Die Wählerinnen und Wähler aus Weichering und Lichtenau haben entschieden: Die Gemeinde darf das Verfahren mit der Deutschen Post für ein Paketzentrum weiterverfolgen. Beim Bürgerentscheid am Sonntag haben 883 Bürgerinnen und Bürger dafür gestimmt (58 Prozent), 640 waren dagegen (42 Prozent). Das Interesse an der Abstimmung war enorm, denn die Wahlbeteiligung lag bei 78 Prozent.
Als der Wahlleiter kurz vor 19 Uhr das Auszählungsergebnis im Rathaus verkündet, sind Bürgermeister Thomas Mack und sein Stellvertreter Thomas Fürst zwar erleichtert, von einer erkennbaren Freude über den Sieg kann aber keine Rede sein. Mack wertete in erster Linie die hohe Wahlbeteiligung als positiv, „aber ich mach’ jetzt keinen Freudenschrei, weil das Verfahren startet erst jetzt – und da haben wir noch jede Menge Arbeit vor uns“. Sein Stellvertreter sieht das ganz ähnlich: Bei einer Wahlbeteiligung von fast 80 Prozent habe die Gemeinde nun ein aussagekräftiges Meinungsbild der Bevölkerung. „Was das weitere Verfahren bringt, werden wir sehen.“
Bürgerentscheid Weichering: Ausgang zum Paketzentrum nach wie vor offen
Bis zuletzt waren Gegner als auch Befürworter der Meinung, dass der Bürgerentscheid wohl ein knappes Ergebnis haben werde. Mit 58 Prozent Ja-Stimmen – und damit einem recht deutlichen Ergebnis – hätte Mack jedoch nicht gerechnet. „Wir haben bislang ja immer nur punktuelle Stimmungen eingefangen. Jetzt wissen wir endlich, was die Bürger denken.“ Der Auftrag, die Verhandlungen mit der Post weiterzuführen, ist damit gegeben. Ob am Ende nun tatsächlich ein Paketzentrum zwischen Maxweiler und Weichering gebaut wird, steht damit jedoch nicht fest: Vor der Gemeinde und der Post liegen ein Bauleitverfahren, das mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen wird, ehe Baurecht erteilt werden kann. Sollte sich herausstellen, dass die Bürger durch das Paketzentrum über die Maßen belastet werden oder Umweltbelange dem entgegenstehen, dann kann das Projekt immer noch gekippt werden. „Der Ausgang ist nach wie vor offen“, betont Mack.
Einer, der das Verfahren nach wie vor kritisch begleiten wird, ist Hans-Jürgen Steinherr. Er war von Anfang an gegen das Vorhaben und maßgeblich daran beteiligt, dass es zu diesem Bürgerentscheid gekommen ist. „Ich hätte das Thema gerne vom Tisch gehabt“, gibt er am Sonntagabend zu. Doch von einem Sieg der gegnerischen Seite sei er ehrlicherweise nicht ausgegangen – weder vor einem Jahr, noch in den vergangenen Wochen. „Zumindest habe ich mich nicht getraut, es zu hoffen.“
Er vermutet, dass das Zünglein an der Waage die Lichtenauer waren. Weil sich der überwiegende Teil der Wähler für Briefwahl entschieden hatte, die Briefwahlbezirke aber nicht ortsgebunden aufgeteilt waren, lässt sich dies nicht nachprüfen. Auch wenn sich „nur“ 42 Prozent der Stimmberechtigten für einen Verfahrensstopp ausgesprochen haben: Für Steinherr ist das immer noch eine relevante Größe, die es zu beachten gilt.
Gegner des Paketzentrums in Weichering wollen das Thema weiterverfolgen
Als Mitglied im Kreisverband des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) wird er am Verfahren beteiligt werden und seine Stellungnahme abgeben. Doch auch als Privatmann will er wissen, ob die Gemeinde zu ihrem Wort steht. „Die Gemeinderäte haben ja immer betont, dass ein Ja beim Bürgerentscheid nicht automatisch ein Ja für das Paketzentrum bedeutet.“
Am Thema dranbleiben werden auch aktive Bürger aus Maxweiler, die sich in den vergangenen Monaten ebenfalls zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben, weil sie massive Einschränkungen durch das Projekt befürchten. Vor allem der Lkw-Verkehr bereitet ihnen Sorgen. „Mal sehen, was jetzt im Hinblick auf den Lärmschutz gemacht wird“, sagt Wolfgang Vogl. Auf den Bürgerentscheid konnten die Maxweiler keinen Einfluss nehmen, wohl aber über die Informationen, die sie über die BI „Lebenswertes Weichering/Maxweiler“ gesammelt und verteilt haben. „Ich hatte an ein knapperes Ergebnis geglaubt“, wertet Wolfgang Vogl den Ausgang des Bürgerentscheids in der Nachbargemeinde.
Seiner Meinung nach müssten die Bürgerinnen und Bürger in Weichering ein zweites Mal befragt werden – nämlich dann, wenn alle Ergebnisse der Gutachten auf dem Tisch liegen und für jedermann einsehbar sind. Doch dazu wird es zumindest in den nächsten zwölf Monaten nicht kommen. Das Ergebnis des Bürgerentscheids ist nämlich ein Jahr bindend. Und auch Hans-Jürgen Steinherr hatte einen zweiten Vorstoß in Richtung Bürgerentscheid zumindest von seiner Seite ausgeschlossen.