1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Zeitlos-Slam: Von Feuerwehrschläuchen und Meerfrauen

Poetry Slam

14.09.2018

Zeitlos-Slam: Von Feuerwehrschläuchen und Meerfrauen

Die frisch gekürte Lokalmatadorin Theresa Köchl konnte das Publikum im Café Zeitlos mit ihrem Text begeistern.
Bild: Lena Brandner

Voll war’s, warm war’s, schön war’s – der Neuburger Poetry Slam feierte am Donnerstag seinen fünften Geburtstag. Warum es trotzdem noch Premieren gab.

Durch das Café Zeitlos geht ein lärmendes Crescendo, als der Moderator des Abends, Tizian Neidlinger, die Bewertungsskala von eins bis zehn hochzählt. Die eins wird höflich beklatscht, bei vier mischen sich einzelne „Wuuhh’s“ unter den rauschenden Beifall und die „Zehn!“ löst beim Publikum ein so frenetisches Stampfen und Kreischen aus, dass das Trommelfell ganz schön durchgekitzelt wird.

Diese kleine Eskalationsübung zu Beginn des fünften Neuburger Poetry Slams dient dem Zweck, dass Neidlinger einschätzen kann, wie gut ein selbstverfasster Text der antretenden Poeten ankommt. Denn beim Poetry Slam, dem modernen Dichterwettstreit, gewinnt der Kandidat mit dem lautesten Applaus.

Und davon gibt es an diesem Abend reichlich. Der erste Kandidat ist die Blicke des Publikums schon gewohnt, denn sein Text ist ein Erfahrungsbericht von seinem Bewerbungsmartyrium an deutschen Schauspielschulen. Flinn Schnee aus München imitiert die affektiert-künstlichen Schauspiellehrer, porträtiert die von überzogener Berührtheit getränkten Monologe seiner Schauspielkollegen in Perfektion und würzt das ganze mit einem kräftigen Schuss trockenem Humor.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Poetry Slam in Neuburg: Bert Uschner qualifizierte sich für das Finale

Den Geist Alice Schwarzers beschwören die Meerfrauen im Text von Rebecca Fisch, die sich gegen die tyrannische Männerherrschaft im Reich des Neptun am Grunde des Meeres wehren. Der feministische Text hinterließ sichtlich Eindruck beim Publikum und so gibt es am Ende der ersten Runde eine Stichwahl zwischen Rebecca und Flinn Schnee, wobei sich letzterer schließlich haarscharf durchsetzt und ins Finale einzieht.

Ebenfalls fürs Finale qualifizieren kann sich Bert Uschner aus München. Sein Vortrag ist zweigeteilt: Es gibt ein lustig-leichtfüßiges Mitmachgedicht, bestehend aus rhythmisch und fast rapartig vorgetragenen Reimketten auf das Wort „Feuerwehrschlauch“, das ihm das Publikum, immer wenn er den Arm nach vorne schnellen lässt, entgegenruft. Dann gibt es einen harten Schnitt und es gelingt ihm trotz der Albernheit des ersten Gedichts die Zuschauer in den Bann zu ziehen: Er beschreibt in seinem zweiten Text mit seinem Gedicht die Frustration wie ein „dressiertes Tier“ durchs Leben zu hetzen und das Gefühl, „dass alles immer zu wenig war“.

Zeitlos-Slam: Theresa Köchl gewann den Titel der Lokalmatadorin

Theresa Köchl gelingt es dann, das Publikum mit ihrem sprachlich hoch verdichteten und stilistisch verschlungenem Text zu verzaubern. Die bleischwere Stimmung zu Beginn ihres Textes löst sie zum Ende hin auf, in dem sich die Protagonistin aus ihrer „selbst auferlegten, lärmenden Stille“ befreit und endlich ihre eigenen Worte findet. Der Text bringt Theresa nicht nur eine Menge begeisterten Applaus, sondern auch den Titel der Lokalmatadorin ein, denn in diesem Jahr wird neben dem Gesamtsieger auch der beste Poet aus Neuburg gekürt. Theresa kann sich am Ende des Abends beim Applaus-Voting klar gegen ihre beiden Herausforderinnen Henriette Appel und Antonia Enzersberger durchsetzen.

Und so kommt es, dass es an diesem Abend drei Gewinner gibt. Denn im Finale zeigt sich das Publikum wenig entscheidungsfreudig. Sowohl Flinn Schnee als auch Bert Uschner ernten für ihre Finaltexte lautstarken Applaus, sodass Neidlinger die Entscheidung unmöglich gemacht wird: „Da haben wir wohl jetzt alle gehört, dass wir nichts gehört haben.“ Und so tragen sie am Ende beide den Preis, eine Flasche „hochprozentigen Wassers“, nach Hause. Da trifft es sich gut, dass die beiden im selben Auto den Heimweg nach München antreten.

Der Sieger des Poetry-Slam im Café Zeitlos, Bert Uschner, wusste das Publikum zu begeistern.
Video: Lena Brandner

Neueste Nachrichten aus der Region sofort auf das Handy? Dann hier den WhatsApp-Newsletter der Neuburger Rundschau abonnieren.

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_5726.tif
Neueröffnung

Weshalb die Waffelbrüder so gut ankommen

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen