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Konzert

04.11.2017

Mitreißender musikalischer Höhepunkt

Dirigiert von Udo Knauer präsentierten die Kantorei Sankt Georg, das Orchester La Banda und die vier Solisten Anna Haase von Brincken (ganz vorne von links), Christian Rathgeber, Thomas Gropper und Stephanie Krug die h-Moll-Messe von Bach.
Bild: Ernst Mayer

In der St. Georgs-Kirche wurde am Reformationstag die h-Moll-Messe von Bach gegeben, ein Stück in lateinischer Sprache. Wer Glanzpunkte gesetzt hat

Es ist durchaus bewundernswert, wie es Udo Knauer, dem evangelischen Kirchenmusikdirektor Nördlingens, gelingt, mit seinen Chören die St. Georgs-Kirche fast bis auf den letzten Platz zu füllen. Am Reformationstag konnte er mit dem Kammerchor der Kantorei St. Georg die „H-Moll Messe“ Johann Sebastian Bachs vor vollem Haus aufführen. Gebannt hörte das Publikum auf den getragenen Beginn des „Kyrie eleison“, das stimmungsvolle Piano des Chores und die dezente Spielweise des mit historischen Instrumenten besetzten Orchesters „La Banda“. Dirigent Knauer steigerte allmählich Tempo und Lautstärke und schuf damit einen beeindruckenden Einstieg in das Werk mit dem lateinischen Text der frühen Kirche.

Die verhaltene Stimmung hellen die beiden Gesangssolistinnen mit dem Duett „Christe eleison“ auf. Stephanie Krug mit ihrem klar strukturierten Sopran und Anna Haase von Brincken mit der warmen Tonfarbe ihrer Altstimme ergänzen sich wunderbar. Ebenso kultiviert und weich intonieren die Männerstimmen des Chores und tragen zu der hoffnungsvoll und ruhig ausklingenden Chorfuge des „Kyrie eleison“ bei.

Mit Trompeten und Pauken verändert sich die Stimmung, als im „Gloria“ Ruhm und Ehre Gottes besungen werden und über allem die Sopranstimmen des Chores sehr gefühlvoll schweben. Dies greifen Sopranistin Stephanie Krug und der Konzertmeister als Sologeiger für das großartige Duett „Laudamus“ auf, mit schön ausgesungenen Koloraturen und einem diffizilen Violinspiel. Einen besonderen Akzent setzen die Traversflöten zum Duett „Domine deus“ der Sopranistin Krug mit dem Tenor Christian Rathgeber, die das Verhältnis des allmächtigen Vater zu seinem eingeborenen Sohn beschreiben. Dazu offenbart der gefühlvoll einstimmende Chor mit „Qui tollis peccata mundi“ die Bereitschaft des Gottessohns, die Sünden der Welt auf sich zu nehmen. Bestechend wirkt dazu die klangvolle Begleitung der Traversflöten. Eine Oboe d’ amore bereitet nun der Altistin von Brincken den Einstieg vor in die mit zarten Koloraturen geschmückte, wunderbar fließende Arie „Qui sedes at dexteram“ (der du zur Rechten des Vaters sitzt). Diese konnte der Zuhörer ebenso genießen wie die Arie „Quoniam tu solus sanctus“ des Bassisten Thomas Gropper und das dazu gehörende faszinierende Spiel auf einem Corno da caccia (Jagdhorn ohne Klappen). Dass auch der Chor mit Koloraturen in einem bewegten Chorsatz gut zurechtkommt und mit den aufrüttelnden Trompeten ein mitreißendes Tempo mitgeht, ist bemerkenswert.

Mitreißender musikalischer Höhepunkt

Die Symbolzahl für die Allmacht Gottes

Sieben Stimmen verlangt die einleitende Fuge des „Credo“ (Glaubensbekenntnis). Sie ist die Symbolzahl für die Allmacht Gottes. Darum wird er fünfstimmige Chor durch zwei Violinen ergänzt, die in das folgende ahnungsvolle „Et incarnatus“ (Menschwerdung) in den Chorgesang unablässig Kreuzigungsmotive einstreuen. Bei den zwei Chorsätzen über die Kreuzigung wirkt „Cruzifixus“ (Kreuzigung) erstaunlich ruhig, während „Surrexit“ (Auferstehung) heftig aufwallend angelegt ist. Bassist Thomas Gropper beschwört „Spiritum sanctum“ (den Heiligen Geist) mit klangvoller Stimme. Das abschließende „Confiteor“ (Bekenntnis) wird vom Chor innig gestaltet und erfährt einen markanten Schluss.

Dreifach bekräftigt das Wort „Sanctus“ (Heiliger) mit Pauken und Trompeten die Herrlichkeit Gottes und kündigt für das Finale der Messe das Erscheinen des Messias an. Die von nun an vorherrschende Mehrstimmigkeit stellt eine große Herausforderung im Zusammenspiel des vielstimmigen Chors mit dem Orchester dar, die Udo Knauer aber mit gewohnt ruhigem und sicherem Dirigat selbstbewusst in die richtigen Bahnen lenkt. Schließlich setzen Tenor Christian Rathgeber mit seinem gefühlsbetonten Gesang des „Benedictus“ (Segen) und Altistin Anna Haase von Brincken mit der sehr emotional dargebotenen Arie „Agnus Dei“ (Lamm Gottes) noch zwei Glanzpunkte.

Mit dem strahlenden Friedenswunsch „Dona nobis pacem“ vollendet der Kammerchor mit dem Orchester „La Banda“ eindrucksvoll die Messe und zugleich das Luther-Gedenkjahr in Nördlingen, würdig und mit einem kaum enden wollenden, verdienten Beifall.

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