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Musik

18.03.2019

Die Zerrissenheit Gustav Mahlers

Das „Jewish Orchestra Munich“ gastierte mit einem Kammermusikensemble in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth.
Bild: Ernst Mayer

Das Jewish Chamber Orchester Munich spielt in der ehemaligen Synagoge in Hainsfarth. Es gibt einen Einblick in das Leben des Komponisten

Gustav Mahler ist den Musikliebhabern als Komponist großartiger Sinfonien bekannt. Dass er aber daneben, vor allem in seinen jungen Jahren, ein reichhaltiges Werk an Liedern geschaffen hat, ist bei einem Konzert des Jewish Chamber Orchesters Munich in der ehemaligen Synagoge Hainsfarth offenbar geworden. Mahler schuf mit seinen Lied-Kompositionen nicht nur eine feinfühlige Musik, sondern gleichzeitig auch vielfarbige Gemälde, in denen sich Text und Töne in anschauliche Bilder verwandelten und die Zuhörer in die „Traumwelt“ Mahlers versetzten. Acht absolut professionelle Musiker verzauberten die Zuhörer mit ihrem kunstvollen Zusammenspiel.

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„Vierzehn Lieder aus der Jugendzeit“ flossen aus Gustav Mahlers Feder und deckten einen großen Teil seiner Gefühlswelt auf, eine gewisse Zerrissenheit. Mahler wurde 1860 im böhmischen Kalischt in eine jüdische Familie hineingeboren. Diese Herkunft erlebte er Zeit seines Lebens als Makel für einen ehrgeizigen Musiker. Er versuchte alles, um sein Jüdischsein zu verbergen, vor allem auch durch den Übertritt zum katholischen Glauben im Jahr 1897. Er steigerte sich zeitweise sogar in einen Deutschnationalismus hinein, in Verbindung mit einer extremen Verehrung Richard Wagners. Mit diesen biographischen Informationen ließ Dirigent Daniel Grossmann die Programmabschnitte gliedern und ein umfassendes Bild des Menschen Gustav Mahler zeichnen.

Dem sei es als konvertiertem Juden gelungen, im Musikleben der Stadt Wien als Operndirektor maßgebliche Modernisierungen in der damals als verstaubt kritisierten Opern durchzusetzen, bis er aufgrund antisemitischer Anfeindungen Wien doch habe verlassen müssen. Auf der anderen Seite habe die Musik seiner Lieder seinen Satz „Wie das Kind der Erwachsene“, bestätigt, womit er den Einfluss der Volkslieder in der Kindheit auf die spätere Musikalität gemeint habe.

Die Zerrissenheit Gustav Mahlers

Die von ihm ausgewählten und teils selbst verfassten Texte eröffneten eine äußerst emotionale Seite Mahlers, die in der Besetzung des Ensembles durch ein Klavierquartett (Klavier, Violine, Bratsche und Cello) und durch die beiden Holzbläser (Klarinette und Basset-Horn) auch die unterschiedlichen Klangfarben wunderbar zur Geltung gebracht wurde.

Akkordeon und Schlagwerk lieferten den dynamischen und rhythmischen Hintergrund für den Gesang des Baritonsängers Ludwig Mittelhammer. Die Texte der Lieder spiegelten Mahlers Vielfältigkeit, aber auch die Auseinandersetzung mit sich und seinem religiösen Hintergrund wider, die sich im Schlusslied „Ich weiß nicht, wie mir ist“ manifestierte. Sein „Bekenntnis sei die Musik“, beantwortete er Fragen nach seinem Glauben.

Baritonsänger Mittelhammer gestaltete mit seiner äußerst flexiblen Gesangsführung den musikalischen Ausdruck gemäß der Textinhalte und trug damit im Zusammenwirken mit dem Dirigenten Grossmann wesentlich zu der äußerst positiven Wirkung auf das Publikum bei. Dieses bekräftigte diese am Ende mit langem Schlussapplaus und würdigte damit diese starke Einführung in das anspruchsvolle Jahresprogramm 2019.

Die nächste Veranstaltung gibt mit einem „Seder-Abend“ wieder Einblicke in das jüdische Leben: ein Pessach-Mahl, wie es ähnlich auch Jesus am Vorabend des Pessach-Festes mit seinen Jüngern hielt. Hierfür ist eine Anmeldung für den 27. April, 18 Uhr, erforderlich.

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