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Regelungen

12.02.2013

Mehr Hilfe für Menschen mit Demenz

Informationen über Neuerungen des „Pflege-Neuausrichtungsgesetzes“

Nördlingen Wenn es um Gesetzesänderungen geht, ist Ursula Guggeis, Leiterin der Caritas-Sozialstation St. Vinzenz Nördlingen, vorsichtig mit Phrasen wie „Verbesserungen für Pflegebedürftige“. Schon zu oft haben sich Reformen zur angeblichen Verbesserung der Situation von Pflegebedürftigen am Ende als Enttäuschung erwiesen.

Nicht ausreichend informiert

Dennoch zeige die Praxis, erklärt sie, dass viele Pflegebedürftige und deren Angehörige nicht ausreichend darüber informiert seien, welche Hilfe ihnen tatsächlich zustehe. Insbesondere gelte dies für die Regelungen des im September 2012 in Kraft getretenen „Pflege-Neuausrichtungsgesetzes“, kurz PNG.

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Im Gespräch mit unserer Zeitung will Ursula Guggeis vor allem auf zwei Neuerungen dieses Gesetzes hinweisen. „Neu ist, dass es jetzt eine Pflegestufe 0 gibt, und zwar für Menschen, mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz zum Beispiel durch eine demenzbedingte Erkrankung“, sagt sie. Neu sei auch, dass die sogenannte Verhinderungspflege – sie zielt auf die Entlastung des pflegenden Angehörigen ab – besser ausgestattet wurde. Aufgrund der Zunahme der demenziellen Erkrankungen berücksichtige das PNG, dass die bisherige Einstufung der Pflegebedürftigen allein nach Maßgabe der körperlichen Verfassung zu kurz greife. Ist eine Pflegestufe 0 anerkannt, dann erhalten die Pflegebedürftigen zusätzliche Pflegeleistungen in Höhe von 225 Euro im Monat. Ob eine Pflegestufe 0 vorliege, das entscheide der Medizinische Dienst. Der wiederum wird von den Pflegekassen eingeschaltet, nachdem die Versicherten einen entsprechenden Antrag gestellt haben.

Wenig bekannt und wenig abgerufen

Die Sozialstationen würden die Antragsteller hier im Vorfeld der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst beraten. Ebenfalls wenig bekannt und zu wenig abgerufen würde die sogenannte Verhinderungspflege: „Durch diese besonderen Leistungen sollen die Pflegenden entlastet werden, beziehungsweise soll ihnen geholfen werden, ihren Alltag zu strukturieren.“ Wenn der pflegende Angehörige selbst erkrankt sei, einen Arztbesuch machen müsse oder aber zum Beispiel einen bestimmten Vormittag für sich allein haben möchte, dann greifen diese zusätzlichen Leistungen – ohne dass dafür das Pflegegeld gekürzt werde. Das beinhalte den stunden- oder tageweisen Einsatz von ambulanten Pflegefachkräften genauso wie die stationäre Kurzzeitpflege. Lax formuliert ist dieses zusätzliche Budget, das im Jahr auf 1500 Euro begrenzt ist, so etwas wie ein bezahlter Urlaub der pflegenden Angehörigen. „Das ist eine gute Sache für beide Seiten. Auch für den Pflegebedürftigen kann die zusätzliche Kontaktperson als eine Bereicherung gesehen werden.“ Die Leiterin der Nördlinger Sozialstation betont aber auch, dass es sich hier nur um Sach- oder Dienstleistungen handle: „Das wird nicht als Geldleistung ausgezahlt. Nur wer sich tatsächlich helfen lassen will, bekommt diese Hilfe.“ Wichtig sei zudem, dass dieser Leistungsanspruch auch für Versicherte mit der neuen Pflegestufe 0 bestehe.

„Geld ist nicht alles“

Ursula Guggeis will ganz ausdrücklich die Sozialstationen als Partner der zu Hause Pflegenden ins Gespräch bringen: „Geld ist nicht alles. Wir können in Beratungsgesprächen vor Ort dabei helfen, eine Pflegesituation zu optimieren.“ Auch darauf hätten die Versicherten ein Recht. Daneben gebe es natürlich immer noch die verschiedenen Hauskrankenpflegekurse, die ebenfalls von den Sozialstationen angeboten würden. Ursula Guggeis betont das so ausdrücklich, weil sie im Laufe ihrer vielen Berufsjahre immer wieder erlebt hat, dass Menschen in Pflegesituationen sich viel zu spät Hilfe von außen geholt haben. (heja)

Mehr Informationen rund um die Pflege zu Hause gibt es bei der Sozialstation St. Vinzenz, Telefon 09081/257323 oder bei allen anderen Sozialstationen im Landkreis.

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