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Debatte

08.11.2019

Nördlinger Grundschule Mitte: Anbau wird teuer

So soll der Anbau an die Grundschule Mitte in Nördlingen aussehen.
Bild: Stadtverwaltung Nördlingen/Meissler Architekten

Plus Im Nördlinger Stadtrat stellen Verwaltung und Architekt die Kostenberechnung vor. Die liegt deutlich höher als die Schätzung aus dem vergangenen Jahr.

Dass eine Kostenschätzung keine Kostenberechnung ist, das mussten die Nördlinger Stadträte am Donnerstagabend wieder einmal zur Kenntnis nehmen. In der Sitzung im Rathaus ging es erneut um den umstrittenen Anbau an die Grundschule Mitte am Weinmarkt. Der hatte schon mehrfach für teils emotionale Debatten gesorgt, weil sich der Rat ursprünglich einstimmig für einen quaderförmigen Bau mit Flachdach ausgesprochen hatte. Doch der hätte so gar nicht den Vorgaben der Altstadtsatzung entsprochen, was wiederum viele Bürger ärgerte. Schließlich entschieden sich die Stadträte im Oktober 2018 mehrheitlich doch für einen Anbau mit Satteldach.

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Bei der Abstimmung damals war den Kommunalpolitikern lediglich eine Kostenschätzung des zuständigen Münchner Architekturbüros Meissler vorgelegen. Die Variante V2, so prognostizierten die Planer, könnte etwas mehr als fünf Millionen Euro kosten – genau gesagt 5,08 Millionen. Am Donnerstagabend stellten Sebastian Meissler und der Leiter der Abteilung Hochbau am Stadtbauamt, Jürgen Eichelmann, die Kostenberechnung für den Anbau vor – und die liegt mit 6,07 Millionen Euro deutlich höher. Eichelmann erläuterte den Räten, warum die Summe gestiegen ist – unter anderem deshalb: Weil die Variante V2 über einen Keller verfügt, benötigt man eine Rohrpfahlgründung, die schlägt mit 113000 Euro zu Buche. War bei der Schätzung nur eine Ausgabeküche vorgesehen, soll jetzt eine richtige Küche eingebaut werden – die kostet aber 72000 Euro mehr. Allgemeine Kostensteigerungen machen rund 400000 Euro aus. Und manches war in der Schätzung auch noch nicht berücksichtigt, etwa die Außenanlagen. In der Berechnung selbst fehle noch ein Posten, so Eichelmann: die Kosten für archäologischen Arbeiten. Die schätze er auf zwischen 130000 bis 3800000 Euro.

Große Klassenzimmer der Grundschule am Weinmarkt haben Charme

Eichelmann sprach sich klar dafür aus, das Projekt weiterzuverfolgen. Man müsse zwar einige Nachteile hinnehmen, Kompromisse akzeptieren. Doch die großen Klassenzimmer im Hallgebäude hätten Charme, den könne man mit einem Neubau nicht wiederherstellen. Und: Bereits jetzt habe das Projekt Anbau rund 500000 Euro gekostet, die wären bei einem Stopp verloren.

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Die Fraktionssprecher arbeiteten sich gründlich an den neuen Fakten ab. Jörg Schwarzer (CSU) sprach von „Hiobsbotschaften“. Man habe keinen Notausgang bei diesem Projekt. Schwarzer sagte, der Anbau würde die Stadt jetzt pro Quadratmeter schulspezifischer Nutzfläche 12500 Euro kosten. Das verärgerte Meissler, schließlich baue man auch sehr viel Erschließungsfläche, so der Architekt – mit dem Anbau soll das Hallgebäude behindertengerecht erschlossen werden. Schwarzer blieb jedoch dabei, man müsse den Anbau auch mit anderen Schulbauten vergleichen können, meinte er.

Thomas Mittring (Stadtteilliste) sagte, die Kostensteigerungen seien „begründet und nachvollziehbar“. Doch ein Ende sei nicht absehbar. Zumal man keine große Alternative habe. Er habe das Gefühl, man fahre auf einem Schiff und wenn man es anhalte, koste das 500000 Euro. Johannes Ziegelmeir (PWG) vertrat die Ansicht, dass man sich für ein Satteldach entschieden habe, um die Nördlinger Dachlandschaft zu schützen – und jetzt müsse man die Konsequenzen tragen. Er verwies darauf, dass der Quader rund zwei Millionen Euro weniger gekostet hätte.

Faul weist Goschenhofer zurecht

Wolfgang Goschenhofer (Grüne/Frauenliste) sprach am längsten. Er ärgerte sich darüber, dass der Beschluss am Donnerstag fallen musste: „Das Fatale ist, dass wir jetzt keine Zeit für eine Alternative haben.“ Seine Fraktion habe schon 2015 auf das Platzproblem an der Grundschule hingewiesen. Eindringlich verwies Goschenhofer auf die von ihm bevorzugte und 2018 von einer Mehrheit abgelehnte Version V1, mit der man aus seiner Sicht sich mehr als eine Million Euro sparen würde. Für den Anbau V 2 rechne er mit sieben Millionen Euro plus X. Als der OB-Kandidat der Grünen schließlich anführte, dass er sich ab dem 1. Mai 2020 mit seinem ganzen Know-how einbringen werde, um Nördlingen voranzubringen, wies ihn Oberbürgermeister Hermann Faul zurecht: Man sei in einer Stadtratsitzung und nicht in einer Wahlkampfveranstaltung.

Dass die Diskussion zu einem politischen Rundumschlag genutzt werde, sei „sehr, sehr schade“, meinte Rita Ortler (SPD): „So kann man politisch nicht arbeiten.“ Die einzige Alternative, die man habe, sei es, die Schule so zu lassen, wie sie ist. Doch man habe das Projekt auf den Weg gebracht und jetzt müsse man auch dafür stehen.

Am Ende votierte eine Mehrheit der Stadträte dafür, den geplanten Anbau trotz der hohen Kosten weiter zu verfolgen. Dagegen stimmten: Maximiliane Böckh, Hans Puffer, Markus Hager, Hans Weng und Gudrun Gebert-Löfflad.

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