Musik

10.01.2018

Wie in Wien

Die Stadtkapelle und ihr Kapellmeister Armin Schneider überbrachten zum Jahresbeginn die musikalischen Grüße der Stadt Nördlingen mit einem vielseitigen Programm aus den verschiedenen Bereichen der Unterhaltungsmusik. Die etwa 60 Musikanten schenkten den begeisterten Zuhörern am Ende noch drei Zugaben, auch wenn sie auf der Bühne dicht gedrängt sitzen mussten.
Bild: Ernst Mayer

Die Stadtkapelle nimmt sich das berühmte Konzert der Philharmoniker zum Vorbild. Welche Stücke die Zuhörer genießen durften

Zum Jahresbeginn veranstaltete die Stadtkapelle Nördlingen ihr Neujahrskonzert im Stadtsaal „Klösterle“ und orientierte sich dabei thematisch am Wiener Vorbild, gab Annika Häring, die Sprecherin der Kapelle, bekannt. Darum begannen die Musikanten mit „Wien bleibt Wien“ von Johann Schrammel mit kräftigem Bläserklang und deftigem Schlagzeugrhythmus. Dirigent Armin Schneider gab dafür ein schmissiges Tempo vor, dämpfte aber im zweiten Teil des Stückes die Lautstärke, um mit der eingängigen Melodie die Stimmung der legendären Wiener Buschenschenken wiederzugeben. Diesen fröhlichen Beginn mit „Schrammelmusik“ nutzte Oberbürgermeister Hermann Faul, um den Besuchern im voll besetzten Saal die Neujahrswünsche der Stadt auszusprechen.

Die vielseitige Programmfolge wurde mit einem Abstecher in die Opernwelt des Gioacchino Rossini fortgeführt, der im „Barbier von Sevilla“ unsterbliche Arien in die Welt gesetzt hat. Musikanten und Publikum erfreuten sich in dieser Blasmusikversion an den ins Ohr gehenden Melodien und Zwischenmusiken. Wenn solche Bearbeitungen von Klassikern auch oft abgelehnt werden, können sie auch diesen Zuhörern gefallen, soweit sie rhythmisch und klanglich exakt ausgeführt werden. Für diesen Anspruch ist ein großer Übungsaufwand erforderlich und verlangt von einem Laienorchester viele Proben, um einen gleichmäßigen Gesamtklang zu erreichen.

Dies gilt besonders auch für die Stücke von Johann Strauß und seinen Söhnen, beispielsweise für den anspruchsvollen Konzertwalzer „Wein, Weib und Gesang“, einem Musterbeispiel für die unterhaltsame Wiener Musik des 19. Jahrhunderts, die für alle möglichen Ereignisse des Gesellschaftslebens komponiert wurde. Der schwungvolle Walzer des Strauß-Sohnes Johann diente dem Faschingsvergnügen. Die „Humoreske“ von Antonin Dvorak wäre sicher auch in Josef Jiskras Arrangement als Gesellschaftstanz geeignet gewesen. Lustig und humorvoll klang das im Stil einer böhmischen Polka bearbeitete tschechische Volkslied vom „Gesang der Lerche“ mit Eva-Maria Pilz als Solistin mit der im Blasorchester selten gewordenen Es-Klarinette. Für ihr sicheres Spiel erhielt sie vom Publikum viel Beifall.

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Der „Ungarische Tanz Nr. 5“ von Johannes Brahms passte zu den von der osteuropäischen Volksmusik geprägten Stücken. Der muntere „Boccaccio-Marsch“ des Operettenkomponisten Franz von Suppé eröffnete den zweiten Teil des Konzerts für ein Melodienpotpourri aus verschiedenen Opern, von „Aida“ und „Figaros Hochzeit“ bis zu dem durch Luciano Pavarotti berühmt gewordenen „Nessun Dorma“ aus Puccinis Oper „Turandot“.

Nach diesem Arienreigen verlegte sich die Kapelle wieder auf die Unterhaltungsmusik, zuerst mit der vom Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker bekannten „Tritsch-Tratsch-Polka“ des Johann Strauß und dann auf alte Schlager. Die Erkennungsmelodie „Musik liegt in der Luft“ von Heinz Gietz zur gleichnamigen Fernsehsendung und „Das ist die Berliner Luft“ aus Paul Linkes Operette „Frau Luna“, bescherten den Besuchern das heitere Ende eines vergnüglichen Abends, für den die etwa 60 Musiker der Nördlinger Stadtkapelle, mit Moderatorin Annika Häring und dem souveränen Dirigenten Armin Schneider einen lang anhaltenden Beifall überaus verdient hatten. Ohne drei Zugaben durften sie nicht aufhören, auch wenn sie in der drangvollen Enge der Saalbühne des Klösterle bereits ein umfangreiches Programm absolviert hatten.

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