17.07.2017

Reggae und Rastas

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Festival Zum elften Mal fand das Afrika-Karibik-Festival statt. Geboten wurden nicht nur ausgezeichnete Konzerte

Wassertrüdingen Vier Tage lang umwehte das Festgelände in Wassertrüdingen wieder ein Hauch von Exotik: Mitreißende Shows und heiße Rhythmen auf gleich vier Bühnen, bunte Verkaufs- und Verpflegungsstände, eine belebte Zeltstadt und zumeist herrliches Sommerwetter. Mehrere tausend Besucher fanden am Wochenende den Weg zum Afrika-Karibik-Fest, das bereits zum elften Mal stattfand.

Bereits am Donnerstag sorgten auf der „Wasteland-Bühne“ in der Zeltstadt die „Bazzookas“ aus Holland für den ersten Knalleffekt. Mit ihrer „Bus-Stage“ – das Dach ihres Tour-Busses ist als Bühne umgebaut – ließen die Holländer mit treibendem Ska die Fetzen fliegen. Ab Freitag stand natürlich das musikalische Geschehen auf der Hauptbühne im Mittelpunkt, wo Moderator Mitch Oko, Gitarrist bei Rainer von Vielen, durch das Programm führte. Als Aufwärmer fungierten dabei die zehnköpfigen „Merry Judge“ mit eingängigen Melodien und erfrischenden Arrangements, ehe die „Ohrbooten“ – regelmäßige Gäste auf den Festivals im Ries – mit ihrem Rap-Hiphop-Mix zu deutschen Texten ihre vorwiegend jungen Fans mobilisierten.

Dann der erste Höhepunkt: „Kabaka Pyramid & The Bebble Rockers“ gelten zu Recht als führende Vertreter der „Rasta-Rebel-Bewegung“, multitalentierte junge Künstler aus Jamaika. Das Ergebnis ist ein unverwechselbarer Style, der Reggae, Dancehall und Hiphop gekonnt vereint. Auch von gelegentlichen Regenschauern ließen sich die Fans nicht beeindrucken und feierten unverdrossen weiter, bis zum Abschluss die „Bazzookas“ mit ihrem zweiten Festival-Auftritt diesmal die Hauptbühne enterten.

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Gleich auf vier Areas war heuer was geboten: Neben der Hauptbühne und dem „Wasteland“, wo sich auch zahlreiche regionale DJs austobten, gab es erstmals den „Rootical Dub Circus“ in einem Zirkuszelt. Hier war durchgängig szenetypische Soundsystem-Culture mit dem Schwerpunkt auf Roots- und Dubtunes geboten, die von den Soundsystemen „Mystical Obsession“, „Kaschpasoundz“ und weiteren Gast-Crews gehostet wurden. Auf der Nebenbühne schließlich war Alternativ-Programm wie Yoga, Roland’s Märchenstunde oder die Mac Trust-Zaubershow angesagt.

Zum krönenden Abschluss gab es hier am Sonntag wieder den Poetry-Slam-Wettbewerb der Wortakrobaten, der in Flo Langbein aus Bamberg einen knappen, aber verdienten Sieger fand.

Trotz einer für viele Fans kurzen Nacht war vor der Bühne schon wieder eine Menge los, als „Velo De Oza“ aus Kolumbien mit ihrem „Carranga-Rock“, einem folkloristischen Musikstil, den Samstag eröffneten und „Sir Jean & NMB Afrobeat Experience“, ein elfköpfiges französisches „Brass-Monster“, nachlegten. Mit einer eindrucksvollen Melange aus Folk, Pop, Gypsy-Jazz und Balkan-Sound leiteten „Bukahara“, vier Musiker aus drei Kontinenten, in den Abend über.

Den eröffneten „Mono & Nikitaman“, die nach drei Jahren schöpferischer Pause ihr aktuelles Album „Im Rauch der Bengalen“ vorstellten. Schon beim ersten Song „Unter Freunden“ ging es auf dem prall gefüllten Platz vor der Bühne mächtig ab, nach der furiosen Bühnenshow von „M&N“ war die Stimmung bereits am Siedepunkt. Doch „Panteón Rococó“ setzten mit einem explosiven, südamerikanisch geprägten Mix aus Ska, Punk und Rock – dazwischen eine Ska-Version des Hans Albers-Evergreens „Das Herz von St. Pauli“ – noch eins drauf. Im Nu verwandelten die neun Mexikaner die Bühne in ein Tollhaus und bewiesen, dass sie zu Recht als Top-Act des Festivals gesetzt waren. Für einen stimmungsvollen Ausklang sorgte einmal mehr Rainer von Vielen mit seiner Band „Orange“, treibende Basslinien und massive Rhythmussektionen hielten zahlreiche Fans bis zum Schluss auf dem Festplatz.

Als Abschluss und Höhepunkt des Festes öffnete am Sonntag der Afrika-Karibik-Markt seine Pforten. An zahlreichen Buden und Ständen präsentierten Künstler, Händler, Fieranten und Musikanten ihr vielfältiges Angebot: Schmuck, Kleidung, Kunsthandwerk und kulinarische Genüsse aus aller Welt. So bot sich ein buntes Bild, als mehrere tausend Besucher das Festgelände bevölkerten, sich umsahen, eine Kleinigkeit kauften, exotisches Essen zu sich nahmen oder sich einfach nur im Biergarten entspannten. Ein umfangreiches Rahmenprogramm sorgte zusätzlich für Unterhaltung und Ablenkung: Die „Wallstreet-Gallery“ mit Live-Painting, LED- und Feuershow, Zirkusschule, Spaßkoffer – es war für jeden was dabei.

Musik gab es natürlich auch: Die „Batukeros Space Groove Band“ trommelten Straßenrhythmen aus Brasilien, ehe die junge Truppe „Toké & The Soultree Collective“ im Reggae-Songwriter-Stil ihre musikalischen Visionen auf die Bühne zauberten. Eine perfekte Verbindung von westafrikanischer Manding-Musik mit Elementen von African Roots, Hiphop und Reggae boten „Jobarteh Kunda“ – Weltmusik im wörtlichen und besten Sinn. Einen echten Kracher hatten sich die Veranstalter bis zum Schluss aufgehoben: „Jahcoustix“, Rastaman und musizierender Globetrotter, hat bereits mit Weltstars wie Gentleman und Shaggy gespielt und zeigte bei seinem mitreißenden Auftritt in Wassertrüdingen, warum er ein fester Bestandteil der internationalen Reggae-Szene ist.

So ging am Sonntagabend ein Afrika-Karibik-Festival stilgerecht zu Ende, das mit seinem Konzept die Besucher erneut überzeugte: Internationale Begegnung, ein ausgezeichnetes musikalisches Line-Up, ausgelassene Stimmung , ein kunterbuntes Rahmenprogramm und vor allem ein friedliches Miteinander verschiedenster Kulturen.

Im Internet unter

www.rieser-nachrichten.de

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