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Projekt

05.05.2020

Die erste inklusive Wohngemeinschaft Nördlingens

In Nördlingen soll eine inklusive Wohngemeinschaft entstehen. Derzeit werden die Räume umgebaut.
Bild: Stetz

Plus Die Lebenshilfe baut derzeit eine Wohnung für eine besondere WG um. Wer darin ein Zimmer bekommen soll.

Es werde eine Premiere für Nördlingen, sagt Michael Stetz, stellvertretender Einrichtungsleiter bei der Lebenshilfe in Nördlingen. Und er ist sich sicher, dass die Menschen der Stadt diese ungewöhnliche Form des Zusammenlebens gut annehmen werden, die bis jetzt hauptsächlich in Großstädten anzutreffen ist: Gerade wird eine Wohnung ausgebaut, in der die Lebenshilfe ab Herbst eine inklusive Wohngemeinschaft anbietet, in der Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam wohnen werden.

Für diese Form des gemeinschaftlichen Lebens hätten sich besonders zwei Mitarbeiterinnen stark gemacht, erklärt Stetz die Entstehung der Idee. Eva Konle, die heute in der Verwaltung der Lebenshilfe arbeitet, wohnte selbst einige Zeit in einer inklusiven WG in Pforzheim. Und Milena Oefele, Fachkraft für Inklusion, kennt das Konzept aus ihrer Ausbildung. Beide seien leidenschaftlich dafür eingetreten, diese Wohnform bei der Lebenshilfe umzusetzen.

Zwei Zimmer für Menschen mit Behinderung, drei für Menschen ohne Behinderung

In der zukünftigen Wohnung wird es fünf Zimmer geben. Zwei davon für Menschen mit Behinderung und drei für Menschen ohne Behinderung. Als Voraussetzungen, sich um einen entsprechenden WG-Platz zu bewerben, sagt Michael Stetz, brauche es nur die Bereitschaft, sich auf ein solches Wohnkonzept einzulassen.

Auf die Frage, wie sich die Menschen für diese besondere Wohngemeinschaft finden sollen, verweist er auf das „Windhundprinzip“. Da ein freundschaftliches Zusammenwohnen nur dann gelingt, wenn die WG-Mitglieder gerne miteinander ihr Leben und ihre Freizeit teilen, müsse die Chemie zwischen ihnen stimmen. Deshalb sei dieses Prinzip, bei dem der Erste entscheidet, wer als Nächster einziehen darf, am besten zur Auswahl der Mitbewohner geeignet. So könnten sich langsam die Zimmer mit Personen füllen, die einander sympathisch sind.

Hauptmieterin ist die Lebenshilfe

Die Lebenshilfe trägt das Wohnkonzept auch dadurch, dass sie als Hauptmieterin an die Bewohner untervermietet. Diese bezahlen Miete, wobei die nicht-behinderten Mieter über einen Arbeitsvertrag als nicht-ausgebildete Hilfskräfte Geld für die Unterstützung ihrer behinderten Mitbewohner zurückbekommen. Obwohl es diese vertragliche Regelung des Gemeinschaftslebens geben werde, sagt Stetz, liege der Fokus auf der Selbstorganisation. Je nach Bedarf werde es von der Lebenshilfe aber auch Unterstützung durch Fachkräfte für die Menschen mit Behinderung geben. Und falls es größere Unstimmigkeiten gebe, wird auch eine Gesprächsleistung angeboten.

Doch den Alltag, wie Einkaufen und gemeinsame Unternehmungen, müssten die Bewohner untereinander regeln. Und wie jede normale WG oder Familie auch, würden sie dabei ihre unterschiedlichen Bedürfnisse diskutieren und sich auch mal über einen Alltagsstreit zusammenfinden. Denn die Lebenshilfe möchte, wie Stetz betont, die Gruppe ihre Bedürfnisse selbst regeln lassen und nur dann eingreifen, wenn es nicht anders geht.

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