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Porträt

05.01.2019

Der Nördlinger Baumeister geht in den Ruhestand

Josef Eichert geht in den Ruhestand, nachdem er fast ein Vierteljahrhundert lang für wichtige Bauprojekte in Nördlingen verantwortlich war.
Bild: Ronald Hummel

Wie Josef Eichert, der Leiter des Hochbauamtes, seine neue Heimat prägte.

Josef Eichert floh 1988 als 35-Jähriger mit Frau und Kind wie viele Verwandte und Freunde aus Rumänien. Damals wie heute konnte man sich als Normalbürger keine Existenz in dem von Korruption zerrütteten Land aufbauen. 1988 landete er zunächst in Rothenburg ob der Tauber, wo nach einer Schulung sein rumänisches Uni-Diplom als Bauingenieur anerkannt wurde. Er arbeitete zunächst bei einer Firma in Heidenheim am Hahnenkamm, auf Empfehlung seiner Freunde zog er nach Nördlingen. Hier seien die Perspektiven für Familien besonders gut, hieß es.

Er betreute 51 größere Maßnahmen in der Kernstadt

Das bestätigte sich für ihn 1994, als er sich um eine Stelle als Sachbearbeiter im Nördlinger Hochbauamt bewarb, genommen wurde und von 2000 bis heute Sachgebietsleiter des Amtes war; seine Dienstzeit teilte sich auf drei Stadtbaumeister und zu je gleichen Teilen auf zwei Oberbürgermeister auf. Zahlreichen Projekten drückte er mit seinen Mitarbeitern, die er allesamt über den grünen Klee lobt, den Stempel auf: Das Parkdeck am Nähermemminger Weg war sein erstes, 1997 trat er in den dritten Bauabschnitt des großen Stiftungskrankenhaus-Umbaus ein, der 2002 nach dem fünften Abschnitt vorläufig beendet war; Einzelmaßnahmen wie Kardiologie, BRK-Intensivstation oder Palliativstation folgten noch.

Er betreute 51 größere Maßnahmen in der Kernstadt wie TCW-Neubau, Umbau von Mittelschule und Bürgerheim, Sanierung der Seelhäuser oder Ausbau des Bahnhofsgebäudes; in den Ortsteilen waren es 24 größere Maßnahmen von der Löpsinger Turnhalle bis zum Schmähinger Gemeindezentrum.

Soziales Engagement in seiner alten Heimat

Von 1995 bis 2006 war er dazu noch Leiter von Stadtgärtnerei und Bauhof. Letzteren entwickelte er mittels EDV und eigener Verwaltung immer effektiver weiter, zeigte hier aber auch Talent zur Improvisation im großen Stil: Als 1995 wegen des Ausfalls eines Subunternehmers die ersehnte Eröffnung des umgebauten Freibades im Mai zu platzen drohte, setzte er kurzerhand 40 Leute des Bauhofs ein, um in zwei Schichten die Arbeit zu vollenden. Die Einweihung fand wie geplant statt, das Bad gewann einen Architekturpreis. Ab 2005 war Eichert noch zehn Jahre lang Vorsitzender des Verschönerungsvereins und betreute kleinere Projekte wie Sanierung des Rosengartens, Errichtung des Stänglesbrunnens oder Sanierung des Obelisken am Bahnhof sowie die Durchführung des alljährlichen Blumenschmuckwettbewerbs.

Dann schloss sich ein Kreis zu sozialem Engagement in seiner alten Heimat: Beim Abriss eines Bürgerheim-Trakts blieb eine intakte Großküche übrig. Josef Eichert regte an, sie einer Einrichtung im Ausland zu stiften, die damalige Sozialministerin Barbara Stamm wählte das Heim für schwerstbehinderte Kinder im rumänischen Pastraveni, wo die Bayerische Kinderhilfe für Rumänien in den vorangegangenen Jahren sechs Gebäude errichtet hatte. Es ergab sich, dass Josef Eichert den Bau eines Zentralgebäudes leitete, wo seine Küche als Zentralküche untergebracht wurde, außerdem eine Therapieabteilung und eine Turnhalle. Er erinnert sich, wie er in der Bauzeit alle drei Wochen fürs Wochenende hinunter flog, anfangs noch fünf Stunden mit einem Zug weiterfahren musste, wo es manchmal den Schnee hereinwehte.

2003 reiste eine Nördlinger Delegation zur landesweit beachteten Einweihung, Josef Eichert übernahm für die Kirche und das Projekt „Sternstunden“ noch weitere Projekte. Darum und um die Pflege seiner „Herzensprojekte“ Krankenhaus und Bürgerheim will er sich weiterhin kümmern. Rückschauend freut er sich, dass Nördlingen zu seiner zweiten Heimat wurde, der er selbst seinen Stempel aufdrücken durfte.

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