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Zeugnis

12.02.2015

So lobt man richtg

Morgen gibt es Zeugnisse. Wie Eltern richtig reagieren

Morgen gibt es Zeugnisse. Wie Eltern richtig reagieren

Von Ronald Hummel

Nördlingen Zur Zeugnisausgabe gingen die Rieser Nachrichten oftmals darauf ein, was zu tun ist, wenn die Noten schlecht ausfallen. Aber auch, wenn es gut gelaufen ist, gibt es einiges zu beachten – zum Beispiel die Frage, was überhaupt „gut gelaufen“ heißt. Laut Diplompsychologin Irmgard Huber, Beratungsrektorin für die Grund- und Mittelschulen im Landkreis, ist zum Beispiel eine hart erarbeitete Vier eine bessere Leistung als eine Zwei, die einem generell schlauen Kind quasi zuflog. Dabei sind wir schon beim großen Grundsatz, was Belohnungen betrifft: Alles ist relativ, individuell; Zahlen in Zahlen umzumünzen, also 50 Euro für eine Eins, wäre zu starr und wenig durchdacht. „Die Note ist nur ein Aspekt des Kindes“, so die Schulpsychologin, „Eltern kennen von ihrem Kind viel mehr, als in der Schule messbar ist.“ So gilt es im Vorfeld, erst einmal generell den Weg festzulegen und zu belohnen. Wenn es das Kind beispielsweise schafft, jeden Tag 20 Minuten Vokabeln zu büffeln, ist das allein schon eine Belohnung wert. Kommt noch eine gute Note raus, kann man ja einen Bonus drauflegen. Verlangt man umgekehrt nur eine gute Note, kann das üble Folgen haben: „Wenn den Eltern der Weg egal ist, lassen sie ihr Kind auf der Strecke“, so die Psychologin. Erarbeitet man hingegen Langzeitperspektiven, stellt das allein schon eine wertvolle Kommunikation innerhalb der Familie dar.

„Belohnung ist psychisches Brot“, drückt Irmgard Huber aus, dass ohne Anerkennung gar nichts geht. Da reichen schon Lobesworte; besonders stolz sind Kinder, wenn man in ihrem Beisein Dritten von kleinen und großen Erfolgen erzählt. Ein Familienbesuch im Bad oder im Freizeitpark anlässlich eines Erfolges kann ebenso Belohnung sein wie Geld, dem Rahmen der Familienkasse angepasst, oder das lang ersehnte Handy. „Belohnungen sollten klug eingesetzt werden“, so die Psychologin. So soll das Sehnen nach dem Handy einher gehen mit regelmäßig eifriger Arbeit. „Du bekommst das Handy nicht, weil du es dir wünscht, sondern weil du es dir erarbeitet hast“, laute die richtige Botschaft; es schade nicht, die Grundsätze unserer Leistungsgesellschaft umzusetzen. Aber, wie gesagt: Die Anstrengung zählt, nicht die Zahl im Zeugnis.

Denn selbst einer Vier lässt sich noch Gutes abgewinnen: Sie ist ja nur der Durchschnitt mehrerer Leistungsaspekte, beispielsweise Mal-Rechnen und Textrechnungen. Logischer weise ist ein Bereich besser als die anderen und man kann erarbeiten, warum. Das Prinzip des Teilerfolgs lässt sich vielleicht auf die anderen Bereiche übertragen: „So wird neues positives Verhalten aufgebaut.“ Und das ist wiederum eine Belohnung wert.

Überall gibt es ein Zuviel des Guten -– ein Überschütten mit Belohnungen erzeugt Verwöhnungseffekt. „Das Kind richtet sein Verhalten nur danach aus, wo noch mehr herausspringt und verliert nicht-materielle Werte aus den Augen.“ Beispielsweise der Umgang mit Freunden ist ein Aspekt, den Eltern gut bewerten und belohnen können. „Das Kind soll für die Eltern mehr sein als nur Schüler“, lautet einer der Grundsätze von Irmgard Huber.

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