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Auftritt

27.06.2017

Melancholische Heiterkeit

Uta Hannabach nahm die Gelegenheit wahr, im Residenzsaal ihrer Heimatstadt Oettingen mit dem Amadis-Quartett aufzutreten. Von links: Uta Hannabach (1. Violine), Traudl Reich (2. Violine), Veronika Stross (Viola), Felix Stross (Violoncello), Oliver Klenk (Klarinette). Sie spielten unter anderem eine Bearbeitung des Streichquartetts B-Dur „Sonnenaufgang“ für Klarinette und Streichtrio von Joseph Haydn.
Bild: Ernst Mayer

Die Oettingerin Uta Hannabach kehrt mit dem Amadis-Quartett in ihre Heimatstadt zurück. Das Publikum zeigt sich von der gefühlvollen Spielweise beeindruckt

Wenn eine erfolgreiche Künstlerin die Gelegenheit erhält, in ihrer Heimatstadt aufzutreten, ist es nicht nur für sie ein großartiges Ereignis, sondern vor allem auch für die Stadt Oettingen selbst, wo auch ihre musikalische Heimat liegt, vor allem in der Schule und im Oettinger Kammerorchester.

Uta Hannabach, geborene Dietl, die ihre „ersten Geigenstriche“ bei ihrer Mutter Ortrun – Geigenlehrerin am Oettinger und Nördlinger Gymnasium – erlernte, brachte mit dem Amadis-Quartett musikalische Partner in die Oettinger Residenz, mit denen sie schon seit dem Studium verbunden ist.

Der Besuch des Oettinger Konzertpublikums zeigte, dass ihr Auftritt in voll besetztem Festsaal mit großen Erwartungen verknüpft wurde, die von den Künstlern in vollem Umfang erfüllt wurden. Das ist nicht nur der besonderen spielerischen Klasse des Streichquartetts zu verdanken, sondern auch der Mitwirkung des Klarinettensolisten der Sonderklasse, Oliver Klenk, zuzuschreiben, der in Joseph Haydns „Streichquartett B-Dur“ mit dem bezeichnenden Namen „Sonnenaufgang“ den Streichern den Klangreichtum seines Instruments beimischte und vor allem in den tieferen Bereichen wunderbare gesangliche Facetten beisteuerte. Mit der Heranziehung dieses Instruments verlieh der Bearbeiter Vincenzo Gambaro allerdings diesem auch eine dominierende Rolle im Ensemble, vielleicht auch bedingt durch die Zurückhaltung des Streichertrios, mit Ausnahme des Cellisten Felix Stross, der seine Soloteile beherzt gestaltete.

Auf alle Fälle bewirkte diese empfindsame Mäßigung eine gefühlvolle (sensible) Einstimmung zu Beginn des ersten Satzes und des Mollteils. Im Adagio konnte man ein bestechendes Duett zwischen der Klarinette und der Geige bewundern, die sich die Themen gegenseitig zuspielten. Eine ähnliche Zwiesprache ließ das Menuett zwischen Cello und Klarinette erkennen, die den Schlusssatz vorantrieb bis zu einer abschließenden fließenden Stretta.

Das „Kaiserquartett“ von Joseph Haydn wird meist auf den zweiten Satz reduziert, der die Melodie des „Deutschlandlieds“ lieferte, dass aber auch leicht nachzuvollziehende Variationen dazugehören und ein tänzerisches Menuett samt einem temperamentvollen Finale, vollendete den Gesamteindruck dieses beliebten Werkes.

W.A. Mozarts „Klarinettenquintett A-Dur, KV581“ begeisterte die Zuhörer durch den klanglichen und melodischen Zauber dieses von Mozart sehr geliebten Instruments. Unter dem Begriff „melancholische Heiterkeit“ drückte sich hier eine breite Skala des menschlichen Empfindens aus. Das arienhafte Thema des ersten Satzes wendete sich in dramatische Moll-Erfahrungen, und wie in einer Oper verschmolzen Heiterkeit und sanfte Trauer zwischen der dem Menschen ähnelnden Stimme der Klarinette und den Streichern in einer natürlichen Selbstverständlichkeit.

Die Zartheit der Zwiesprache zwischen Klarinette und Violine im Larghetto-Satz und den tänzerischen Charakter des abschließenden Allegretto verstand das Ensemble deutlich herauszustellen und damit die Freude des Publikums hervorzulocken, das für seinen herzlichen Beifall noch ein „Abendlied“ von Robert Schumann auf den Nachhauseweg mitbekam.

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