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Neuburg-Schrobenhausen

18.11.2011

Zahnärzte behandeln AOK-Patienten nicht mehr

Der Neuburger Zahnarzt Dr. Michael Schmiz behandelt ab sofort keine AOK-Patienten mehr. Nur akute Notfälle werden noch angenommen.
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Der Neuburger Zahnarzt Dr. Michael Schmiz behandelt ab sofort keine AOK-Patienten mehr. Nur akute Notfälle werden noch angenommen.
Bild: Foto: Geiger

Weil das Budget im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen schon ausgeschöpft ist, heißt es ab sofort bis Jahresende: Behandlung nur in Notfällen.

Schmerzhafte Nachricht für alle AOK-Versicherten im Landkreis: Die Zahnärzte verweigern bis Jahresende gesetzlich Versicherten der AOK Bayern und der Bundesknappschaft alle Behandlungen, die aus medizinischer Sicht nicht absolut notwendig sind und bis nach dem Jahreswechsel verschoben werden können. Ausnahme: Bei akuten Zahnschmerzen und Notfällen müssen die Zahnärzte auch Patienten mit der AOK-Versichertenkarte behandeln und auch für Vorsorgebehandlungen (Bonusuntersuchungen) werden noch Termine vergeben. Ansonsten heißt es ab sofort bis Jahresende für alle AOK-Versicherten: Wir müssen draußen bleiben.

Privatversicherte und Patienten, die bei Ersatzkassen, Betriebskrankenkassen, Landwirtschaftlichen Krankenkassen und Vereinigten IKKs versichert sind, werden ganz normal weiter behandelt.

Die Zahnärzte im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen sind stocksauer auf die AOK, die AOK gibt den „Schwarzen Peter“ zurück und gibt den Zahnärzten die Schuld – die Leidtragenden sind letztlich Zigtausende AOK-Versicherte, die jetzt noch bis zum neuen Jahr warten müssen, bis sie wieder einen Zahnarzt-Termin bekommen können. Und kurioserweise bedauern dies beide Seiten unisono - nur gibt jeder dem anderen die Schuld an dieser Entwicklung.

Für Ulrich Resch, Direktor der AOK in Ingolstadt, haben die von den Ärzten kritisierten „Puffertage“ mit den Patienten gar nichts zu tun, da sie wegen der Verteilung des Honorars nur die Zahnärzte betreffen und „standespolitische Honorarinteressen“ durchgesetzt werden sollen. Resch: „Dass hier die Honorarpolitik auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird, finden wir höchst bedenklich.“

Die Zahnärzte sind wütend auf die AOK

Dr. Michael Schmiz, Obmann der Zahnärzte Neuburg/Schrobenhausen, macht aus seiner Wut auf die AOK keinen Hehl: „Statt luxuriöse Verwaltungspaläste zu bauen und die Bürokratie immer weiter aufzublähen, sollte die AOK endlich damit aufhören, immer wieder auf Kosten der Patienten den Rotstift anzusetzen“, wettert der Neuburger Zahnarzt. „Wir wollen endlich, dass die Krankenversicherungsbeiträge dort verwendet werden, wo sie benötigt werden: zur Behandlung der Versicherten,“ so Schmiz

Auslöser des Zahnarzt-Streiks: In einem Rundschreiben der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns (KZVB) werden den Vertragszahnärzten der Region wieder sogenannte Puffertage verordnet. Das bedeutet für die Zahnärzte: Wenn Sie einen AOK-Patienten behandeln, dann bekommen sie nur ein Drittel der Kosten erstattet. Das könne „dramatische“ Auswirkungen haben, schildert Dr. Schmiz, der auch als Belegarzt an der Zahnklinik arbeitet. So kann es durchaus sein, dass etwa ein Kind mit fauligen Zähnen nicht mehr die Behandlung bekommt, die es eigentlich jetzt brauchen würde – denn von dem Geld, das die AOK für die Behandlung zahlt, könne ein Zahnarzt nicht mal mehr die Unkosten zahlen.

Für eine Füllung erhält ein Zahnarzt nur noch 11,35 Euro oder für die Extraktion eines Backenzahnes 4,37 Euro.

Der Neuburger Zahnarzt Dr. Fritz Kreissig, stellvertretender Obmann der Zahnärzte betont ausdrücklich, dass die Zahnärzte im Landkreis Neuburg/Schrobenhausen „sich bemühen werden, die Rationierung im Gesundheitswesen patientengerecht zu handhaben“.

Sein Kollege Dr. Schmiz ergänzt: „Mangelwirtschaft schadet Patienten und Zahnärzten gleichermaßen und war und ist ethisch nicht vertretbar. An erster Stelle sollten die Patienteninteressen stehen“. Daher werden „nicht unmittelbar notwendige Leistungen“ auf das neue Jahr verschoben.

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