Das Neuburger Stadtmarketing lässt neuerdings die Frequenz in der Innenstadt analysieren. Die Technik der Plattform „What a location“ ermöglicht Aussagen darüber, wie viele Menschen wann und wo in der Unteren Altstadt unterwegs sind. Die erste Erkenntnis, die die Verantwortlichen daraus ziehen, bezieht sich auf den Samstag. Laut Analyse lassen Einzelhändler in Neuburg durch die aktuellen Öffnungszeiten an diesem Tag ein "überdurchschnittlich hohes Umsatzpotenzial im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße liegen".
„What a location“ nutzt Handydaten des Anbieters Telefónica (O₂). Es geht um Funksignale, die jedes Gerät an Mobilfunkmasten sendet – unabhängig vom Gerätemodell und von verwendeten Apps. Die Analyse-Software errechnet daraus mit einer Genauigkeit von rund 50 Metern, wie viele Menschen zu welchen Zeiten in Neuburg ungefähr unterwegs sind. Ausgehend von den Daten und dem Marktanteil der beteiligten Anbieter werden Hochrechnungen erstellt, die sich auf alle Mobilfunkdienste beziehen. Um ein Gesamtbild zu erhalten, wird auch ein kleiner Anteil an Menschen eingerechnet, die kein Handy besitzen oder bei sich haben, erklären Stadtmarketing-Geschäftsführer Michael Regnet und Leerstandsmanagerin Ilona Dischnerim Gespräch mit unserer Redaktion.
Stadtmarketing misst Frequenz in Neuburg mit „What a location“
Das Stadtmarketing hat sich für eine einjährige Mitgliedschaft bei „What a location“ entschieden - und für eine Variante, die keine personenbezogenen Daten, wie beispielsweise Alter und Geschlecht, ermöglicht. Als Gebiet, das analysiert wird, haben Regnet und Dischner die komplette Untere Altstadt festgelegt, das heißt grob die Fläche zwischen Färberstraße und Donaukai sowie zwischen Luitpoldstraße und Spitalplatz. Aktuelle Auswertungen stehen mit einer Verzögerung von etwa zwei Tagen zur Verfügung. Rückwirkend kann man sogar die Daten der vergangenen vier Jahren einsehen.
Mit dem neuen Werkzeug wolle man eine neutrale Datenbasis schaffen, wenn es um die Innenstadt und den Einzelhandel geht, erklärt Regnet. Jetzt könne man anhand von Fakten, oder zumindest detaillierten Hochrechnungen, diskutieren, und nicht mehr auf der Grundlage von subjektiven Wahrnehmungen. Auch der Nutzen von bestimmten Aktionen lasse sich so besser abschätzen. Regnet und Dischner sind überzeugt davon, dass das System brauchbare Daten liefert. Dies zeige ein Blick in die Vergangenheit. Der Corona-Lockdown ist in den Statistiken als Tiefpunkt erkennbar, wohingegen Aktionen wie "Neuburg leuchtet", Marktsonntage oder der Weihnachtsmarkt als Höhepunkte auftauchen.
Braucht es in Neuburg längere Öffnungszeiten am Samstag?
Als ersten Schritt haben die Verantwortlichen des Stadtmarketings die Samstage auswerten lassen. Henning Richard Haltinner, Gründer und Geschäftsführer von „What a location“, kommt dabei zu einem eindeutigen Ergebnis. „Nach intensiver Analyse der Mobilität der Bewohner und Besucher von Neuburg an der Donau in den letzten vier Jahren (2019 bis 2022) wurde festgestellt, dass die Kernöffnungszeiten an Samstagen eindeutig zu kurz sind. Die begrenzten Kernöffnungszeiten von 9 bis 12 und bis 16 Uhr sorgen dafür, dass rund 49 Prozent aller Innenstadtbesucher nicht die Chance haben, den stationären Einzelhandel zu nutzen." Laut Haltinner kommen durchschnittlich die Hälfte aller Besucher erst nach 15 Uhr in die Neuburger Innenstadt. Das gastronomische Angebot der Stadt stelle dabei den größten Besuchermagneten dar und der Handel könnte an diesem positiven Effekt partizipieren, wenn er es denn zulassen würde. "Eine Voraussetzung dafür wäre, dass der Handel die Öffnungszeiten an Samstagen nach hinten verlagert."
Die geringsten Besucherzahlen wurden laut Auswertung zwischen 9 und 12 Uhr gemessen. Händler könnten demnach erst ab 11 oder 12 Uhr ihre Tore öffnen, dafür aber erst um 18 oder 19 Uhr schließen, schreibt Haltinner in seiner Analyse. "Natürlich ist der Einzelfall zu prüfen, doch die groß angelegte Untersuchung zeigt, dass der stationäre Handel selbst im bundesweiten Vergleich ein überdurchschnittlich hohes Umsatzpotenzial im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße liegen lässt."
Regnet und Dischner ist bewusst, dass man über diese Aussagen diskutieren kann. Ihnen sei klar, dass Einzelhändler unter anderem Probleme haben, Personal zu finden. Auch könne man nicht alle Branchen und Geschäfte pauschal betrachten. Man habe es mit einem "Henne-Ei-Problem" zu tun. Muss man erst Anreize schaffen, damit Kundinnen und Kunden kommen, oder kann es erst infolge einer entsprechenden Besucher-Frequenz ein Angebot geben? "Ich bin der Meinung, dass es erst Angebote braucht, dann kommen die Leute", ist Regnet überzeugt. Man wolle die aktuellen Erkenntnisse im nächsten Treffen der Stadtmarketing-Mitglieder im Februar vorstellen und diskutieren, kündigt Dischner an.