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Hallenbad

03.04.2018

Schwimmen, verlieben, Spaß haben

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Sogar eine Postkarte gab es einst vom Almarin in Mönchsdeggingen. Jochen Schmidt hat sie an uns geschickt.

Das Mönchsdegginger Almarin ist für viele Rieser mit schönen Erinnerungen verbunden. Vier RN-Leser erzählen ihre Geschichten

Damals, als das Almarin noch geöffnet war – viele Geschichten beginnen so. Wir haben unsere Leser aufgerufen, ihre Erinnerungen aufzuschreiben und an uns zu schicken.

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Hermann Greiner aus Holzkirchen schreibt: Es muss in der Anfangszeit des Almarins in den Siebziger-Jahren gewesen sein. Erstmals besuchte ich dort die Sauna. Dichtgedrängt saßen die Saunagäste auf den Rängen des für damalige Verhältnisse relativ großen Saunaraumes. Mein erster Blick galt jedoch nicht den schwitzenden Menschen auf den Bänken, sondern einem in einer Ecke des Fußbodens liegenden Gegenstands. Im schummrigen Licht der Sauna erkannte ich die Umrisse eines ganzen menschlichen Beines. Der Schreck fuhr mir zunächst gehörig in die Glieder angesichts eines solchen erstmaligen Anblicks. Sehr schnell klärte sich für mich die Situation jedoch auf. Es war die Beinprothese eines damals im Ries bekannten, heute längst verstorbenen Nördlinger Mannes, der früher bei einem schweren Unfall sein Bein verlor. Trotz dieses Handicaps war er ein begeisterter Saunabesucher des Almarins, dem ich dort danach sehr oft begegnet bin.

Jahrzehnte sind seither vergangen und ungezählte Besuche des Almarins erlebte ich in den folgenden Jahren bis zu seinem Ende. Noch heute besitze ich eine nicht eingelöste Zehner-Karte der damaligen Sauna, die uns wenige Tage vor der überraschenden Schließung noch verkauft wurde und die mit dem eingeleiteten Insolvenzverfahren wertlos wurde. Seit dieser Zeit muss ich zu meinen regelmäßigen Sauna- und Schwimmbadbesuchen die Autofahrt zu einem der drei nächstliegenden, jedoch wesentlich weiter von meinem Heimatort entfernten, mittelfränkischen Badezentren antreten. Die öffentlichen Bäder in Gunzenhausen und Treuchtlingen sind derzeit teilweise geschlossen, weil sie nach vielen Jahren ihrer Existenz mit Millionenaufwand den Erfordernissen der heutigen Zeit angepasst werden. Die Stadt Dinkelsbühl hat im vergangenen Jahr mit großem finanziellem Aufwand die Saunalandschaft bei ihrem großen Hallenbad neu und sehr ansprechend gestaltet. Zu einem sehr akzeptablen Eintrittspreis bietet sie derzeit ihren Saunagästen bei freiem Zugang zur Schwimmhalle des Bades einen angenehmen, zeitlich unbegrenzten Tagesaufenthalt an.

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Natürlich habe ich das Angebot zum zeitlich befristeten Eintritt für eine Woche in Sauna und Bad des Almarins schon allein aus Respekt vor der Leistung der vielen Ehrenamtlichen angenommen. Ob ich allerdings als baldiger Anwärter auf mein achtes Lebensjahrzehnt die Wiedergeburt eines Rieser Bade- und Saunazentrums noch erleben werde, erscheint mir angesichts der heutigen Diskussionen sehr fraglich.

Peter Quecke aus Megesheim erzählt: Es muss im Jahr 1987 gewesen sein, ich ging als Löpsinger Bub in die 7. Klasse der Hauptschule Deiningen, als uns unsere Lehrerin verkündete, dass wir einen Tagesausflug ins Almarin machen werden. Um wahrscheinlich noch die nötigen Grundvoraussetzungen abzuhaken, hat sie uns die rhetorische Frage „Schwimmen könnt ihr ja gewiss alle?“ gestellt.

Tatsächlich konnte ich aber noch nicht schwimmen, was an einem früheren Vorfall am Schmähinger Weiher lag, bei dem ich beinahe ertrunken wäre und seitdem höllische Angst vorm Wasser hatte. Ich trieb damals schon bewusstlos im Weiher, aber mein Onkel Albert konnte mich retten. Deshalb wollte ich aus Scham, im Moment der Frage, natürlich auch nicht vor der Klasse zugeben, dass ich nicht schwimmen konnte. So nahm man also an, dass alle schwimmen konnten und fuhr mit dem Bus bald darauf ins Almarin nach „Degge“. Als es ans Becken ging, hatte ich es natürlich gar nicht eilig und schaute mir erst mal an was die Poser (ja die gabs damals auch schon) so alles veranstalteten. Da wurde gleich vom Startblock ins Wasser gesprungen, teils mit Salto oder mit Arschbombe, dass ich nur so staunte. Was blieb mir also anderes übrig, als schließlich auch langsam ins Wasser zu gehen und sich im Nichtschwimmer-Bereich vorzutasten. Was soll ich sagen – ich schaute mir die anderen und deren Bewegungen an, machte das so gut ich konnte nach und siehe da, ich konnte schwimmen. Wenn ich die Geschichte heute meinen Kindern erzähle, müssen wir immer wieder darüber lachen, aber so habe ich tatsächlich im Almarin schwimmen gelernt.

Emmi Gehring aus Mönchsdeggingen: Damals zur Eröffnung des Almarins, Pfingsten 1975, war es nicht anders als heute. Alle möglichen Personen wurden aktiviert, um dieses große Ereignis zu bewältigen. Ich hab damals noch in Berlin gearbeitet. Meine Schwester, Pächterin der Gaststätte, hat auch mich um Hilfe gebeten. Mit enormem Aufwand haben wir bis zur Eröffnung alles vorbereitet. Ohne große gastronomische Erfahrung, meine Schwester Meisterin der Hauswirtschaft und ich Diätassistentin und vielen Helfern aus der Gemeinde haben wir uns in den Eröffnungstag gestürzt. Der Andrang war enorm. Ein DLRG-ler, der sah, dass jede Hand gebraucht wird, hat spontan in der Gaststätte mit angepackt. Viele Stunden ohne Pause für uns wurden die Gäste versorgt. Der DLRG-ler und ich sollten kurz auch mal was essen. Doch nirgends gab es Platz zum Sitzen.

Kurz entschlossen hat meine Schwester den Hintereingang zum Saunastüberl aufgesperrt. Dort konnten wir in Ruhe essen. Wie es sein musste, kam der diensthabende DLRG-ler und fragte uns, was wir denn hier wollten. Heute sagt er, er wusste gleich, dass wir mal ein Paar würden. Nach dem Eröffnungswochenende bin ich wieder zurück nach Berlin. Doch immer wieder wurde ich um Hilfe gebeten. Und schließlich bin ich im Frühjahr 1976 ganz in den Betrieb mit eingestiegen. Mit dem Almarinbus wurde mein Umzug von Berlin nach Mönchsdeggingen gemacht. Der DLRG-ler machte nach wie vor Dienst und half auch in der Gaststätte. So kam es, wie es kommen musste, 1977 haben wir geheiratet. Bis zur Geburt unseres ersten Kindes war das Almarin unsere Heimat.

Noch heute erinnern wir uns gerne an diese Zeit, die tolle Gemeinschaft und wunderschöne Betriebsausflüge. Viele Freundschaften mit den Mitarbeitern, den Stammgästen und mit dem 1 Uhr-Weizenclub sind dabei entstanden.

Jochen Schmidt aus Alerheim hat uns die Almarin-Postkarte (links) geschickt und schreibt: „Beim Stöbern bin ich auf eine Postkarte der Almarins gestoßen und hab es nicht übers Herz gebracht, sie wegzuwerfen. Schließlich sind mit dem Almarin Kindheitserinnerungen verbunden. Als nun meine Kinder größer wurden (Janik, 15 Jahre und Jonah elf Jahre, sind aktive Mitglieder in der DLRG Mönchsdeggingen), erzählte ich ihnen, wie ich im Alter von etwa acht Jahren etwa im Jahr 1980 in den Sommerferien mit meiner großen Schwester Sabine Strass mit dem Fahrrad von Alerheim aus nach Mönchsdeggingen zum Baden gefahren bin.

Neben dem Besuch des Bades freuten wir uns schon damals auf eine große Portion Pommes mit Ketchup und Muscheleis.“

Das Hallenbad Almarin in Mönchsdeggingen ist nach Jahren wieder für eine Woche geöffnet. 224 Helfer haben mehr als 11.000 Stunden ehrenamtlich dafür gearbeitet, dass diese Aktionswoche möglich ist. Am Dienstag spielte der Musikverein Mönchsdeggingen im Bad auf - und im Wasser gab es eine Polonaise.
Video: Michael Gumpp
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