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Kosmetik

03.04.2019

Plastikfreie Hygieneartikel: Rieserin verkauft selbstgemachte Seifen

In ihrer eigenen Seifenküche kreiert Iris Neu ihre Produkte. Auf dem Bild zeigt sie die Maschine, mit der sie einen Seifenblock schneidet.

Vor mehr als zehn Jahren fängt Iris Neu aus Mönchsdeggingen an, Seifen herzustellen. Inzwischen ist draus ein erfolgreiches Kleinunternehmen geworden.

Lavendel, Mandel, Sanddorn und Zitrone: Der Arbeitsplatz von Iris Neu duftet nach den verschiedensten Zutaten. Während sie auf dem Herd gerade eine neue Seife „Lemon Gras“ herstellt, lagern im Regal gegenüber die unterschiedlichsten Seifen. Vier bis sechs Wochen müssen diese lagern, bis sie den richtigen ph-Wert haben und verkauft werden können.

Seit mehr als zehn Jahren siedet die Mönchsdeggingerin unter dem Namen „Mutsch’s Naturseifen“ Seifen. Dass daraus einmal ihr Beruf werden würde, sei nie der Plan gewesen, erinnert sie sich. Begonnen habe alles 2008, als sowohl ihr Mann als auch eine Freundin unter Hautproblemen litten. „Wir haben deshalb immer Seifen auf Märkten gekauft“, sagt Neu. Da es schwierig gewesen sei, ihre Händler auf den Märkten immer wiederzufinden, habe sie sich mit ihrer Freundin überlegt, die Naturseifen selbst zu sieden. „Ich komme aus der Landwirtschaft und hatte deshalb schon immer mit Garten, Natur und Kräutern zu tun“, sagt sie.

2013 meldet sie ihre Seifenherstellung als Gewerbe an

Ausgestattet mit Schutzkleidung und einem Buch über Seifenherstellung testeten die beiden Frauen ein Rezept. Mit Erfolg: Sie seien begeistern gewesen. Von da an beginnt Neu mit Rezepten zu experimentieren und stellt unterschiedliche Seifen her. Zunächst verschenkt sie ihre Produkte noch an Freunde und Familie oder tauscht sie gegen Naturalien. 2013 entschließt sie sich dann, ein Kleingewerbe anzumelden. Das sei der nicht so schöne Teil gewesen, erinnert sie sich. Denn: Um ihre Seifen verkaufen zu dürfen, musste sich die Mönchsdeggingerin an EU–Richtlinien halten. Sie durfte ihre Seifen zum Beispiel nicht mehr in ihrer Küche herstellen, sondern musste eine Seifenküche einrichten. Dafür haben ihr Mann und sie den Saunaraum umfunktioniert.

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Zudem musste sie alles aufzeichnen: Woher sie die Zutaten hat, wann sie welche Seife hergestellt hat. Anfangs habe sie sich noch gefragt, wieso sie alles so genau angeben muss, war es doch damals weiter ein Hobby. Bevor sie eine neue Sorte verkaufen kann, muss sie sich die jeweilige Seife außerdem immer genehmigen lassen. Bis zu vier Wochen könne das dauern.

Von Meeresbrise bis Granatapfel: Iris Neu stellt die unterschiedlichsten Seifen her.
Bild: Anja Ringel

Auf den Namen „Mutsch’s Naturseifen“ sei sie gekommen, weil ihre Kinder sie irgendwann nicht mehr Mama nennen wollten und ihr dann den Spitznamen „Mutsch“ gaben. Mehr als 40 Sorten hat sie inzwischen im Angebot. Zunächst gab es nur „normale“ Seifen. Dann kamen Haarseifen dazu, weil ihre Kunden vermehrt danach gefragt hatten. Auch eine Deocreme hat sie kreiert. Als nächstes sei ein fester Conditioner – also eine Pflegespülung für die Haare – geplant. Das Produkt werde momentan von Freunden und Familie getestet. Ihre Seifen verkauft sie auf Märkten, online, bei sich zu Hause und in einigen regionalen Läden.

Kundekontakt ist der Mönchsdeggingerin wichtig

Kundenkontakt – zum Beispiel auf Märkten – ist der Mönchsdeggingerin wichtig. Sie freue sich immer über das Vertrauen, zum Beispiel, wenn ihr Kunden ihre Hautprobleme anvertrauen, um gemeinsam eine geeignete Seife zu finden. Neu musste aber auch schon auf negatives Feedback reagieren: Sie sei teilweise massiv angegangen worden, weil sie in ihren Produkten Palmöl verwendet, erzählt sie. Ihr Öl sei zwar von einem zertifizierten Händler und es werde dafür kein Wald gerodet. Trotzdem habe sie überlegt, die Rezepte umzustellen. Bei ihrer Recherche habe sie dann unter anderem herausgefunden, dass für die Herstellung von Kokosöl zehn Mal so viel Fläche benötigt wird wie für Palmöl. Das habe sie dann in einen Gewissenskonflikt gebracht. Neu entschied sich dann, weiter mit Palmöl zu arbeiten, jedoch nur noch in Bio-Qualität.

Bis auf kleine Geschenk-Säckchen sind die Produkte von Neu plastikfrei. Die momentane Zero-Waste-Bewegung sei ein großer Grund, warum ihre Seifen so gefragt sind. „Vor 20 Jahren hätten sich wenige dafür interessiert, dass ich Seifen herstelle“, ist sie sich sicher. Es sei schön, etwas Natürliches herzustellen, das den Menschen auch helfe.

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