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Kunst

30.01.2020

Vernissage in Nördlingen: Der Reiz ist die schiere Größe

Kunstwerke wie dieses sind am Samstag zu sehen.
Bild: Peter Urban

Plus Sebastian Wolf und Heiner Frank präsentieren ihre Arbeiten im „Winter-Atelier“. Doch die Kunstwerke sind in Gänze nur an einem Tag zu sehen.

Alles war eigentlich zur großen „Ende-Gelände-Party“ geplant, die die Fladen-Piraten in der ehemaligen Mölle-Halle im Nördlinger Reutheweg steigenlassen wollten. Seit kurz vor Weihnachten arbeiten Sebastian Wolf und Heiner Frank in der eiskalten, leer geräumten Halle. Die Familie Altmann, beziehungsweise die Firma Binninger, der das Gelände gehört, hatten das Gebäude kostenfrei zur Verfügung gestellt, die Firma Gerlinger sponserte die Materialien und das Bauunternehmen Eigner sorgte für Licht und anderen notwendigen „Künstlerbedarf“, um die verrückte Idee der Fladen und der Künstler umsetzen zu können. Die Party wurde zwar verlegt, aber Wolf und Frank machten – zusammen mit ihrem in Nördlingen nicht unbekannten Düsseldorfer Kollegen „ABCDEF“ – weiter und tobten sich bei Wind und Wetter und unter widrigsten Bedingungen aus. Sogar die Farben seien ihnen zwischenzeitlich eingefroren, so kalt war es. Beinahe täglich schufteten sie in dem interessanten Industriedenkmal, das sie dann eben kurzerhand „Winteratelier“ nannten. Entstanden sind großformatige Graffitis, Typografie, Wandgemälde, Tape Art. Farbenfroh, intensiv und von einer unglaublichen Präsenz.

Überall sind die „Spuren“ der Künstler zu sehen: innen und außen, an der Fassade, in den Büroräumen, in der ehemaligen Auslieferung und in der leeren Abfüllhalle. Schon allein die zurückgelassene Technik würde einen Besuch lohnen, bevor die Abrissbirnen anrollen, aber die Künstler machen aus der schieren Größe der Räume ein faszinierendes Panoptikum der Kunst aller drei Protagonisten. Sie konnten sich frei die Stellen aussuchen, die zu ihren Ideen zu passen schienen.

Die Kunstwerke sind nur an diesem Samstag zu sehen

So sind riesige Flächen und Artefakte entstanden, mal farblich angepasst an die Umgebung, mal bewusst abgehoben. Wolf hat für ein Werk mehr als dreihundert fast leere Sprühdosen „angestochen“ und mit den sozusagen explodierenden Farbresten gearbeitet. Heiner Frank gestaltete nicht nur mit Abklebungen, er hat zum Teil auch MDF-Platten auf Lattungen geschraubt oder geklebt und so interessante Strukturen erschaffen. ADCDEF hat zur Vernissage, die am Samstag, 1. Februar, um 16 Uhr stattfindet, Videoinstallationen angekündigt, die die Räume zusätzlich bespielen werden. Leider wird das Spektakel nur an diesem einen Termin zu sehen sein, mehr Zeit können und wollen die drei Künstler nicht aufwenden. Für etwas Wärme in den Hallen, für Licht und Getränke wird gesorgt sein. Fotografieren wird ausdrücklich erlaubt sein, die Kunstwerke sind in Gänze nur an diesem Samstag zu sehen, danach ist buchstäblich „Schicht im Schacht“ und das Gebäude wird zeitnah dem Erdboden gleichgemacht werden. „Vielleicht finden wir einen kunstinteressierten Baggerführer, der uns das eine oder andere Mauerstück erhalten hilft“, sagt Heiner Frank etwas wehmütig, doch Sebastian Wolf sieht das wesentlich gelassener: „Kunst ist vergänglich, wie das Leben, die Welt dreht sich weiter.“ Der Eintritt am Samstag ist frei.

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