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Musik

23.11.2018

Die Harfe ist das bessere Cembalo

Silke Aichhorn (links) unterhielt das Publikum bei der „Klassik im Ries“ bestens. Neben ist Philipp Nickel an der Violine zu sehen.
Bild: Christina Zuber

Das Trio um die Harfenistin Silke Aichhorn punktet bei der Veranstaltung „Klassik im Ries“ mit seiner musikalischen Vielseitigkeit und einer nahbaren Art

Manche Künstler geben sich gern geheimnisvoll und introvertiert. Nicht so Silke Aichhorn. Sie spielte bei der Veranstaltung „Klassik im Ries“ in der Schalterhalle in Nördlingen. Mit ihrer erfrischenden und bodenständigen Art eroberte sie das Publikum beim Auftakt von „Klassik im Ries“. Ihr Spiel auf der Harfe war faszinierend, das Zusammenwirken mit ihren Kollegen, Professor Dejan Gavric an der Flöte und Philipp Nickel an der Bratsche, harmonisch.

Sie trat auf wie eine Künstlerin zum Anfassen. In der Pause des Konzerts wurden Silke Aichhorn und ihr imposantes Instrument umringt und bestaunt. Sieben Pedale mit jeweils drei Stellungsmöglichkeiten hat die Harfe. „Da wissen Sie, warum fast nur Frauen Harfe spielen“, sagte die Künstlerin aus Traunstein und lachte. Dass sie selbst multitasking-fähig sei, hatte Gastgeber Paul W. Ritter bereits in seiner Begrüßung erwähnt. Silke Aichhorn managt sich und ihr CD-Label selbst, organisiert Konzertabende, Kinderkonzerte und tourt mit einem eigenen Harfen-Kabarett-Programm. „Selbstverantwortung und Selbsthilfe“, das passe sehr gut zu einer genossenschaftlichen Bank, baute Ritter die Brücke zum Veranstalter. Gleich beim Auftakt-Stück, der „Sonata a due a-moll“ von Antonio Vivaldi, zeigte die Harfe, warum sie auch „Königin der Instrumente“ genannt wird: Wenn eine Harfe spielt, braucht man kein Orchester, schon gar kein Klavier oder ein Cembalo. Die Harfe kann das alles, und zwar noch besonders schön und weich im Klang. Sehr passend zum Harfen-Continuo sind die Flötentriller im ersten und zweiten Satz und die melancholische Stimme der Bratsche im dritten Satz.

Bei „Suite altfranzösischer Tänze“ hat die Bratsche ihren großen Auftritt. Mal hört sie sich wie ein Dudelsack an, dann hüpft der Bogen fröhlich über die Saiten. Der französische Komponist und Flötist François Devienne hatte „ein Herz für die Bratsche“. Und so freuten sich Prof. Gavric und Nickel auf ein Zusammenspiel „auf Augenhöhe“. Bei zwei Werken von Mozart, Andante C-Dur und Rondo A-Dur, zeigte Silke Aichhorn an der Harfe wieder, wie orchestral das Instrument ist. Wunderschöne Läufe lassen das Publikum ein ums andere Mal staunen. Beim Terzettino Es-Dur von Théodore Dubois spielt die Harfe besonders tiefe Töne, die Bratsche wird immer resoluter im Ausdruck. Auch Claude Debussy spielt mit den Kontrasten und lässt den Instrumenten eine besondere Behandlung in den drei Sätzen seiner Sonate zukommen: Die Flöte ist besonders tief, die Bratsche besonders hoch. Es entsteht eine fast meditative Stimmung, in der die Instrumente miteinander reden, bevor sie in einen gemeinsamen, feurigen Schluss münden. Erst nach einer Zugabe werden die drei Künstler vom begeisterten Publikum verabschiedet. (zub)

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