getan. Die schlechte: Planungssicherheit gibt es für Neuburger Reisebüros dennoch nicht. Warum?

Laptop, Schreibtisch, Homeoffice-Szene. Ein zugegebenermaßen trister Ausblick in Lockdown-Deutschland, der für viele inzwischen aber zum Alltag gehört. Da wundert es wenig, dass der ein und die andere vom Fernweh gepackt eine Ausreißermöglichkeit Richtung Süden oder Norden sucht. Auch die Reise-Branche in Neuburg berichtet von immer mehr Urlaubsanfragen – das gibt Hoffnung, wenn auch mit Bedenken.

Seit Weihnachten gehen Buchungen zum Beispiel im Reisebüro Spangler ein. Für Griechenland und die Balearen. Aber auch für Dubai. Man freue sich, sagt Johanna Spangler, man freue sich sehr. Obwohl die Zahlen kein Vergleich zu der Nachfrage in den Vorjahren seien. Natürlich nicht. „Es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt sie.

Neuburger Reisebüros freuen sich über Buchungen

Denn kaum eine Branche wurde so heftig von der Pandemie, den Risikogebiets- und Quarantänevorschriften getroffen wie der Urlaubs- und Tourismussektor. Laut Deutschem Reiseverband, kurz DRV, erlitten die etwa 11.000 Reisebüros und 2300 Veranstalter in Deutschland von März bis Jahresende 2020 einen Umsatzrückgang von im Schnitt 80 Prozent. Dementsprechend gedämpft ist die Stimmung – auch in Neuburg.

„Unsere Mitarbeiter sind seit November wieder in hundertprozentiger Kurzarbeit“, erzählt Johanna Spangler. Selbst nach dem Lockdown könne man noch nicht mit einer vollkommenen Auslastung der Reisecenter setzen. Dazu komme, dass viele Veranstalter ihre Stornierungsbedingungen gelockert haben. Das heißt, dass Kunden oftmals noch zwei Wochen vor Reisebeginn grundlos von der Reise zurücktreten können. Für den Tourismussektor, der auf Planungssicherheit angewiesen ist, sei das schwierig, betont Johanna Spangler. „Wir haben die ganze Arbeit, die wir an sich zwar lieben und gerne tun“, erklärt sie. „Aber die Provision fällt für uns in diesem Fall dann weg.“

Stornierungen sind bis kurz vor Reisebeginn grundlos möglich

Mark Wittmann kann ebendiesem Aspekt auch etwas Positives abgewinnen. Er betreibt das Wittmann Reisecenter, das sich seit 1976 am Schrannenplatz befindet. Man werde nur bezahlt, wenn die Leute tatsächlich abreisen, sagt er. Durch kurzfristige Storno- und Umbuchungsmöglichkeiten ist das erschwert. Gleichzeitig haben Kunden durch diese gelockerten Bedingungen aber weniger Risiko zu tragen. Einen Urlaub grundsätzlich zu planen fällt da vielleicht leichter.

In Zukunft sei es wichtig, fährt der Reisebüro-Betreiber fort, dass die Menschen regional buchen. „Viele denken, dass es online günstiger ist. Das ist nicht so.“ Zudem habe man vor Ort die Kompetenz, die Erfahrung und das Wissen, die Menschen individuell zu beraten. Die Anfragen steigen indes auch bei ihm seit einigen Tagen und Wochen – für Griechenland und Spanien zum Beispiel. Die Leute aus Neuburg und Umgebung interessieren sich aber auch für Urlaube in die Türkei und Kreuzfahrten. „Wir sind um jede Buchung froh.“

Impfungen geben Reise-Branche Grund zur Hoffnung

Von einer wiederbelebten Branche würden viele profitieren – Gastronomie und vor allem auch Hotellerie: Einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes zufolge bangen rund drei Viertel – 75,5 Prozent – der Gastronomen und Hoteliers um ihre Existenz. Jedes vierte Unternehmen erwägt, seinen Betrieb aufzugeben. Immerhin, die Covid-19-Impfungen in Europa lassen der gebeutelten Reise-Branche Raum für Optimismus. Allerdings auch für das Gegenteil: Viele Bürger sehen das Thema Impfung nach wie vor kritisch.

Eine, die zuversichtlich bleibt, ist Heidi Weidner von der Reise-Insel in Neuburg. Zwar lebten die Menschen noch in der Lockdown-Blase, sagt sie. Die Urlaubsplanung würde sich aber allmählich abzeichnen. Wann die Kunden 2021 verreisen wollen? „August, September, Oktober: Vorher trauen sie sich noch nicht.“ Zu den beliebtesten Destinationen zählen hier insbesondere EU-Länder wie Deutschland, Polen, Schweden, Griechenland und Spanien. Fernreiseziele und Überseeziele sind weniger nachgefragt.

Fernreisen werden in den Neuburger Reisebüros weniger nachgefragt

Heidi Weidner rät den Kunden dezidiert dazu, sich mit den jeweiligen Bedingungen einer gebuchten Reise auseinanderzusetzen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Ob die Veranstalter bei einem Rücktritt stornieren, kostenlos umbuchen oder einen Gutschein ausstellen, sei von Mal zu Mal unterschiedlich. Achten sollten Reisende auch darauf, wann und wo Corona-Tests und Quarantäne nötig werden. „Wer zum Beispiel auf die Kanaren fliegt, muss einen höchstens 48 Stunden alten Test nachweisen, der negativ ist“, erklärt sie. Ein Test droht auch bei der Rückkehr am Flughafen ebenso wie eine fünftägige Quarantäne. Die würde aber immer öfter in Kauf genommen. Vor allem von Menschen, die ohnehin im Homeoffice arbeiten.

Trotz allem: Die Normalität beim Reisen dürfte weiter eine Illusion bleiben. Gerade in der Krise sieht Heidi Weidner aber etwas Gutes: „Das bewusste Genießen“, meint sie, „die Kultur, das Essen, die andere Welt erleben: Ich denken, dass die Menschen dafür eine größere Dankbarkeit haben werden.“

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren