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Kanada

22.01.2019

93-Jährige sperrt sich aus und erfriert

Kanada (hier die Stadt Québec am St. Lorenz-Strom) stöhnt derzeit unter einer arktischen Kältewelle.
Bild: dpa

Die Mutter eines früheren Parteivorsitzenden sperrte sich in Kanada bei Feueralarm aus ihrem Seniorenheim aus. Die 93-Jährige starb in der kalten Nacht.

Ein tragischer Todesfall bewegt Kanada. Eine 93 Jahre alte Frau, die in der Nacht zum Sonntag nach einem Feueralarm ihr Seniorenheim in Montreal unbemerkt verlassen hatte, erfror bei eisigen Temperaturen, weil hinter ihr die Tür zugefallen war und sie nicht mehr in das Gebäude zurückkehren konnte. Das Senioren-Ministerium der Provinz Quebec hat nun Ermittlungen aufgenommen.

Die 93 Jahre alte Frau, Helene Rowley Hotte, ist die Mutter von Gilles Duceppe, des früheren Vorsitzenden des Bloc Quebecois – einer Partei, die die Unabhängigkeit Quebecs von Kanada anstrebt. Der grausame Tod von Duceppes Mutter löste tiefe Betroffenheit aus. Der Premier von Québec, Francois Legault, und Vertreter verschiedener politischer Richtungen sprachen der Familie Duceppe ihr Beileid aus.

Sensoren entdecken Kohlenmonoxid

Nach Angaben der Polizei in Montreal heulte am frühen Sonntagmorgen gegen 4.15 Uhr die Sirene. Offenbar hatten Sensoren Kohlenmonoxid entdeckt. Etwa 100 Menschen verließen das Gebäude. Zwei Stunden später konnten sie zurückkehren. Helene Rowley Hotte war laut einem Bericht der Tageszeitung Montreal Gazette offenbar schwerhörig und sie hörte vermutlich nicht, dass der Teil des Gebäudes, in dem sich ihr Apartment befand, gar nicht evakuiert werden musste. Sie verließ den Gebäudetrakt durch eine Hintertür und gelangte in den Garten. Als hinter ihr die Tür zufiel, konnte sie nicht mehr in das Gebäude zurückkehren.

Weite Teile Kanadas liegen zur Zeit quasi unter einer Eisglocke. Arktische Luft strömt nach Süden. In der etwa 200 Kilometer entfernten Hauptstadt Ottawa lagen die Nachttemperaturen am Wochenende bei minus 30 Grad – wobei die Temperaturen durch den starken Wind sogar wie 40 Grad minus wirkten. In Montreal lag die Temperatur bei minus 19 Grad – mit einem „windchill“ von dann minus 32 Grad. Diese Temperaturen können binnen kurzer Zeit zu Erfrierungen führen. In Montreal war am Sonntag wegen der extremen Kälte sogar ein Schneefest in einem Stadtpark abgesagt worden.

Frau in Kanada erfroren: Lebloser Körper im Schnee

Erst mehr als sieben Stunden nach dem ursprünglichen Alarm – gegen 11.45 Uhr – wurde der leblose Körper der Frau im Schnee entdeckt. Wie die Montreal Gazette berichtet, meldete sich die Familie jeden Morgen telefonisch bei Rowley Hotte. Als sie am Sonntag nicht erreichbar war, fuhren Angehörige in das Seniorenheim und kamen in das leere Apartment. Nun sollen die weiteren Umstände des Todes von Helene Rowley Hotte analysiert werden. „Wir werden diese sehr traurige Geschichte aufklären“, sagte Senioren-Ministerin Marguerite Blais.

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