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19.06.2017

Frauenpower und Rock-Legenden

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18 Bands waren in diesem Jahr beim Wuzdog-Festival in Dornstadt dabei. Unser Bild zeigt die Band „Birth Control“, die sich erstmals nach dem Tod von Bernd „Nossi“ Noske im Ries präsentierten.

Open-Air Tausende Besucher feierten am vergangenen Wochenende beim 18. Wudzdog-Festival in Dornstadt. Welche der 18 Bands diesmal für die Höhepunkte sorgten

Dornstadt Optimales Wetter hatten die Besucher und die veranstaltenden Waldgeister Dornstadt bei der 18. Auflage des Wudzdog-Festivals erwischt: Durchwegs herrschten angenehme, nicht zu heiße Temperaturen ohne einen Tropfen Regen. So konnten die Open-Air-Fans unter dem Motto „Days of Love, Peace and Music“ volle vier Tage lang nach Herzenslust abfeiern.

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Einmal mehr hatten die Organisatoren ein handverlesenes Line-up mit insgesamt 18 Bands aufgeboten. Deshalb waren Tausende von Besuchern bereits am Donnerstag auf das Festival-Gelände am Dornstädter Stöckenweiher gereist, als mit Nina Hagen und „My Baby“ geballte Frauenpower die viertägige Party eröffnete (wir berichteten).

Als Anheizer am Freitagabend fungierten die vier Jungs von „Mainfelt“ aus Südtirol, die mit melodischem und eingängigem Folkrock an ihre Vorbilder „Mumford & Sons“ erinnerten und schon früh viele Besucher vor die Bühne lockten. Mit Spannung wurde der folgende Auftritt von „Birth Control“ erwartet, die sich erstmals nach dem Tod von Urgestein Bernd „Nossi“ Noske im Ries präsentierten. Die reaktivierten Band-Mitglieder Manni von Bohr (Schlagzeug) und Peter Föller (Gesang) legten sich voll ins Zeug und schlossen ihren Auftritt mit einer spektakulären 30-Minuten-Version ihres Super-Hits „Gamma Ray“ ab. Nun war es an „Mutabor“, Stimmung und musikalischen Level hochzuhalten. Die Truppe um Frontmann Axel Steinhagen galt seinerzeit als Entdecker des Folk-Punks, der nach der Neugründung vor acht Jahren mit Pop, Reggae und Ska angereichert wurde. Große Teile des Publikums tanzten nun, im „Moshpit“ vor der Bühne ging es im Wortsinne rund. Es war schon nach Mitternacht, als „Äl Jawala“ den Schlussakkord des Tages setzten. Der Musikstil des Freiburger Quintetts bewegt sich zwischen Balkan-Soul, Dance-Beat und Modern Klezmer und ließ den Funken überspringen – den letzten Teil ihres Auftritts absolvierten die Musiker vor der Bühne inmitten ihrer Fans.

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Nach einer für viele kurzen Nacht brachten die drei Rocker von „Sunny Vegas“ die ersten Partygänger am Samstagnachmittag mit amerikanisch angehauchter „Feel-Good-Musik“ wieder auf Touren. Ein absolutes Festival-Höhepunkt war der couragierte Auftritt der jungen Liedermacherin Sarah Lesch aus Leipzig. Die Wahl-Leipzigerin und ihre beiden Musiker überzeugten mit einer Mischung aus gesellschaftskritischen und persönlichen Songs und hatten das begeistert mitgehende Publikum rasch hinter sich. So war schon zu früher Stunde das Stimmungsbarometer weit oben und der Platz vor der Bühne rappelvoll, wovon wiederum die „Blümchenknicker“ aus Bonn profitierten. Die zwölfköpfige Combo leitete mit einem Mix aus Gypsypop, Flamenco, Reggae, Ska, Polka und Folk sowie einer Handvoll Ohrwürmern gut gelaunt in den Abend über.

Viel Zerstreuung bot auch das Rahmenprogramm: Yoga und Zirkusschule, Verkaufsstände und Biergarten, Trommel-Workshop und Feuershow. Und auf der Nebenbühne versorgten „TommiLee & Friends“, Last Avenue“ und die „Mars Mushrooms“ alle die, die auch in den Umbaupausen nicht auf Musik verzichten wollten.

Den Startschuss in den Samstagabend gab die Krautrock-Legende „Guru Guru“, die mit einer wohlbekannten und unverwechselbaren Synthese aus experimentellem Rock, Avantgarde und Elektronik aufwartete. Im Zentrum der stürmischen Improvisationen befand sich natürlich „Elektrolurch“ Mani Neumeier, Schlagzeuger, Free-Jazz-Pionier und Alt-Hippie, der die Bühne auch mit seinen nunmehr 76 Lenzen noch rockte. Ein wenig Nostalgie blieb auch danach angesagt, denn „Die Sterne“ feierten kürzlich ihr 25-jähriges Gründungsjubiläum. Die Hamburger Truppe um Bandleader Ralf Spilker gilt als klassischer Vertreter der „Hamburger Schule“, die Indie-Rock, Punk und Grunge mit NDW musikalisch verquickt. Ihr breit gefächertes Best-of-Programm begeisterte nicht jeden, doch zum Tagesausklang ging die Post noch einmal richtig ab: „Rainer von Vielen“ – nach regelmäßigen Auftritten im Ries ein Lokalmatador – legte eine ebenso furiose wie schweißtreibende Show hin. Mit dem von ihm kreierten „Bastard-Pop“ ließ er es zu Quetschkommode, E-Beats und Obertongesang richtig krachen und mobilisierte die letzten Kräfte der ekstatisch tanzenden Fans.

Der letzte Festival-Tag verlief nach bewährtem Muster: Die erste Stunde gehörte traditionell der Musikkapelle Dornstadt und ihrem aktuellen Programm. Den Schlussstrich unter das Fest zogen die „Gamskampler“ aus „Schnackslreith“, Gewinner des Heimatsound-Wettbewerbs 2016. Mit frechen, hintersinnigen und leicht anarchisch angehauchten Mundart-Songs wie „Männerkatarrh“ oder „Bierallergie“ schickten die Jungs die letzten Fans auf die Heimreise.

Unter dem Strich stand einmal mehr ein höchst gelungenes, perfekt organisiertes und – in heutigen Zeiten wichtiger denn je – friedliches Festival. Die zahlreichen musikalischen Höhepunkte bedienten die verschiedensten Stil- und Geschmacksrichtungen der Fans aller Altersschichten. Und die vom Feiern sichtbar ermatteten Besucher hatten vier ereignisreiche Tage mit ausgiebig Musik, Spaß und Wudzdog-Feeling erlebt.

Bei uns im Internet:

Mehr Bilder vom Wudzdog gibt es auch online unter rieser-nachrichten.de/bilder

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