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Tierwelt

17.03.2015

Er war im Ries schon ganz verschwunden

Der Weißstorch ist im Ries wieder häufiger zu sehen. Anfang der 70er-Jahre war er ganz verschwunden. Dann hat sich der Mensch für ihn eingesetzt und seinen Lebensraum verbessert.
Bild: Helmut Partsch

Die Pflege des Menschen hat sich gelohnt: Es klappert wieder in etlichen Orten. Der Weißstorch ist der Vogel des Monats März

Meist im März kehren die Weißstörche von ihrer langen Reise aus Afrika heim und verkünden den Frühling. Seit einigen Jahren sind jedoch vermehrt „Überwinterer“ in Deutschland zu beobachten, die den Winter über ausharren und den langen Zugweg nicht antreten. Auch im Ries hat dieses Jahr etwa die Hälfte der hier brütenden Weißstörche (Ciconia ciconia) überwintert.

Der große weiße Vogel mit den langen roten Beinen und dem roten Schnabel erreicht eine Größe von einem Meter. Weißstörche wiegen 2600 bis 4400 Gramm und haben eine Flügelspannweite von etwa zwei Metern. Obwohl sich Weißstörche – abgesehen vom Schnabelgeklapper, was ihnen den Namen „Klapperstorch“ eingebracht hat – stimmlich ruhig verhalten, sind sie durch ihre Größe und die überwiegend weiße Färbung mit den schwarzen Arm- und Handschwingen sehr aufsehenerregend.

Auch die Wahl des Standortes für den Horst ist meistens nicht zu übersehen. In der Regel suchen sich Weißstörche einen frei liegenden Platz auf möglichst hohen Strukturen in einem Dorf aus. Das können Kirchtürme, Dächer, Masten oder Schornsteine sein. Die Männchen treffen meist kurz vor den Weibchen am Brutplatz ein. Begrüßt werden die Weibchen dann mit Schnabelklappern, bei dem das Männchen den Kopf weit in den Nacken wirft. Ab Mitte März beginnen Weißstörche mit der Ablage von drei bis fünf Eiern. Sie brüten 32 Tage. Beide Partner wechseln sich dabei ab. Nach zwei Monaten sind die jungen Störche flügge, mit etwa drei Monaten sind sie selbstständig.

Pro Tag bis zu 4,5 Kilo Nahrung

Weißstörche ernähren sich von fast allen Tieren, die sie in Feuchtwiesen finden können. Dazu zählen nicht nur Frösche, sondern auch Mäuse, Regenwürmer und Insekten sowie gelegentlich Maulwürfe, Reptilien, Aas und in feuchteren Lebensräumen auch Fische. Während der Brutzeit verzehrt eine Storchenfamilie bis zu 4,5 Kilogramm Nahrung am Tag. Solche Nahrungsmengen erfordern reich strukturierte Feuchtlebensräume, in denen die Beutetiere eine Lebensgrundlage finden. Bedeutende Nahrungsgebiete im Ries sind Wiesengebiete entlang der Fluss-und Bachtäler. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Größe der Nahrungsgebiete des Weißstorchs und seinem Bruterfolg.

Durch Veränderungen in der Landbewirtschaftung kam es in den 1980er Jahren zu einem Bestandseinbruch. In nur 50 Jahren erlebte der Weißstorch einen Rückgang von mehr als 75 Prozent. Daraufhin wurden Zucht- und Auswilderungsprogramme gestartet. Das hat geholfen: Auf der Roten Liste Bayern konnte der einst vom Aussterben bedrohte Vogel in die Kategorie „gefährdet“ zurückgestuft werden. Doch die Zuchtstörche legen nicht das gleiche Verhalten an den Tag wie ihre in freier Wildbahn aufgewachsenen Artgenossen: Sie haben keinen Zugtrieb. Oft folgen sie im ersten Winter noch den wild aufgewachsenen Störchen nach Afrika. In den Folgewintern sparen sie sich häufig die lange Reise und bleiben in Deutschland. Mittlerweile animieren gezüchtete Störche oftmals ihre aus freier Wildbahn stammenden Partner, den Winter im Brutgebiet zu verbringen. So steigt der Anteil der nicht ziehenden Störche immer weiter an. Diese haben im Frühjahr den Vorteil, zuerst die Brutreviere besetzen zu können. So kann es zur Verdrängung der ziehenden Wildstörche kommen.

Der älteste Rieser Storchennachweis stammt aus dem Jahr 1547 aus Oettingen. Aufgrund der Wörnitzabsenkung 1966/1967 mit Eingriffen in die Tallandschaft der Wörnitz und Beeinträchtigung von Feuchtstrukturen auch in anderen Feuchtgebieten brach zwischen 1970 und 1972 das Brutvorkommen des Weißstorchs völlig zusammen. Bis 1966 brüteten, wenn auch nicht alljährlich, Weißstörche in Alerheim, Amerbach, Auhausen, Birkhausen, Bühl, Fessenheim, Grosselfingen, Laub, Munningen, Oettingen, Pfäfflingen, Rudelstetten und Wechingen. 1973 und 1974 gab es im Ries kein einziges Paar mehr. 1975 besiedelte überraschend ein Storchenpaar den Oettinger Storchenhorst. Flankiert durch lebensraumverbessernde Maßnahmen wie der Wiederherstellung feuchter Wiesenbereiche in Kooperation der Stadt Oettingen mit dem Rieser Naturschutzverein kam es zu einer kontinuierlichen Besiedelung des Oettinger Horstes. Zudem fanden Neuansiedlungen 1989 in Rudelstetten, 2002 in Munningen und 2006 in Nördlingen statt. Die erfreuliche Entwicklung setzte sich fort: 2014 gab es vier Storchenhorste in Oettingen und je einen in Rudelstetten, Nördlingen, Löpsingen, Pfäfflingen, Munningen, Alerheim, Bühl, Möttingen, Harburg und Heroldingen. Zahlreiche Störche aus Zuchtstationen haben sich unter die Rieser Storchenpopulation gemischt und die Zahl der Nichtzieher und Überwinterer erhöht.

Er umfliegt das Meer und nutzt die Thermik

Bei ihrem Zug ins tropische Afrika nutzen die Störche die Thermik. Durch die Sonneneinstrahlung erwärmen sich Landflächen schneller, wodurch thermische Aufwinde entstehen. Diese können die Weißstörche nutzen und dadurch sehr kraftsparend fliegen. Daher umfliegen sie das Mittelmeer. Je nach Brutgebiet wählen sie diesen Weg: Die Ostroute führt über den Bosporus, den Nahen Osten bis in den Sudan und weiter nach Tansania. Ein Teil der Störche zieht weiter bis nach Südafrika. Bei der Westroute überqueren die Vögel bei Gibraltar das Mittelmeer und ziehen weiter ins subsaharische Westafrika.

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