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Porträt

09.06.2017

Adam Symczyk: Der scheue documenta-Macher

Die documenta 14 wurde von dem polnischen Kurator Adam Szymczyk gestaltet.
Bild: Swen Pförtner (dpa)

Ob Adam Szymczyk spricht oder schweigt: Vorwürfe erhält er immer. Dazu ist der Pole einfach zu einflussreich in der Kunstszene, was er auch der Leitung der Documenta verdankt.

Nun also steht sie, die documenta 14 in Kassel, diese Weltschau zeitgenössischer Kunst, alle fünf Jahre neu aufgelegt. Heerscharen von Journalisten und Kunstkritikern werden morgen ausführlich berichten, auch wir.

Das Ausstellungspendant in Athen ist selbst ein Kunstgriff

Knapp dreieinhalb Jahre Vorlaufzeit erhielt diese documenta mit der Wahl des Polen Adam Szymczyk zum künstlerischen Leiter – knapp dreieinhalb Jahre, in denen der 47-Jährige fast mehr Vorbehalte hörte als Zuspruch. Weil er der traditionell 100 Tage dauernden Schau in Kassel ein Ausstellungspendant in Athen zugesellte, das – im April – sogar noch früher eröffnete als nun der documenta-Stammsitz in Kassel. Weil er mit seinem Motto „Von Athen lernen“ provokativ auf den Kopf gestellt habe, was in der landläufigen Meinung doch genau andersherum nur richtig sei: Athen müsse endlich im europäischen Verbund lernen, seine Hausaufgaben zu machen, vor allem haushaltsrechnend und schuldenbegleichend.

Da aber hielt Adam Szymczyk, 1970 bei Lódz in Zentralpolen geboren, kräftig dagegen: Griechenland sei ein Land unter mehreren, denen Schulden aufgezwungen wurden. Und wenn er und sein Kuratorenteam die documenta in Athen eröffnen, dann verlasse man nur die Kunst-Komfortzone Mitteleuropas zugunsten des krisengeschüttelten Rands. Er, Szymczyk, wolle jedenfalls die Position der Macht und Autorität so weit wie möglich verlassen, um sich in die Position der Schwäche zu begeben.

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So angriffslustig, so pointiert und so bescheiden gab sich der documenta-Macher, der in Warschau Kunstgeschichte studiert hatte, eher selten in der Öffentlichkeit. Öfter schwieg er – und erhielt natürlich auch dafür mindestens solch milde Vorwürfe wie: Er sei eine Sphinx, eine scheue.

Adam Szymczyk vertritt einen intellektuellen Kunst-Anspruch

Selbst wenn dies stimmen würde, so wäre Szymczyk gleichwohl ein wesentlicher Kopf in der internationalen Kunstszene. Die, die er kürt zur Teilnahme an der documenta, die werden in aller Regel fortan auch stärker beachtet in ihrem Schaffen. 2017 sind es besonders viele in unseren Breiten noch unbekannte Künstler. Gleich nach seiner Wahl unter anderem durch Susanne Gaensheimer, die damalige Direktorin des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, rückte Szymczyk laut eines britischen Kunstmagazins zum zweiteinflussreichsten Menschen in der Kunstwelt auf. Damals war der hagere Kurator, der seine Haare gerne strähnig in die Stirn fallen lässt, noch Chef der Kunsthalle Basel, wo er eher anspruchsvolle, intellektuelle Ausstellungen verantwortete – und ebenfalls bis dato wenig berücksichtigte Künstler bekannt machte.

Nun also hat Kassel seine Horizonterweiterungen im Angebot – darunter auch das Choreographenschaffen seiner Lebenspartnerin Alexandra Bachzetsis, in der Schweiz geborene Tochter eines Griechen. Sie steht mit ihrer Kunst für etwas, das die jetzige documenta zu einem Gutteil ausmachen wird: Performance, Tanz, Vorstellung und Musik.

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