Newsticker
Syriens Präsident Baschar al-Assad positiv auf Corona getestet
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Der frühe Sänger verschwindet

Natur

29.01.2019

Der frühe Sänger verschwindet

Die Zahl der Feldlerchen wird immer geringer.
Bild: Rosi Roessner

Die Feldlerche ist der Vogel des Jahres 2019. Auch im Landkreis gibt es immer weniger Tiere dieser Art

Die Feldlerche, der Vogel des Jahres 2019, ist auch im Landkreis Donau-Ries einer der ersten Sänger, die man in der Flur bereits im Februar mit ihrem jubilierenden Gesang hören kann. Beobachten kann man den Vogel beim senkrechten Sinkflug.

Die Feldlerche ist ein Vogel, der wenige Ansprüche an seinen Brutplatz stellt. Eine kleine Kuhle in einer Wiese oder einer blanken Ackerstelle reicht ihm aus. Auch bei der Nahrungssuche ist das Tier nicht besonders wählerisch, denn im Sommer und für die Jungenaufzucht benötigt es Insekten aller Art und den Rest des Jahres kommt es mit Keimlingen und Sämereien zurecht. Auch Störungen auf Feldwegen durch Fahrzeuge oder Radfahrer vertreiben die Lerche nicht gleich aus den angrenzenden Fluren. Trotz dieser Eigenschaften, die ihr ein Überleben in unserer Umwelt sichern müssten, ist genau das Gegenteil der Fall. Die Brutbestände haben in Deutschland zwischen 1998 und 2015 um 38 Prozent abgenommen – mit weiter stark fallender Tendenz, so eine Pressemitteilung des Rieser Naturschutzvereins.

Genau das ist der Grund, warum die Feldlerche vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) zum Vogel des Jahres 2019 gekürt wurde. Die Feldlerche ist Stellvertreterin für eine Reihe von Vogelarten der Agrarlandschaft, wie zum Beispiel Kiebitz, Schafstelze und Goldammer, deren Bestände ebenfalls in rasantem Abwärtstrend sind.

Auch im Landkreis Donau-Ries hat sich die Feldlerche aus vielen Fluren verabschiedet. Viele Gründe gibt es für diese traurige Entwicklung. Zuerst zu nennen sei sicherlich die Nahrungssituation, so die Pressemitteilung weiter. Selbst wenn die Feldlerche in einem Weizenfeld eine unbewachsene Kleinstelle für ihr Nest gefunden habe, so benötige sie tierische Nahrung. Und wenn sie diese auch nicht mehr im intensiven Anbau finde, so würden ihr die Insekten auf den angrenzenden Feld- und Grünwegen reichen. Jedoch würden auch dort immer häufiger wilde Kamille oder Löwenzahn, als Grundlage für Insektenleben, nicht mehr akzeptiert und durch Pestizide verdrängt.

Ein weiterer wichtiger Punkt besteht laut der Pressemitteilung darin, dass die Feldlerchen, die bei uns bis zu drei Bruten durchführen, oft nur noch eine erfolgreiche Brut zum Ausschlupf brächten. Wiesen, die im zeitigen Frühjahr gewalzt, später bis zu fünf Mal gemäht werden, eigneten sich kaum mehr als Lebensraum für die Feldlerche. Auch strukturelle Änderungen im Ackerbau veränderten den Lebensraum der Feldlerchen. Die heutige Dominanz von Winterfrüchten und Mais gehöre dazu, so könne die Feldlerche zum Beispiel Felder mit Wintergetreide und Winterraps nur noch für höchstens eine Brut nutzen.

In einer Broschüre von NABU und LBV für die Feldlerche werde in sehr klaren Worten davon gesprochen, dass die Feldlerche „stellvertretend und anklagend für die katastrophale Landwirtschaftspolitik in Berlin und Brüssel“ stehe, so die Pressemitteilung weiter. In diesen Worten sei auch eine gewisse Verbitterung herauszuhören, da die Feldlerche bereits 1998 aus ähnlichen Gründen wie heute zum Vogel des Jahres gekürt wurde. Seitdem habe sich aber die Situation weiter erheblich verschlechtert. Vielleicht bestehe durch das anstehende Volksbegehren „Rettet die Bienen“ eine echte Chance, wieder mehr Artenvielfalt in der Agrarlandschaft zu erreichen.

„Die Feldlerche würde es uns durch ihren Gesang in allen Teilen des Landkreises Donau-Ries danken“, so der Rieser Naturschutzverein. (pm)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren