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Wirtschaft

24.03.2020

Nördlingen: Was geht noch im Einzelhandel?

In den geöffneten Geschäften – etwa hier im Reformhaus Grunter oder auch in der Metzgerei Schlecht – werden die EC-Kartenlese-Geräte immer wieder desinfiziert. 

Die Corona-Krise schränkt das öffentliche Leben hart ein – auch und besonders den Einzelhandel. Einige Nördlinger Geschäfte halten den Kundenkontakt trotzdem aufrecht, setzen aber auf besondere Maßnahmen.

Welche Geschäfte zur Grundversorgung der Allgemeinheit geöffnet sein dürfen, regelt derzeit die aktuelle Allgemeinverfügung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege. So haben alle Supermärkte und sonstigen Lebensmittelgeschäfte, Getränkemärkte und Geschäfte für Tierfutter geöffnet, ebenso Bäcker und Metzger. Auch Apotheken, Drogeriemärkte, Reformhäuser, Sanitätshäuser, Optiker, Hörgeräteakustiker, Banken inklusive Geldautomaten, Tankstellen, Kfz-Werkstätten und Reinigungen haben geöffnet; entgegen einer früheren Verordnung bleiben Friseurgeschäfte geschlossen. Umgekehrt mussten also zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte schließen – etliche führen Verkauf und Belieferung aber auch ohne direkten Kundenkontakt fort.

Überblick bietet der Stadtmarketingverein

Einen Überblick für Nördlingen gibt dazu der Stadtmarketingverein „Nördlingen ist’s wert“ mit einer Infoplattform, die jetzt eingerichtet wurde und ständig erweitert und aktualisiert wird. Sie findet sich im Internet unter „www.noerdlingen.biz“ bei der Unterrubrik „Wir sind da.“ Geschäfte, die ihren Kundenkontakt aufrecht erhalten, sind eingeteilt in Einzelhandel, Gesundheit, Banken, Dienstleistung, Handwerk und Auto/Zweirad aufgeführt. Infos, auf welche Weise man an die Waren oder Dienstleistungen kommt, stehen dabei, außerdem lässt sich über angefügte Symbole die Homepage der jeweiligen Geschäfte, deren Profil beziehungsweise Lage im Stadtplan und gegebenenfalls der zugehörige Internet-Shop öffnen. Alle regionalen Internet-Shops sind dazu noch in einer Extra-Liste aufgeführt.

Susanne Vierkorn, Geschäftsstellenleiterin des Stadtmarketing-Vereins, arbeitet derzeit mit Hochdruck an der Plattform. Da alle Daten der Geschäfte, die Mitglied im Verein sind, für sie aufgrund der engen Vernetzung direkt verfügbar sind, hat sie diese als erste eingespeist. Doch sie legt großen Wert auf eine umfassende Information: „Jetzt halten alle zusammen, unabhängig von einer Mitgliedschaft“, ist ihr Credo. Welche Firma auch immer in die Plattform integriert werden wolle, könne sich bei ihr melden und die nötigen Infos schicken. Außerdem sei „Wir sind da“ mit weiteren Nördlinger Plattformen verlinkt wie mit der Website der Stadt Nördlingen „www.noerdlingen.de“, wo beispielsweise unter „Gastronomie“ Lokale mit Abholservice für Gerichte aufgelistet sind. Auch zur ergänzenden Plattform „www.noerdlingen hilft“ besteht ein Link; hier sind Geschäfte, Unternehmen, Dienstleister, Gastronomen und Einrichtungen vernetzt und mittels Kontaktformular werden laufend Ergänzungen aufgenommen.

Nördlingen: Was geht noch im Einzelhandel?

Verkäufer kennen ihre Stammkunden

Ein Beispiel für einen Lieferservice mit fernmündlicher Beratung ist das Bekleidungshaus Lettenbauer: „Unsere Kunden rufen an, teilen ihre Wünsche mit und anhand der Kundenkarten wissen wir schon einmal die Größen und die bevorzugten Marken“, sagt Inhaber Gerhard Eßmann. Stammkunden haben oft auch Stamm-Verkäufer, die ihren Geschmack gut kennen und so lässt sich zielsicher das Gewünschte finden. Aber auch auf Neukunden ist man eingestellt, bis hin zur Kommunikation über Video-Telefon, wo man Kleidungsstücke für einen ersten Eindruck im Bild zeigen kann. Die Ware wird dann per Post geschickt oder nach Ankündigung vor der Tür abgestellt. Eine Rolle spielen wie überall auch Gutscheine, die derzeit nicht nur als Geschenke dienen, sondern auch einen Solidaritätsbeitrag für die geschlossenen regionalen Läden darstellen.

Doch auch Geschäfte, die noch geöffnet sind, müssen sich auf die Krise einstellen. So ist für Rosi Schlecht von der gleichnamigen Metzgerei die Hygiene zwar ohnehin Dauerthema, aber bei den neuralgischen Kontaktpunkten zwischen Verkäufern und Kunden wird jetzt Desinfektion ganz groß geschrieben – Mitarbeiter desinfizieren das EC-Gerät nach jeder einzelnen Benutzung oder den Kassenbereich wesentlich öfter als in normalen Zeiten. Der Bedarf der Kunden müsse sich erst einspielen – vor den Ausgangsbeschränkungen wurden größere Vorräte gekauft, das war am Umsatz deutlich spürbar. „Jetzt müssen wir jeden Tag neu austarieren, wie viel die Kunden brauchen“, sagt Rosi Schlecht.

Dabei stößt sie auf generelles Verständnis, dass nicht mehr laufend das große Sortiment angeboten werden kann. „Die Kunden sind da sehr vernünftig, auch, was die erhöhte Hygiene auf beiden Seiten betrifft.“ Auch die Mitarbeiter stellen sich auf den eingeschränkten Betrieb ein, nehmen Urlaub, bauen Überstunden ab. „Jetzt muss jeder Einzelne auf seinem Platz solidarisch mitmachen, damit wir die Krise bewältigen“, sagt Rosi Schlecht mit Blick über den Tellerrand hinaus.

Kugelschreiber und EC-Gerät werden desinfiziert

Das Reformhaus Grunert spürt die Krise deutlich, obwohl das Geschäft offen bleiben darf und beispielsweise Nahrungsergänzungs- und Naturarznei-Mittel zur besseren Virenabwehr verstärkt gefragt sind. „Das Leben kam zu einem Großteil zum Erliegen“, sagt Astrid Grunert und vergleicht das Kundenaufkommen mit einem heißen Sommertag bei über 36 Grad, an dem sich nur ins Geschäft bemüht, wer unbedingt muss – deshalb ist seit die Öffnungszeit nun auf 9 bis 13 Uhr reduziert. Auch hier ist Hygiene ein ganz besonderes Gebot, da im Reformhaus naturgemäß viele ältere Menschen einkaufen. Desinfizierung von Kugelschreibern und EC-Gerät nach jeder Benutzung ist Pflicht, wer Kunden bedient, trägt eine elastische Stoffschlaufe vor Mund und Nase; Gesichtsmasken sind nicht mehr zu bekommen.

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