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Neuburg

19.03.2015

Wer Geld bekommt – wer leer ausgeht

Franz Garlik (Dritter von links) bringt mit seinen Gesangsschülern seit Jahren regelmäßig Opern auf die Bühne des Stadttheaters – von wechselnder Qualität und mit wechselndem Erfolg. Seit ebenso langer Zeit muss er um das Wohlwollen des Kulturausschusses kämpfen.
Bild: Barbara Würmseher

Kultur: Die einen werden gefördert, die anderen nicht. Eine Bilanz.

Der Kulturausschuss der Stadt Neuburg hat wieder Tausende von Euro zur Unterstützung kultureller Einrichtungen gewährt. Die einen bekommen diese Förderung ganz selbstverständlich in Anerkennung ihrer etablierten künstlerischen Einrichtungen, wohingegen andere immer wieder neu darum kämpfen müssen und wieder andere mitunter letztlich leer ausgehen.

Ein rotes Tuch ist jedes Mal aufs Neue die Junge Oper Neuburg für die Ausschussmitglieder. Das vereinsgetragene Projekt von Franz Garlik hätte sich diesmal über 3000 Euro gefreut, bekommt immerhin noch – nach kontrovers geführter Diskussion 2000 Euro. Puccinis Oper „Tosca“ steht heuer auf dem Spielplan und soll nicht im Stadttheater gegeben werden, sondern in der Neuburger Christuskirche (8. November). Während sich Oberbürgermeister Bernhard Gmehling im Sinne der Jugendförderung für den vollen Zuschuss aussprach, „weil die Junge Oper vielen, auch jungen Sängern die Chance eröffnet, Oper zu singen“, wollte Anita Kerner von Jugendförderung überhaupt nichts wissen. „Die Stimmen, die dort zum Einsatz kommen, werden eher strapaziert, als gefördert“, kritisierte sie. Elfriede Müller hingegen fand: „Ob sie singen wollen, müssen sie selbst entscheiden.“

Zudem störte sich Anita Kerner nach wie vor an den Gagen, die Franz Garlik für sich selbst und seine Frau Lauren Francis (jeweils 1000 Euro) als Übungsleiter in Rechnung stellt: „Das funktioniert so nicht in einem Verein.“ Auch der künstlerische Leiter Stellario Fagone wird mit 1500 Euro honoriert.

„Drei Leute verdienen an einer Tätigkeit im Verein“, stieß denn auch Bernd Pfahler ins selbe Horn und sprach sich für einen abgespeckten Zuschuss aus. Während Bettina Häring und Christiane Heyne darum baten, die Emotionen aus der Debatte herauszulassen, legte Heinz Schafferhans auf der Negativ-Seite noch einen drauf. Er habe mit der Jungen Oper schlechte Erfahrungen gemacht, als behinderte Kinder eine Vorstellung besucht hätten und von der JON gemaßregelt worden seien.

Völlig unproblematisch hingegen wurde der Zuschussantrag der Neuburger Kammeroper – übrigens auch ein Verein – für deren 47. Produktion behandelt und fand einhellige Zustimmung. Keinerlei Kritik gab es an den dort veranschlagten Gagen und Personalkosten. Für die beiden Einakter „Schlaukopf und Dickschädel“ und „Der Hitzkopf“ gibt es 51500 Euro – so viel ist im Haushalt bereits eingestellt. Die Einnahmen der fünf Vorstellungen gehen wieder an die Stadt Neuburg.

Die Stiftung Neuburger Barockkonzerte weiß ebenfalls wieder den Kulturausschuss auf ihrer Seite. Wie in den Jahren davor auch, so gibt es für das kleine Festival 2015 erneut 15000 Euro zugeschossen. Seit über 60 Jahren gehören die Barockkonzerte zum Jahresprogramm Neuburgs und das Kulturamt sprach von deren „besonderem künstlerisch hohem Niveau und hoher Strahlkraft“.

Weitere 5000 Euro für Gagen übernimmt die Stadt Neuburg, wenn an Ostern 2016 auf Anregung von Markus Haninger die Mannheimer Bläserphilharmonie in der Parkhalle gastiert. Auch in diesem Fall bekommt die Stadt die Einnahmen.

Keinen Cent will der Kulturausschuss hingegen in das Buchprojekt von Professor Otmar Gratzl stecken. Der Schweizer mit Neuburger Wurzeln – er stammt aus der Neuburger Mäzenaten-Familie Grassegger – hat den Fall des historischen Brudermords, der sich 1546 vor dem Hintergrund der Glaubenskriege in der Zeit der Reformation/Gegenreformation in Neuburg zugetragen hat, aus dem Lateinischen transkribiert. Das Buch wird im Oktober erscheinen und Professor Gratzl hat die Stadt Neuburg gebeten, das durch die Druckkosten verbleibende Defizit von 2000 Euro zu übernehmen.

„Es gibt viele Leute hier, die über historische Ereignisse schreiben“, argumentierte Kulturamtsleiterin Kathrin Jacobs. „Wir kommen in Teufels Küche, wenn wir ihn jetzt fördern. Dann ziehen andere nach.“ Zumal Gratzl weder einen Auftrag dazu von der Stadt Neuburg gehabt habe, noch die Verwaltung im Vorfeld informiert habe, dass eine Übersetzung in Arbeit sei. Der Kulturausschuss lehnte – dieser Meinung folgend – den Zuschuss einstimmig ab.

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