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19.11.2019

Bald schließt die Werkstatt in Wechingen

Seit 1977 gibt es das Autohaus Stefany in Wechingen.
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Seit 1977 gibt es das Autohaus Stefany in Wechingen.

Plus In der Kfz-Branche gibt es immer weniger Fachkräfte. Ein Autohaus in Wechingen macht deshalb Ende Dezember zu. So sieht die Situation in der Region aus.

Noch stehen in und vor dem Autohaus Fahrzeuge zum Verkauf, die Werkstatt ist weiter in Betrieb. Doch bald ist Schluss. Am 31. Dezember werden Renate und Michael Stefany ihr Autohaus in Wechingen schließen. Sie fänden einfach keine Fachkräfte, sagt das Ehepaar. Das ist ihre Geschichte.

Die beiden haben dringend Kfz-Mechatroniker gesucht. Und das schon länger. Seit rund zehn Jahren sei die Suche nach geeigneten Fachkräften schwierig, sagt Michael Stefany. Das Ehepaar hatte zwar welche eingestellt, hätte jedoch mehr qualifizierte Mitarbeiter gebraucht. Seit zwei Jahren habe man nun gar keine Mechatroniker mehr. Im Autohaus sei nur noch ein Mechaniker beschäftigt, sagen die beiden. Zudem helfen die Eltern von Michael Stefany noch aus. Sie haben das Autohaus 1977 eröffnet.

Autohaus in Wechingen muss schließen

Den Fachkräftemangel erklärt sich das Ehepaar dadurch, dass zu einem Beruf im Kfz-Handwerk Stress und ständiges Lernen dazu gehört. Das möge nicht jeder, so Michael Stefany. Viele Fachkräfte würden zudem in die Industrie wechseln, da sie dort mehr verdienen können. Das habe er auch bei seinen Auszubildenden bemerkt.

Bald schließt die Werkstatt in Wechingen

Der Entschluss, das Autohaus zu schließen, sei ein jahrelanger Prozess gewesen, sagt das Ehepaar. Doch bevor sich die hohe Belastung auf die Gesundheit auswirke, habe man sich dafür entschieden, etwas Neues zu wagen. Dazu komme, dass es sowohl vom Gesetzgeber als auch vom Hersteller immer mehr Richtlinien und Auflagen gebe. Das erfordere immer mehr Bürokratieaufwand. Er habe teilweise 80 bis 90 Stunden in der Woche gearbeitet, so Michael Stefany.

Das Autohaus ist mit seiner Situation nicht alleine. Die Kfz-Innung Schwaben sagt, dass es für die Betriebe in den vergangenen Jahren eine immer größere Herausforderung wurde, Fachkräfte zu finden. Je weniger junge Menschen die Schulen verlassen, desto größer werde die Konkurrenz der Berufe und Branchen untereinander. Kfz-Mechatroniker sei jedoch immer noch ein beliebter Ausbildungsberuf, so die Innung. Wichtig sei, dass das Kfz-Gewerbe durch Aspekte wie Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und angemessene Bezahlung weiter attraktiv bleibe.

Qualifizierte Mitarbeiter fehlen auch in anderen Branchen

Auch andere Branchen sind vom Fachkräftemangel betroffen. Ende Januar wird auch die Bäckerei Emmendörfer in Oettingen unter anderem wegen Fachkräftemangels schließen Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwaben, sagt, dass vor allem beim Bau- und Ausbauhandwerk und der handwerklichen Lebensmittelbranche qualifizierte Mitarbeiter fehlen. Neben dem demografischen Wandel sei ein weiterer Grund für den Fachkräftemangel das Streben nach beruflichen Wegen, die eine akademische Bildung voraussetzen. Eine mittel- und langfristige Maßnahme sei, dass die Handwerksunternehmen selbst Nachwuchskräfte ausbilden. Ad hoc qualifizierte Mitarbeiter zu finden, sei dagegen enorm schwierig. Dieser Mangel an Fachkräften hat Folgen, so Wagner: Aufträge können nicht zeitnah ausgeführt werden oder es werden in Einzelfällen keine neuen angenommen.

Ebenfalls betroffen ist die Industrie. Laut der Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK) sehen 62 Prozent der Unternehmen in Nordschwaben (Landkreise Dillingen und Donau-Ries) Fachkräftemangel als ein Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Das sei der höchste Wert im Vergleich der vier Regionen in Schwaben. 51 Prozent der nordschwäbischen Firmen haben zudem offene Stellen, die sie längerfristig nicht besetzen können. Vor allem in Logistik, Tourismus, Bau und in den technischen Bereichen wie Maschinenbau fehlen qualifizierte Kräfte, sagt Christine Neumann von der IHK. Die IHK will dem Fachkräftemangel unter anderem durch Schulpartnerschaften und Weiterbildungen entgegenwirken.

Bis zur Schließung hat das Ehepaar Stefany noch alle Hände voll zu tun: Es gebe keine freien Termine mehr, so Michael Stefany. Zudem müssen zum Beispiel noch die Neuwagen verkauft werden. Der Abschied von den Kunden sei teilweise sehr ergreifend. Bei dem einen oder anderen seien auch Tränen geflossen, sagt das Ehepaar.

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