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Konzert

04.01.2019

Die Faszination des Trompetenspiels

Zum Jahresbeginn begrüßte das Nördlinger Bachtrompeten-Ensemble mit dem Organisten Klaus Ortler und dem Schlagzeuger Tom Lier seine Fangemeinde mit einem Konzert von Werken mit strahlendem Trompetenklang und sentimental anrührenden Melodien. Dekan Armin Diener begrüßte die zahlreichen Zuhörer in der Oettinger Jakobskirche und trug im Konzert verbindende Psalmtexte vor.
Bild: Ernst Mayer

Das Nördlinger Bachtrompeten-Ensemble spielt zum Jahresbeginn in der Oettinger Jakobskirche. Am Ende gibt es Beifall und eine besondere Zugabe

Das Nördlinger Bachtrompeten-Ensemble hat sich in den vergangenen Jahren durch die Mitwirkung bei Kantaten- und Oratoriumsaufführungen und insbesondere durch eigene Konzerte im Ries und darüber hinaus bekannt gemacht. So war es nicht verwunderlich, dass die Jakobskirche Oettingen am Neujahrstag fast voll besetzt gewesen ist. Hinzu kommt, dass nicht nur die Bekanntheit des Namens, sondern die besondere Qualität des Trompetenspiels so viele Leute zum Besuch dieses Konzerts animierte.

Es ist nicht die von Trompeten oft erwartete Lautstärke, sondern ganz im Gegenteil der eher kammermusikalische, einander bestens angepasste Zusammenklang der Instrumentalisten, der dieses Ensemble besonders auszeichnet. Mit der hohen Trompete, – oft als Bachtrompete bezeichnet – bestimmte Rainer Hauf den barocken Charakter der Musik in der von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel geprägten Epoche mit dafür typischen Stücken wie der „Einzug der Königin von Saba“ aus Händels Oratorium „Salomon“, bei dem die Orgel die sonst obligatorischen Streicher ersetzte, ebenso wie in der Trompetenfassung von Antonio Vivaldis „Sonate in B-Dur“, mit der das Konzert nach Dekan Dieners Begrüßung eröffnet wurde. Er verlas auch während der Auftrittswechsel als geistlichen Beitrag Psalmtexte. Händels Festmarsch des „Occasional Oratorio“ setzten die drei Trompetenvirtuosen als strahlenden Ausklang an das Ende des Konzerts. Dass aber nicht nur die großformatigen Werke die Barockmusik repräsentieren, zeigte Organist Klaus Ortler mit dem „Voluntary in D“ von John Alcock, bei dem eine relativ schlichte Melodieführung mit originellen Überleitungen und Verzierungen aparte Wirkung erzielt, besonders auch mit einem eigenständigen Bass, der ohne das beim Orgelpositiv fehlenden Pedal kontrapunktisch schön zur Geltung kam. Dass er auch anders kann, bewies Ortler bei den Sätzen aus Leon Boellmanns „Suite gothique“, deren Pracht sich in einer Kathedralkirche noch prächtiger entfalten könnte, doch erzielte Ortlers engagiertes Spiel auch in der Jakobskirche an der Steinmeyer-Orgel eine eindrucksvolle kathedrale Wirkung.

Eine Suite von Renaissance-Tanzsätzen des Tylman Susato beschrieb eine Unterhaltungsmusik, die sich im 16. Jahrhundert verbreitete und an historischen Festen noch heute gerne gehört wird, im Grunde auch mit Gesang, doch auch mit Schlaginstrumenten, die in der von Tom Lier gestalteten tänzerischen Rhythmik die Zuhörer ansprach. Dem aktuellen Musikgeschmack ist es wohl geschuldet, dass das Ensemble das Spiritual „Go tell it on the mountain“ und „Gabriellas Song“ in das Programm mit aufnahmen. Allerdings waren diese Stücke geeignet, mit gefühlvollen Melodien die tonlichen Qualitäten des weich klingenden Cornetts von Armin Schneider und des klaren Trompetenspiels von Paul Lechner herauszustellen, der die Klangwirkung verschieden mensurierter Trompeten u. a. in einem gelungenen Arrangement des „Adagio“ von Tomaso G. Albinoni verdeutlichte. Dazu kann man auch Tom Liers „Eine kleine Fantasie“ zählen, einschmeichelnde Melodien für Schneiders Flügelhorn, begleitet von zerlegten Orgelakkorden und einfühlsamen Trompetenstimmen.

Die faszinierende Stimmung der von deutschen Komponisten (Uli Roever und Michael Korb) erfundenen irischen Dudelsackmelodie „Highland Cathedral“ spendeten die Musiker dem Publikum für den kräftigen Beifall als Zugabe und setzten mit der zauberhaft fließend gespielten Melodie von „Cantabile for you“ von Enrico Passini ein Sahnehäubchen darauf.

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