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Landwirtschaft

10.06.2019

Wie Ehrenamtliche mit Drohnen Rehkitze retten

Die Tierretter setzen die Rehkitze in Kisten. Wenn der Landwirt gemäht hat, werden die Tiere wieder freigelassen.
Bild: Ralf Stoll

Plus Vereine engagieren sich, um Tiere vor dem Mähtod zu bewahren. Per Drohne suchen sie die Felder ab. Doch für die Finanzierung sind die Ehrenamtlichen auf Spenden angewiesen.

Der Wind weht durch das Gras. Vogelgezwitscher klingt von den Bäumen, die einige hundert Meter entfernt stehen, herüber. Ein Rehbock steht in einem Feld, das rund einen halben Meter hoch ist. Am Horizont läuft eine Rehgeiß mit ihren Kitzen und die Sonne strahlt an diesem Morgen. „Man hat hier den Eindruck einer heilen Welt“, sagt Ralf Stoll inmitten der Natur. Er hat zusammen mit einigen anderen Engagierten den Verein Wildtierrettung Ries Mitte gegründet.

Markus Dürrwanger, Stefan Härtle, Lukas Zuber und Martin Gruber (von links) versuchen Rehkitze davor zu bewahren, beim Mähen von Wiesen getötet zu werden. Dafür setzen sie eine Drohne ein.
Bild: Ralf Stoll

Mit einer Drohne fliegen sie über Wiesen, die in Kürze gemäht werden sollen, um dort Rehkitze aufzuspüren, damit diese nicht von den Maschinen getötet werden. Inmitten dieser Kulisse schildert Stoll, dass sie einmal ein Rehkitz aus einer Wiese geborgen haben: „Die Läufe waren abgemäht, es hat noch gelebt. Dass das nicht passiert, ist die Motivation hinter dem Verein.“

Wenn der Landwirt fertig ist, werden die Rehe wieder in die Freiheit entlassen

Bevor die Landwirte mähen, sagt Stoll, würden sie im besten Fall beim Verein rechtzeitig anrufen und ihnen mitteilen, wann sie fahren. Am Morgen, ab vier Uhr, fahren die Ehrenamtlichen die entsprechenden Wiesen ab. Die Drohne ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. Am Morgen unterscheiden sich die Temperaturen von Boden und Tieren in den Wiesen deutlich, so erkennen die Vereinsmitglieder, ob Tiere in der Wiese sind. „Wenn man ein Kitz auf dem Bildschirm erkennt, dirigiert der Drohnenpilot die anderen Vereinsmitglieder zu der entsprechenden Stelle“, schildert Stoll den Ablauf.

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Sie sammeln das Kitz ein und heben es in eine Kiste mit etwas Gras. Diese wird im Schatten, nahe der zu mähenden Wiese, abgestellt. Wenn der Landwirt fertig mit dem Mähen ist, fährt einer der Beteiligten die Strecke noch einmal ab und entlässt die jungen Rehe wieder in die Freiheit.

Der Verein hat bestimmte Genehmigungen benötigt

Etwa fünf bis sechs Wochen lang stehen die Tierretter am Tag der Mahd in der Früh auf, um vor ihrer eigentlichen Arbeit die Wiesen abzusuchen. „Lukas Zuber und Martin Gruber haben in den letzten Wochen rund 70 Kitze aus den Wiesen getragen“, betont Stoll das ehrenamtliche Engagement. Zuber ist Vorsitzender des Vereins, Gruber sein Stellvertreter. Beide haben in ihrer Freizeit viele Stunden lang nach Tieren in den Wiesen gesucht. Dabei achten sie nicht nur auf Rehkitze, sondern auch darauf, ob Vögel ihr Nest in den Wiesen abgelegt haben, sogenannte Bodenbrüter. Finden sie Nester, stecken sie das Gebiet ab und informieren die Landwirte. Die Zusammenarbeit sei meist positiv, sagt Gruber.

Den Verein haben sie im November 2018 gegründet. Bereits vor drei Jahren haben sie per Drohne nach Tieren gesucht, mit Unterstützung des Vereins Deutsche Wachtelhunde. Mittlerweile haben sie eine eigene Drohne. Am Anfang stand die Organisation hinsichtlich der Vereinsgründung. Gruber sagt, neben Aspekten wie der Gemeinnützigkeit mussten sie sich unter anderem um eine Aufstiegsgenehmigung für die Drohne kümmern. Zudem habe man entsprechende Genehmigungen benötigt, um über die Gebiete fliegen zu dürfen. Der Verein ist vor allem in Munningen, Pfäfflingen und Heuberg aktiv.

Sie finanzieren sich vor allem aus Spenden

Ein großes Problem war die Finanzierung der Drohne, die rund 20.000 Euro kostet. „Die ersten 10.000 Euro hatten wir relativ schnell zusammen, der Rest war sehr mühselig“, sagt Stoll, der als Jäger auch Vorsitzender des Kreisjagdverbandes ist. Sie finanzieren sich vor allem aus Spenden. Dazu haben die Mitglieder dem Verein ein Darlehen gegeben. Zur Finanzierung seien weitere Spenden erforderlich. Stoll würde sich zudem eine Beteiligung des Bauernverbandes wünschen.

Karlheinz Götz vom Bayerischen Bauernverband ist Kreisobmann für das Donau-Ries. Er sagt: „Wir haben in einem Pilotprojekt eine Anschubfinanzierung für den Verein Wildtierrettung Wemding-Gosheim geleistet. Aber bei uns sind die Mittel begrenzt.“ Bei diesem Verein habe unter anderem auch die Stadt Wemding einen Beitrag geleistet. Götz sieht wiederum die Jagdgenossenschaften in der Pflicht.

Karl-Heinz Fackler ist Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Donau-Ries-Kreis. Er ist einer der Mitgründer des Wemdinger Vereins. Laut seiner Aussage seien einige Jagdgenossenschaften auf ihn zugekommen. Doch er bezweifle, dass sich jede Genossenschaft das leisten könne.

Am 15. Juni geht die Arbeit weiter

Neben den Drohnen gibt es noch andere Mittel, um Kitze vor dem Mähtod zu bewahren. Beispielsweise akustische Warnsignale, die an den Mähmaschinen angebracht würden. Auch kann die Fläche zu Fuß und mit einem Hund abgegangen werden. Stoll und Götz sehen die Drohne aber als effektivstes Mittel an.

Vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium gebe es keine Förderung von Drohnen, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilt. Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sagte bei einer Rede im Mai, dass akustische Scheuchen mit Zuschüssen gefördert würden. Zudem hat das Ministerium einen „Mäh-Knigge“ herausgegeben. Es solle beispielsweise so gemäht werden, dass die Tiere einen Fluchtweg hätten. Kreisobmann Götz sagt: „Wir brauchen ein Zusammenspiel von allen: Jägern, Landwirten und Bevölkerung.“

Für die Vereinsmitglieder geht die Arbeit am 15. Juni weiter. Denn dann wird wieder gemäht und sie werden wieder per Drohne die Wiesen absuchen.

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