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Musik

18.12.2017

Solistische Leckerbissen

Die Knabenkapelle gab in der Nördlinger Hermann-Keßler-Halle ihr Jahresschlusskonzert. Armin Schneider übernahm für den erkrankten Georg Winkler den Taktstock. 
Bild: Ernst Mayer

Die Knabenkapelle Nördlingen gibt in der Hermann-Keßler-Halle ihr Jahresschlusskonzert. Den Taktstock muss ein anderer führen.

Mit der Mitteilung, dass der Leiter der Knabenkapelle, Georg Winkler, kurzfristig erkrankt sei, musste Oberbürgermeister Hermann Faul die Konzertbesucher in der Hermann-Keßler-Halle bei seiner Begrüßung bedauernd informieren, zumal es dessen letztes Jahresschlusskonzert sein sollte. Noch stand Winklers Name auf dem Programmzettel, beim einleitenden „Marsch des Großen Kurfürsten“ überraschenderweise aber Armin Schneider auf dem Podium, der mit dieser kurzfristigen Vertretung eine schwierige Aufgabe übernehmen musste, die er aber von Beginn an souverän löste.

Zuvor lief der Aufmarsch des Trommlerkorps unter dem Befehl des Tambourmajors Michael Fischer in gewohnter Marschformation mit Schnur- und Feldtrommeln ab. Doch hier gab es auch etwas Neues. Ein rapartige Hit von „Queen“ wurde für eine eigene Vorführung der Trommler bemüht, ein ulkiger Gag, aber in den mittelalterlichen Uniformen doch etwas aus der Zeit gefallen. Den Zuschauern gefiel es.

In einen völlig anderen Musikbereich gelangte die Kapelle mit der Opern-Ouvertüre aus „Tancredi“ von Gioacchino Rossini, zu der die jungen Musikanten offenbar noch keine engere Beziehung finden, wenn sie auch bei den schwierigen spieltechnischen Herausforderungen ganz gut bestehen konnten und gute solistische Beiträge boten. Angekündigt vom zehnjährigen Moderator Tim Erdle verbreiteten die beiden hervorragenden, in der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl ausgebildeten Trompeter Andre Schneider und Alexander Dollmann mit dem Duettstück „Die Perlen“ von Henry Kling viel Spaß, wobei sie den Zuhörern ihre bereits sehr ausgereiften Fähigkeiten mit längeren Läufen und Tripelzungenspiel demonstrierten.

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Ein wenig Wienerisches und etwas Skandinavisches fand sich in dem eingängigen Konzertwalzer „Heimatkinder“ von Eugen Peter, im Arrangement von Gerhard Fetzer. Besonders interessant war die Indianerlegende „Mazama“, die Jay Chattaway, der auch für Startrek komponiert, mit exotischen Instrumenten anreicherte. Die Okarina imitierte die Indianerflöte, begleitet von Querflöte, Trommeln und ungewöhnlichem Schlagwerk, mit indianischen Kultgesängen und Melodien. Ein Sonderlob gebührt dabei der Schlagzeugertruppe, die später noch nach der Pause ihre bereits traditionellen Späßchen trieb.

Zuvor aber wurde dem Publikum noch ein solistischer Leckerbissen serviert, und zwar von Felix Schulze auf dem Saxofon – auch er ein Schüler der Berufsfachschule Musik – mit dem eindrucksvollen Stück „Pequena Czarda“ des berühmten spanischen Saxofonisten Pedro Iturralde, der vom Mitglied seiner örtlichen Kapelle bis zur Professur im Konservatorium Madrid, vom Flamenco bis zum Spiel mit manchen Jazz-Größen eine bedeutende Karriere machte. Alle diese Seiten brachte Felix wunderbar zum Klingen, mit problemlosen Übergängen und rassigem Schluss.

Den zweiten Teil des Konzerts bestritt das Vorstufenorchester unter der Leitung von Karsten Sell. Der Nachwuchs stellte sich mit drei Stücken vor: „From the Yorkshire Coast“ nach dem englischen Volkslied „Scarborough Fair“, „Ein Strauß für dich“ im Stil von Johann Strauß und der Erfolgstitel „Happy“ von Pharrell Williams.

Die nun wieder vom großen Blasorchester, zum Walzer passend, gespielte Schnellpolka, „Leichtes Blut“ von J. Strauß selbst, fand in der „Toccata d-Moll“ von J. S. Bach das Gegenstück – eine Hommage zum Bach-Jahr. Die sonst so schmerzvolle Verabschiedung der ausscheidenden Kapellenmitglieder fiel diesmal etwas geschäftsmäßiger aus, was sicher an der Abwesenheit des mit seinen „Buben“ jahrelang herzlich verbundenen, leider krankheitsmäßig verhinderten, Georg Winkler lag. Und das, obwohl 17 Musikanten Abschied nahmen, was für den Nachfolger des bald in den Ruhestand tretenden Winkler keine leichte Bürde sein wird. Den Ausklang bildete nach den Abschieds- und Dankesworten an die Verantwortlichen und Förderer der Kapelle die Blasmusikbearbeitung von „Music“, des großen Erfolgshits des britischen Rockmusikers John Miles. Der lang anhaltende Beifall lockte allerdings noch drei Zugaben heraus; sicher auch als Anerkennung für den erfolgreich eingesprungenen Dirigenten Armin Schneider.

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18.12.2017

Ein wunderbares Konzert! Wirklich Klasse was die Knabenkapelle jedes Jahr am jährlichen Abschlusskonzert leistet!

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