Konzert

06.05.2019

Viva Voce begeistern

Eine mitreißende Show und perfekte A-cappella-Musik bot die Gruppe „Viva Voce“ in einem ausverkauften Klösterle (von links): David Lugert (Tenor), Bastian Hupfer (Tenor), Matthias Hofmann (Bariton), dahinter Jörg Schwartzmanns (Bariton) und Heiko Benjes (Bass).
Bild: Dieter Mack

Die A-cappella-Gruppe feiert in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag. Im Klösterle zaubern sie auf der Bühne

Das war sicherlich ein musikalischer Höhepunkt, der dem Nördlinger Kulturforum mit der A-cappella-Gruppe „Viva Voce“ in einem seit Tagen ausverkauften Klösterle in Zusammenarbeit mit der Stadt Nördlingen gelang. Viva Voce wird 20 Jahre alt und sprüht nur so vor Energie. „Viva Voce“, übersetzt „es lebe die Stimme“, kann sich mit Fug und Recht zu den Topstars der internationalen A-cappella-Szene zählen. Was die fünf Jungs auf die Bühne zaubern, ist kaum zu beschreiben und ihre Musik und Show ist ein eigens für das Jubiläum gemischter Cocktail: modern, mitreißend, originell, witzig, charmant und gewürzt mit feinster Sangeskunst. Ihn zu hören ist ein Genuss vom ersten bis zum letzten Schluck, beziehungsweise Ton.

Es ist die Mischung, die den Unterschied ausmacht. Der findet seinen Anfang in der Auswahl der Musikstücke und endet in den Charakteren und Stimmen der einzelnen Sänger, die unterschiedlicher kaum sein könnten. David Lugert ist der Sonnyboy des Quintetts und verkörpert den Typ bester Schwiegersohn. Sein hohes C sitzt wie sein Anzug, und sein Tenor erweckt jede Ballade zu vibrierendem Leben. Und dann ist da noch dieses Lächeln, für das ihm manche Zuhörerin bereitwillig auch auf den „Highway to hell“ folgen würde.

Den zweiten Tenor singt Bastian Hupfer. Im Ensemble ist er abonniert auf die humorvollen, clownesken Elemente der Bühnenshow. Lustig, ohne je lächerlich zu werden, komisch ohne je nach einfachen Effekten zu haschen, ist er der ungekrönte König der Mimik, der mit einem Augenzwinkern den richtigen Ton trifft. Diametral zu den Tenören steht Heiko Benjes als Bassist. Er singt in Tiefen, die nur wenige erreichen und das auch noch laut und deutlich. Als ehemaliger Straßensänger bringt ihn nichts mehr aus der Ruhe und sein sonorer Bass ist für das Ensemble elementar.

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Aus dem Saarland stammend, ist er der einzige Nicht-Franke im Team. Jörg Schwartzmanns ist Bariton und ein wandelndes Schlagzeug. Der Mann ist ein Phänomen: Sänger und Multiinstrumentalist in Menschenform. Da lässt er schon einmal seine Jungs zu Imitationszwecken eines Schlagzeugs hinknien, und demonstriert an ihnen die einzelnen Elemente eines Drumsets vom Becken über die Toms bis hin zur Bassdrum. Und das alles nur mit Mund und Mikro. Chapeau! Das ist umwerfend.

Bleibt noch der zweite Bariton Matthias Hofmann. Mal fröhlich, mal nachdenklich, aber immer sympathisch nimmt er in seinen Songs selbst unzeitgemäßem Harndrang den Schrecken und wäre der ideale Leidensgenosse für stundenlangen Stau auf der Autobahn.

Wer soviel kann, kann auch vieles machen. Und das hat es in sich! Ein „One night Ständchen“ in abgewandelter Form, mit dem sich die Sänger selbst ein Geburtstagsständchen bringen, „Smalltalkchecker“, bei dem niveaulose Labertaschen ihr Fett abbekommen, und auch ein Song für Erich aus dem Publikum darf nicht fehlen. Gefolgt von einer wunderbaren Coverversion des Klassikers „Hallelujah“ (Leonard Cohen), die sehr melancholisch und äußerst gekonnt intoniert in einem traumhaften Schlussakkord endet. Der Höhepunkt des Abends ist dann aber zweifelsohne die Persiflage auf Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“. Hier dürfen die Zuhörer die Stilrichtung wählen. Von Klassik über Hard Rock, Rock‘n Roll , Jazz, bis hin zum Reggae, vor nichts machen die „bösen Buben“ von Viva Voce Halt. Grandios, da stimmt einfach alles, Idee und musikalische Ausführung.

Seit 20 Jahren schon mischen Viva Voce aus Ansbach die A-cappella-Szene gründlich auf. Die Band wurde von Mitgliedern des Windsbacher Knabenchors gegründet. Begonnen haben Viva Voce mal als Coverband, die unter anderem Titel der mittlerweile aufgelösten Wise Guys im Programm hatte. Inzwischen hat sich die Gruppe aus Franken beachtlich weiterentwickelt, wie sie eindrucksvoll im Klösterle unter Beweis stellen konnte.

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