06.07.2010

Tanz der Sterne

Nördlingen Oft wird gesagt, dass die Sterne in einem festen Muster am Himmel stehen und sich gegeneinander nicht bewegen. Schließlich nennt man sie ja auch "Fixsterne". Allerdings handelt es sich auch hier, wie bei vielen Erscheinungen am Himmel, um einen scheinbaren Effekt. Die großen Entfernungen der Sterne bringen es mit sich, dass die zum Teil erheblichen Geschwindigkeiten, mit denen sie im Raum "herumrasen", sich in der kurzen Zeit eines Menschenlebens für uns nicht bemerkbar machen; nur mit feinen Instrumenten kann man die dadurch verursachten Ortsveränderungen, die Eigenbewegungen der Sterne, nachweisen.

So wusste man lange Zeit nichts von ihnen, denn selbst im Laufe mehrerer Jahrhunderte fallen sie noch nicht auf, und das Firmament präsentierte sich den Menschen in der Antike fast ebenso wie heute.

Beobachtungen über viele Jahrtausende hindurch würden erkennen lassen, dass die Sterne sich gegeneinander verschieben. Vor einigen Zehntausend Jahren hätte zum Beispiel niemand in den sieben hellen Sternen des Großen Bären einen Kastenwagen mit Deichsel erkennen können, und nach einigen Zehntausend Jahren wird die Konstellation wieder anders aussehen. Auch die Sonne mit ihren Planeten nimmt an diesem Tanz teil. Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts stellte Wilhelm Herschel fest, dass wir - das heißt, das gesamte Sonnensystem - uns auf einen Punkt in der Richtung des Sternbildes Herkules am Nordhimmel zu bewegen.

Man verwendet in der Fachliteratur für diesen Zielpunkt die Bezeichnung Apex: Nun muss jede Bewegung im Kosmos auf bestimmte Objekte oder Punkte bezogen werden, denn einen absoluten Fixpunkt gibt es im Weltraum nicht. So beträgt die Bahngeschwindigkeit der Erde relativ zur Sonne knapp 30 km/s oder 207 000 km/h. Gemeinsam mit der Sonne und anderen Planeten bewegt sie sich außerdem relativ zu den Sternen unserer kosmischen Umgebung mit 19km/h auf den Apex zu.

Tanz der Sterne

Verschiedene Richtungen

Alle diese Sterne führen ähnlich schnelle, aber ganz verschiedene Richtungen zielende Eigenbewegungen aus, und mit ihnen gemeinsam rasen wir mit 250 km/s wohl bemerkt wie ein riesiger Mückenschwarm um das Zentrum unseres Milchstraßensystems.

Trotzdem braucht die Sonne rund 200 Millionen Jahre zu einem Umlauf um die 28 000 Lichtjahre entfernte Mitte.

Die jeweilige Umlaufgeschwindigkeit der Sterne in komplizierter Weise ist von ihrem Abstand vom Zentrum abhängig. Es ist weder die "starre Rotation" einer Töpferscheibe noch die Abhängigkeit, die wir in ihrer einfachen Form aus den im Sonnensystem gültigen Keplerschen Gesetzen kennen.

Hier umkreisen nicht wie die Planeten die Sonne einzelne Objekte eine auf einen kleinen Zentralbereich konzentrierte Masse, sondern eine Vielzahl von Sternen, die sich ungleichmäßig über die gesamte Scheibe des Systems ausbreiten, laufen um das Zentrum.

So wirken auf jeden Stern aus allen Richtungen verschiedene Schwerkräfte ein, und von der gesamten Masseverteilung hängen die Umlaufgeschwindigkeiten wesentlich ab. Dass es bei all diesem ganzen Durcheinander nicht zu Zusammenstößen zwischen zwei Sternen kommt, liegt daran, dass die Distanzen zwischen ihnen im Verhältnis zu ihrer eigenen Größe gewaltig sind.

Die Erde kann also die kosmische Reise zusammen mit der Sonne beruhigt fortsetzen.

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