1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Land unter für Schutzmaßnahmen

Hochwasser

29.05.2013

Land unter für Schutzmaßnahmen

In Ursheim formiert sich Widerstand gegen die Umwidmung zum Überschwemmungsgebiet. Anwohner spricht von „kalter Enteignung“

Ursheim/Laub Im Jahr 2005 quoll der Hahnenkammsee bei einem Hochwasser über, Ursheim wurde überschwemmt und über die Rohrach bekam auch Laub eine Flutwelle ab. Als Konsequenz daraus wollen die Wasserwirtschaftsämter in Ansbach und Donauwörth nun Teile der Orte zu Überschwemmungsgebieten umwidmen.

In Ursheim sind 30 Wohnhäuser mit ihren Grundstücken davon betroffen, auch der Grund von Manfred Rock. Er animierte nun seine Mitbürger unter anderem im Rahmen einer Bürgerversammlung, Einspruch einzulegen gegen das Planfeststellungsverfahren, das die Umwidmung einleiten soll. Diese bezeichnet er als aufgrund der Einschränkungen der Eigentümer als „kalte Enteignung“.

Noch bis 5. Juni liegen die Unterlagen im Rathaus von Ursheim aus, bis 20. Juni kann Einspruch erhoben werden. „Wir rechnen mit 50 Einsprüchen“, sagte Rock gegenüber unserer Zeitung; parallel dazu will er eine Unterschriftensammlung organisieren.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Rock hat auch einen Lösungsvorschlag parat: eine „intelligente Wasserstandsregelung“, sprich Messung von Wasserzulauf und Pegel. Bei kritischen Werten soll ein Ventil automatisch pro Sekunde acht Kubikmeter Wasser ablassen. Diesen Ablauf verkrafte die Rohrach, wenn auch ein Jahrhunderthochwasser so nicht zu stoppen sei.

Für Arndt Bock, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach, gehen derartige Rechnungen nicht auf: „Hochwasser wie das von 2005 entsteht durch kurzfristige Starkregen, die das Gebiet schlagartig überschwemmen.“ Da wäre kein rechtzeitiges Ablassen des Sees möglich.

Der Behördenleiter sieht generell keinen Sinn darin, den Hahnenkammsee zur Hochwasserregulierung umzurüsten: „Dafür ist er mit 115000 Kubikmetern Stauraum viel zu klein. Das fünf- bis sechsfache der Menge wäre zum Hochwasserrückhalt nötig; dafür müsste man das ganze Tal fluten, sodass auch Grundstücke in Hechlingen beeinträchtigt wären.“

Der Leiter des Ansbacher Wasserwirtschaftsamtes hätte eine aus seiner Sicht bessere Lösung parat: Ein neuralgischer Punkt beim Wasserabfluss durch die Rohrach ist eine Brücke, unter der sich im Extremfall Wasser staut. Zwei Rinnen zu beiden Seiten der Brücke, durch Natursteinmauern begrenzt, könnten den Abfluss verbessern. 1,4 Millionen Euro wurden dafür schon bereitgestellt, so Arndt Bock. Doch es scheiterte auch nach intensiven Gesprächen an den beiden Grundstückseigentümern, die Land dafür zur Verfügung stellen müssen.

Einer davon ist kein anderer als Manfred Rock, Sprecher der Überschwemmungsgebiet-Gegner. Er sieht in einer Entschärfung des Flaschenhalses „kein durchdachtes Konzept“, wie er den Rieser Nachrichten sagte: „Das nützt nur wenigen Betroffenen an der Brücke, weiter unten steht das Dorf trotzdem unter Wasser.“

Kein Widerstand in der Gemeinde Laub

In Laub sollen rund 60 Hektar zum Überschwemmungsgebiet umgewidmet werden. Probleme habe damit niemand, erklärt der zuständige Bürgermeister von Munningen, Friedrich Hertle. Vielmehr hatten er und sein Gemeinderat versucht, einen Hochwasserschutz in Form eines etwa 1,3 Kilometer langen Dammes nördlich von Laub zu errichten. Doch das Projekt sei zurückgestellt worden. Zum einen seien nicht alle dafür erforderlichen Grundstücke von den Eigentümern zur Verfügung gestellt worden; zum anderen hätte es Zuschüsse erst für einen ein Meter hohen Damm gegeben, der auch ein Jahrhunderthochwasser abgehalten hätte. Der geplante Damm wäre aber lediglich 50 Zentimeter hoch gewesen; 2005 stand das Wasser 30 Zentimeter hoch.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_4959.tif
Umleitung

Plus Ausbau B29 und Benzenzimmern: Verzwickte Lage

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen