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02.03.2015

Of’m Geeslesmarkt am Gansbuck

Of’m Geeslesmarkt am Gansbuck

Vom Husserl zum bissigen Gansl, der einem in die Waden zwickte

Nördlingen Jeweils im März begann vor noch etwa sechs Jahrzehnten für fast jede Bäuerin im Ries mit der Aufzucht von Gänsen eine arbeitsreiche Zeit. Hier an dieser Stelle geht es um alte Begriffe dazu, die verloren zu gehen drohen. Zum Jahresanfang begannen die Gänse wieder mit dem Eierlegen. Wer „a alta Gans“ hatte, schob ihr Anfang März für etliche Wochen ein Dutzend Eier unter, um diese vor Ort ausbrüten zu lassen. Man konnte junge Geesle aber auch „z’ Näarle of’m Geeslesmarkt am Gansbuck“ beim Rathaus kaufen. Dort fand immer am Migde der „Geesles-Markt“ statt. „Em Näarlekrätza hot ma’s bruatweis hoimtraga.“ Man ließ also alle aus einem Gelege geschlüpften Junggänse beisammen, denn die Bäuerinnen wussten, „dass ma bei ra Gans acht Täg sigt.“ Und der Altersunterschied sollte nicht zu groß sein, denn sonst hätte man noch mehr Arbeit beim Füttern und später beim Federnrupfen gehabt. Ließ man die Eier im Hof ausbrüten, so kamen die neu geschlüpften Geesle um den Josefstag (19. März) herum in einen Verschlag in die heizbare Stube. Die Erfahrung lehrte, dass man nie die ganze Brut durchbringen würde, deshalb „hot ma mehr ei’toa, als ma gwöllt hot.“ Oft sind schon beim Schlüpfen die ersten von der alten Muttergans „verdappt wora“.

Mit gehackten Brennnesseln, feinem Brot, das mit einem Ei zu einem Brei vermanscht wurde und frischen Grashalmen zog man die „Husserle“ groß. Bald bekamen sie gröberes Futter, täglich ein Bad in einem leicht angewärmten Wasser und an sonnigen Tagen durften sie schon an die frische Luft im Hof draußen oder besser auf ein Rasenstück. Dort konnten sie „däa“. Doch bewacht mussten die kleinen Gänse trotzdem werden, denn Katzen und Raubvögel waren immer eine Gefahr. Waren die Tiere so groß, dass man sie mit anderen Herden dem „Geesbua“ überlassen konnte, wurden sie zuvor „g’merkt“, das heißt, sie bekamen einen Farbtupfer verpasst. Der „Ganshirt“ trieb seine Tiere dann „zor Ganswoid“. Es war nicht immer einfach, Gänse hüten zu müssen. Da war oft der „Gansl“, ein bissiger Gänserich, der zischte und einem in die Waden biss. Mit der „Gansruat“ musste man „d’ Gees wehra“, also davon abhalten, am Nachbaracker vom jungen Getreide zu knabbern oder sie zu lange im Wasser zu lassen, denn das zehrte und die Tiere blieben mager. Kamen sie auf das laut gerufene „Alä, alä, alä!“ nicht von selbst wieder aus dem Wasser, mussten die Gänsehirten selbst hinein. Im Herbst kam der „Geeskoffer“ (Gänseaufkäufer) kaufte die Herde und ließ diese zum nächsten Bahnhof treiben, von wo alle Gänse der Region in die Großstädte verfrachtet wurden, auch wenn eine Volksweisheit folgenden Spruch kennt: „Ons Nearlenger, ons Löpsenger, ons fressat gera Gäns. Ons rupfat’s net, ons zupfat’s net, ons fressat’s mit de Schwänz!“

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