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Altenpflege

20.02.2015

Alarm im Schwesternzimmer

Der Funksender mit dem roten Punkt schlägt Alarm, wenn sich Patienten aus dem geschützten Bereich fortbewegen. Dieses neue Alarmsystem wird nun auch im Nördlinger Bürgerheim eingesetzt. Es soll den alten Menschen zu mehr Bewegungsfreiheit verhelfen.
Bild: gKU/Izsó

Ein neuer Funksender schlägt im Bürgerheim Nördlingen an, wenn Demenz-Patienten weglaufen wollen. Dadurch sollen Fixierungen kaum noch nötig sein

Zum besseren Schutz seiner demenzkranken Bewohner hat das Pflegezentrum Bürgerheim in Nördlingen ein neues Alarmsystem – den Funksender – eingeführt.

Manche Menschen mit demenziellen Störungen haben einen sehr großen Bewegungsdrang und neigen deshalb zum wegzulaufen, erklärt die Leiterin des Bürgerheims, Elisabeth Strommer. Damit seien natürlich erhebliche Risiken verbunden. Eigens für diese Personengruppe habe man nun ein innovatives Alarmsystem eingeführt: „Über einen Funksender, der am Handgelenk oder um den Hals des Bewohner angebracht ist, werden unsere Pflegekräfte sofort alarmiert, wenn die betreffenden Person den gesicherten Außenbereich verlässt.“ Ohne auf freiheitsentziehende Mittel zurückgreifen zu müssen, könne man so den Bewohner schützen und behutsam in die gewohnte Umgebung zurückbringen.

Das neue Alarmsystem im Bürgerheim Nördlingen ist Bestandteil des so genannten „Werdenfelser Wegs“, der in allen Seniorenheimen im Donau-Ries-Kreis – Wemding, Rain, Monheim und Nördlingen – bereits seit einigen Jahren begangen wird. Im Zuge dieses Pflegekonzepts sollen konsequent neue Möglichkeiten gesucht werden, zunehmend auf freiheitsentziehende Maßnahmen zu verzichten. Das bringe mehr Freiheit, Selbstbestimmung und Lebensqualität für die Bewohner.

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Statt verschlossener türen oder Bettgitter

„Wenn wir zum Beispiel darauf verzichten wollen, nachts die Zimmertüren von Bewohnern mit einem großen Bewegungsdrang abzusperren oder ein Bettgitter anzubringen, dann müssen wir uns überlegen, wie wir diese Menschen stattdessen schützen können“, sagt Elisabeth Strommer. Dafür gebe es mittlerweile einige technische Hilfsmittel, wie zum Beispiel eine Klingelmatte, die vor das Bett gelegt werde: „Wird diese Matte berührt, wird im Schwesternzimmer ein Alarm ausgelöst. Ein anderes Beispiel: Um zu verhindern, dass sich ein Bewohner beim Sturz aus dem Bett gefährdet, legt man einen so genannten Sturzsack „Safebag“ vor das Bett. Auf ihm könne der unruhige Bewohner sanft landen und dort sogar weiterschlafen. Ein Bettgitter sei somit nicht mehr nötig. Unter dem Strich bedeute der Werdenfelser Weg mehr Verantwortung und Arbeitsaufwand für die Pflege. Aber für die Bewohner sei das ein großes Plus an Lebensqualität und darauf komme es an. Natürlich seien damit auch Kosten verbunden, räumt Strommer ein: „Das neue Alarmsystem im Bürgerheim hat zum Beispiel 5000 Euro gekostet. Dafür gibt es keine Zuschüsse, das müssen wir selbst schultern.“

Dennoch wollen die Seniorenheime des gemeinsamen Kommunal-Unternehmens (gKU) im Landkreis an diesem Kurs festhalten: „Wir haben fast keine Fixierungsbeschlüsse mehr. Bewohner und Pflegekräfte sind mit diesen sehr menschlichen Maßnahmen und Methoden zufriedener als früher“. (pm)

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