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Neuburg

05.12.2018

Verkehrsverein gibt den Christkindlmarkt in der Altstadt ab

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Idyllisch: Der Christkindlmarkt in der Altstadt gilt als der „romantische Weihnachtsmarkt“ in Neuburg. Zum 28. Mal organisiert ihn dieses Jahr der Verkehrsverein – und aller Voraussicht nach wird es für ihn auch das letzte Mal sein.
Bild: Xaver Habermeier

Der Verkehrsverein wird dieses Jahr zum letzten Mal den Christkindlmarkt in Neuburg organisieren. Bedeutet das das Aus für den Markt in der Oberen Altstadt?

Auf dem Schreibtisch von Oberbürgermeister Bernhard Gmehling ist am Dienstag ein frühzeitiges „Weihnachtsgeschenk“ des Verkehrsvereins Neuburg gelandet. In dem Umschlag, den Vorsitzender Friedhelm Lahn am Abend zuvor in den Briefkasten geworfen hatte, steckte aber keine Karte mit Weihnachtsgrüßen, sondern ein Kündigungsschreiben. Demnach wird der Verkehrsverein dieses Jahr den Christkindlmarkt in der Altstadt zum letzten Mal organisieren. Als Gründe nennt Lahn die zunehmend steigenden Kosten und die mangelnde Unterstützung seitens der Stadt Neuburg.

Seit fast 30 Jahren stellt der Verkehrsverein den Christkindlmarkt am Karlsplatz auf die Beine. „Der Markt war seinerzeit ein Wunsch der Stadt Neuburg und der Verkehrsverein hat sich damals bereit erklärt, diesen zu organisieren“, erklärt Lahn die Anfänge. In einem Vertrag zwischen der Stadt und dem Verkehrsverein sei daraufhin geregelt worden, wer sich um welche Aufgaben kümmert und wer welche Kosten trägt. Viele Jahre hätte das auch gut funktioniert. Doch seit einigen Jahren laufe es unrund. „Die Kosten laufen uns davon“, sagt Lahn, ohne konkrete Zahlen nennen zu wollen. Die Abgaben an die GEMA für die Musik, die Kosten für die Beleuchtung der Bäume am Karlsplatz, die der Verkehrsverein zu einem Drittel übernehmen müsse, die Miete für das Schloss – all das sei über die Jahre hinweg immer teurer geworden und habe dazu geführt, dass der Christkindlmarkt für den Verkehrsverein in den vergangenen Jahren zu einem Minusgeschäft geworden sei. Denn Einnahmen rekrutiert der Verein lediglich aus den Standgebühren.

Lahn: Auflagen für den Christkindlmarkt seien ständig gestiegen

Darüber hinaus seien die Auflagen der Stadt Neuburg immer mehr geworden. Neben „ausreichend Aufsichtspersonal“, wie es im Bescheid des Ordnungsamtes heißt, und einen WC-Wagen (der bislang aber nicht nötig war, weil die Besucher die Toiletten in den umliegenden Gaststätten und im Schloss nutzen konnten), muss der Verkehrsverein auch einen Wachmann am Eingang zum Marstallhof bezahlen. Dort dürfen wegen der gesperrten Parkplätze während des Christkindlmarktes nur Altstadtbewohner und Musiker parken.

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Wie groß der Verlust durch den Christkindlmarkt ist, will Lahn nicht sagen. Er argumentiert jedoch, dass dieser die Gemeinnützigkeit des Verkehrsvereins gefährdet. Denn der Christkindlmarkt sei im Gegensatz zum Schloßfest keine kulturelle Veranstaltung, sondern ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb, der sich finanziell selbst tragen müsse. Ein Ausgleich mit den Gewinnen des Schloßfestes sei nicht möglich, weil dies dem gemeinnützigen Gedanken zuwiderlaufe. „Deshalb können und dürfen wir auf dieser Basis nicht weitermachen“, sagt Lahn.

Zu der finanziellen Situation käme aber noch ein anderes Ärgernis: die mangelnde Wertschätzung der Stadt. Der Verkehrsverein fühlt sich nicht in der Weise unterstützt, wie es sich die Mitglieder wünschen würden. „Wir müssen uns immer etwas erkämpfen“, sagt Lahn und nennt als Beispiel die Parksituation in der Altstadt, die wahlweise auf Kritik bei den Altstadtbewohnern, bei den Christkindlmarkt-Besuchern, bei den Gastronomen oder bei den Gästen des Jazzclubs stößt. Auch die Absage des Stadtrats, den Markt zwischen Karlsplatz und Schloss mit weiteren Ständen zu vergrößern, war für den Verkehrsverein zuletzt ein enttäuschendes Signal.

Den Christkindlmarkt in Neuburg wird es weiterhin geben

Bedeutet der Rückzug des Verkehrsvereins jetzt das Aus für den Christkindlmarkt? Im Vertrag zwischen Stadt und Verkehrsverein ist festgehalten, dass in einem solchen Fall die Stadt Neuburg als Veranstalter einspringt. Und die überlegt nun, tatsächlich das Regiment zu übernehmen. Wie Oberbürgermeister Bernhard Gmehling sagt, würde er sich Anfang Januar mit den maßgeblichen Personen zusammensetzen und überlegen, wie die Stadt neben dem Weihnachtsmarkt am Schrannenplatz auch den Christkindlmarkt stemmen könnte.

Vor einigen Jahren wurde der Christkindlmarkt auf das Schloss ausgeweitet.
Bild: Xaver Habermeier

Dass es keinen Markt mehr in der Altstadt geben wird, schließt Gmehling rigoros aus. Genauso sicher sei aber auch, dass sich der Christkindlmarkt dann nur noch auf den Karlsplatz beschränken würde und wohl auch so manche Programmpunkte gestrichen werden müssten. „Der Markt lebt schließlich von seiner Atmosphäre“, sagt er.

Die Kündigung des Verkehrsvereins habe Gmehling mit einiger Verwunderung gelesen. „Sie kam ohne Vorankündigung.“ Auch er weiß nicht, wie es um die Einnahmen- und Ausgabensituation des Vereins beim Christkindlmarkt steht und wie hoch der besagte Verlust ist. Unabhängig davon schließt Gmehling aber eine weitere finanzielle Unterstützung des Verkehrsvereins aus. Denn die Stadt übernehme bereits Aufgaben wie die Ausschmückung, die Weihnachtsbeleuchtung einschließlich der Stromkosten, das Aufstellen der Weihnachtsbäume oder die An- und Ablieferung der Buden. So steht es zumindest im Vertrag, der zuletzt 2005 aktualisiert wurde. Nach Aussage von Lahn habe sich mittlerweile aber so manches in dem Vertrag überholt. „Den Weihnachtsbaum zum Beispiel bestellt schon die Stadt, bezahlen müssen ihn aber wir.“ Nicht zuletzt deshalb sei es notwendig gewesen, den Vertrag zu kündigen.

Verkehrsverein will möglicherweise nur den Markt im Schlosshof veranstalten

Darüber hinaus kann Gmehling die Kritik von Friedhelm Lahn am geforderten Sicherheitskonzept nicht nachvollziehen. „Das ist minimal. Was soll denn da oben schon passieren?“, gibt er zur Antwort. Auch Birgit Peter-Fest vom Ordnungsamt versteht die Aufregung nicht. Die Auflagen seien seit Jahren unverändert, von ständig steigenden Anforderungen könne keine Rede sein. Lediglich das mittlerweile allenorts übliche Rucksackverbot sei dazugekommen. Ansonsten seien die Vorgaben nicht viel anders als auf dem Weihnachtsmarkt am Schrannenplatz.

Sollte die Stadt tatsächlich künftig selbst den Christkindlmarkt am Karlsplatz veranstalten, könnte er womöglich Konkurrenz von einem Weihnachtsmarkt im Schlossinnenhof bekommen. Denn wie Friedhelm Lahn sagt, schließt der Verkehrsverein nicht aus, den Markt im Schloss weiterzubetreiben, denn dort seien die Kosten überschaubarer. „Und bevor ein fremder Betreiber kommt, machen wir es lieber selbst.“

Lesen Sie dazu den Kommentar „Gekränkte Eitelkeiten beim Neuburger Christkindlmarkt“ von Claudia Stegmann.

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