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Rohrenfels

31.03.2015

Starkbierfest in Rohrenfels

Diese beiden wissen, welche Themen die Leute in Rohrenfels umtreibt: Georg „Schorsch“ Wurm und Jutta Waller.
Bild: Annemarie Meilinger

In Rohrenfels meckern da Wurm Schorsch und d’Waller Jutta über die arroganten Neuburger und einen fehlenden Ratsch-Treff.

Starkbierfeste in der Fastenzeit sind Mode geworden. Kaum ein Ort, der darauf verzichten mag. Schließlich braucht man ja „nur“ einen Fastenprediger und das passende Bier mit der nötigen Stammwürze und dem entsprechenden Alkoholgehalt. Nun hätte das Bierbrauen in Rohrenfels eigentlich eine lange Tradition, doch braut dort keiner mehr, also muss das Bier aus der Klosterbrauerei Scheyern herangeschafft werden. Wirtschaft ist auch keine mehr da in Rohrenfels, also trifft man sich im Feuerwehrhaus. Dort ist Platz genug für das alljährliche Starkbierfest, das in diesem Jahr immerhin schon eine 20-jährige Tradition feiern darf. In den kleinen Tonkrügen der Dorfgemeinschaft Rohrenfels schmeckt das braune Bier am besten, dazu gibt es appetitliche Brotzeitbrett’l, damit der Bauch gefüllt ist, wenn das alljährliche „Derblecken“ dran ist. Sechs Musikanten der Rohrenfelser Blaskapelle spielen – erhöht platziert über dem abgedeckten Schlauchwaschbecken – bis dahin flott auf.

Eine Predigt ist das in Rohrenfels keine, jedenfalls gibt es keinen Barnabas und keine Bavaria. In Rohrenfels heißen die beiden „da Wurm Schorsch“ und „d‘Waller Jutta“. Sie unterhalten sich über die Metzgertheke hinweg – so etwas gab es in Rohrenfels noch vor Kurzem. Jetzt gibt es nicht mal mehr ein Lebensmittelgeschäft. „Wo soll man denn noch hingehen, wenn man mal etwas Neues erfahren will?“, beklagt sich die Jutta. Isolationsfolter zu Hause wäre das, und Facebook als Ersatz könne man auch vergessen, weil da immer die gleichen posten.

„Infrastrukturtechnisch“ sei ja in Rohrenfels gar nichts mehr los, nicht mal eine eigene Schule hat die 1500-Seelen-Gemeinde, die Kinder müssen nach Neuburg, und während die Schwalbangerschule noch gebaut wird, schickt man sie kurzerhand nach Ehekirchen. Da sei man vor vollendete Tatsachen gestellt worden von den Neuburgern. Deren Arroganz ist den Rohrenfelsern schon immer Anlass zum Stänkern, deshalb amüsiert man sich jetzt umso mehr darüber, wie die Neuburger Schwarzen den Ringtausch der Schulen mitmachen, den sie doch vorher so vehement bekämpft haben.

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Auch die Feuerwehrler werden nur noch zu Statisten, wenn im Ernstfall die Floriansjünger der Großen Kreisstadt anrücken. „Irgendwann“, meint der Wurm Schorsch „werden sie eine Kehrmaschine rot anmalen und uns damit ausrücken lassen, damit wir auch was zu tun haben“. Doch das ist eine Vision, über die die Zuhörer nur lachen können. Tatsache jedoch ist, dass immer wieder große Lastwagen im Hinterbauerhof stecken bleiben, weil ihnen ihr Navi das Ziel – nämlich Küchen Kempfle – falsch zeigt. Der Hinterbauer könnte doch ein Mauthäusl aufstellen in seinem Hof, dann hätt’ er wenigstens was davon, finden die beiden Darsteller.

Vielleicht liegt die Zukunft von Rohrenfels ja tatsächlich in der Verkehrsüberwachung, immerhin soll die Gemeinde im vergangenen Jahr 14000 Euro damit eingenommen haben. Das täte der Gemeinde doch gut, schließlich sei man bei Kanalarbeiten auf Fels gestoßen – wer hätte das gedacht bei dem Ortsnamen? Ein Pfarrer, der die Kirch’ vergisst und ein Bürgermeister, der vom Stuhl fällt, ein Bürger, der seinen Flieger verpasst, und ein Skifahrer, der seine Ski nicht mehr erkennt – jeder bekam „hingerieben“, was man so erzählt und wie man so ablästert in Rohrenfels. Aber wo soll man in Zukunft diese Neuigkeiten erzählen? Jetzt zieht ein Zahnarzt nach Rohrenfels. „Dann gehen wir halt dahin zum Ratsch’n“ schlägt die Waller Jutta vor. Hoffentlich ist das Wartezimmer groß genug.

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